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Selmsdorfer fordern Schutz für Menschen und Tiere

Selmsdorf Selmsdorfer fordern Schutz für Menschen und Tiere

Windenergie: Marcus Kreft erläutert Doppelstrategie der Gemeinde / Bürger melden sich in Einwohnerversammlung zu Wort

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Bürger der Gemeinde Selmsdorf nutzen eine Einwohnerversammlung in der Sporthalle, um sich über Pläne zum Bau von Windenergieanlagen informieren zu lassen und Fragen zu stellen.

Quelle: Jürgen Lenz

Selmsdorf. Der Selmsdorfer Bürgermeister Bürgermeister Marcus Kreft (SPD) hat in einer Einwohnerversammlung am Freitagabend die Doppelstrategie erläutert, mit der die Kommune auf die Pläne für den Bau von bis zu 40 Windenergieanlagen auf den Territorien der Gemeinden Selmsdorf, Lüdersdorf und Lockwisch reagiert. Er erklärte: „Wenn das Windeignungsgebiet tatsächlich kommt, müssen wir eine Strategie verfolgen und schon verhandelt haben.“

Wie berichtet, soll die Gemeinde Selmsdorf laut einer Empfehlung des Bauausschusses bei einer Stellungnahme bleiben, mit der sie sich im vorigen Jahr gemeinsam mit der Nachbarkommune Lüdersdorf gegen ein neues „Windeignungsgebiet“ gewendet hat. Sie verweist darauf, dass bereits auf 48 Hektar nordöstlich von Selmsdorf 13 Windkraftanlagen stehen und die 163 Hektar große Deponie Ihlenberg Abfälle aus der ganzen Region aufnimmt. „Alleine durch diese Flächen und Anlagen trägt die Bevölkerung bereits erhebliche Lasten für die ganze Region“, argumentiert die Gemeinde Selmsdorf. In der Stellungnahme heißt es weiter: „Die intensive Nutzung von Flächen von überregionalen Funktionen führt dazu, dass der Hauptort der Gemeinde Selmsdorf im Westen durch Gewerbefunktionen, im Osten und Nordosten durch bestehende Windkraftanlagen und im Süden durch die Anlagen der Deponie beeinträchtigt wird.“ Als weiteres Gegenargument bringt die Gemeinde jetzt den Schutz des Unesco-Welterbes „Lübecker Altstadt“ vor. Anlagen in dem nun geplanten, 243 Hektar großen Windeignungsgebiet könnten die Sieben-Türme-Silhouette stören und damit den Welterbestatus gefährden. Marcus Kreft sagte am Freitagabend: „Im schlimmsten Fall sind 40 Anlagen in diesem Gebiet möglich, davon 15 auf unserer Seite.“ Die mögliche Höhe: bis 200 Meter.

Kreft warnte am Freitagabend davor, zum Bau von Windenergieanlagen nur Nein zu sagen. Er erklärte: „Dann könnte am Ende ein Windeignungsgebiet ausgewiesen werden, auf das wir keinen Einfluss haben.“

Deshalb verfolgt Selmsdorf eine weitere Strategie: über Verhandlungen und einen städtebaulichen Vertrag Einfluss nehmen. Dafür hat sich die Gemeinde nach Auskunft des Bürgermeisters rechtlichen Beistand eingeholt. Sie lässt sich durch Fachanwälte für den Bereich Windenergie beraten. Ergebnisse erster Gespräche mit Beauftragten der Grundstückseigentümer seien: statt 15 Anlagen auf Selmsdorfer Gebiet nur acht, mindestens ein Kilometer Entfernung zu Hof Selmsdorf, eine einheitliche Anlagenhöhe und „keine Dauerbefeuerung“.

Einwohner der Gemeinde forderten am Freitagabend, dass der Schutz von Tieren berücksichtigt werden müsse, die sich in dem vorgesehenen Windeignungsgebiet aufhalten, und auch der Lärmschutz einzufordern sei. Ein Bürger bemängelte: „Davon, dass wir Energie für die Zukunft brauchen, wird nicht gesprochen. Man sollte auch den Nutzen sehen. Wir brauchen erneuerbare Energie.“ Marcus Kreft erwiderte: „Erneuerbare Energie ja, aber den Weg, der im Moment beschritten wird, finde ich falsch.“ Die finanziellen Vorteile seien sehr ungerecht verteilt und 40 Anlagen zu viel. Marcus Kreft versprach den Einwohnern: „Zum gesamten Thema halten wir Sie über Informationen auf dem Laufenden.“

Jürgen Lenz

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