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Senioren fordern mehr Miteinander

Boltenhagen Senioren fordern mehr Miteinander

Die älteren Bürger im Ostseebad Boltenhagen üben Kritik am Umgang der Kommunalpolitiker untereinander

Boltenhagen. Die zwischenzeitliche Entlassung von Kurdirektorin Claudia Hörl im Jahr 2012, der Rücktritt von Gemeindevertreter Kai Dunkelmann 2016 („Muppet-Show“) oder der Eklat in der Gemeindevertretung Mitte Januar: Im Ostseebad Boltenhagen haben sich in den zurückliegenden Jahren schon einige politische Possen abgespielt. Zuletzt hatten Streitigkeiten zwischen dem Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) und dem Abgeordneten Olaf Claus (BfB/Bolte) vor fast drei Wochen dafür gesorgt, dass die Sitzung der Gemeindevertreter vorzeitig wegen Beschlussunfähigkeit abgebrochen werden musste. Zwei Teilnehmer hatten den Raum verlassen (OZ berichtete).

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Die älteren Bürger im Ostseebad Boltenhagen üben Kritik am Umgang der Kommunalpolitiker untereinander

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Bei den Senioren im Ort sorgen derartige Eskapaden der Kommunalvertreter nur noch für großes Kopfschütteln. „Es geht so nicht weiter“, meint Gisela Günther. Die 77-Jährige ist selbst noch Mitglied im Boltenhagener Sozialausschuss. Und sie betont: „So schlimm war es früher nicht. Der Umgangston muss sich dringend ändern.“ Sie bemängelt, dass es zwischen den gewählten Vertretern immer wieder kleinere private Scharmützel gibt. „Es wird gegeneinander geschossen und das öffentlich. Es ist ein schlechtes Miteinander“, sagt Günther, die zur Fraktion BfB/Bolte gehört.

Das sieht auch Brigitta Hilscher so. Die Vorsitzende des Seniorenbeirats in Boltenhagen sieht die Politiker im Ostseebad in der Verantwortung. „Politik geht nur, wenn man respektvoll und sachbezogen miteinander umgeht und nicht versucht, dem anderen die Beine wegzuhauen.“ Doch allen voran in der Gemeindevertretung würden immer wieder persönliche Querelen mitschwingen. „Das hat in diesen Sitzungen nichts zu suchen. Damit sinkt auch das Niveau der Gemeindevertretung“, betont die 70-Jährige.

Als „zerstritten“ betitelt Jürgen Schossow die Boltenhagener Abgeordnetenversammlung. Der 68-Jährige war von 1990 bis 1997 selbst Gemeindevertreter. Und für ihn steht fest: „In Boltenhagen stimmt etwas nicht.“ Das hatte auch ein Gutachten der Berliner Beratungsfirma dwif Consulting festgestellt, die den Masterplan 2020 und seine Umsetzung untersucht hatte. Dort wurde den Experten deutlich, dass im Ostseebad ein „zerrüttetes Klima“ sowie „Neid“ und „Missgunst“ herrschen. Die Beauftragung eines Mediators hatten die Politiker im Dezember allerdings mit einer knappen Mehrheit abgelehnt.

„Mit der Begründung, dass es Neid und Missgunst auch in anderen Gemeinden gibt. Das ist doch kein Argument“, echauffiert sich Schossow. „Boltenhagen braucht dringend einen Mediator, einen Außenstehenden, der uns berät“, bekräftigt er und ergänzt: „Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken.“

Bürgermeister Christian Schmiedeberg weiß, dass „die Streitkultur manchmal Überhand“ nimmt. Er verweist darauf, dass bereits vor einigen Jahren zwischenmenschliche Gräben entstanden sind. „Doch die konnten wir zuletzt aus der Politik heraushalten. Scharfe Debatten gehören zum politischen Alltag aber dazu. Für mich ist das alles nicht so tragisch“, sagt er. Denn bei den Beschlüssen hätten die Gemeindevertreter in der jüngsten Vergangenheit zum großen Teil Einheitlichkeit gezeigt. „Bei den Debatten sollte man sachlich bleiben, das wird aber leider nicht immer der Fall sein“, so Schmiedeberg. Der Bürgermeister sei selbst schon häufig heftig angegangen worden.

Dennoch wünschen sich die Senioren in Zukunft Besserung von den Kommunalvertretern. „Sie verhalten sich manchmal wie im Kindergarten. In Zukunft sollte mehr miteinander gearbeitet werden“, sagt Harry Möller, Mitglied im Seniorenbeirat von Boltenhagen. Das unterstreicht auch Gisela Günther. Ansonsten, so sagt sie, „werden sich viele fragen, warum sie nächstes Jahr überhaupt zur Wahl gehen sollen“.

Bemerkenswert: Am Dienstag war Christian Schmiedeberg zu Gast beim Kaffeeklatsch des Seniorenbeirats im Restaurant „Zur Seebrücke“. Dabei stellte er sich auch den Fragen der Anwesenden. Kritische Bemerkungen zum Umgang der Politiker untereinander gab es dabei aber nicht.

Die „Muppet-Show“

Im April 2016 legte der damalige Boltenhagener Gemeindevertreter Kai Dunkelmann sein Mandat überraschend während einer Sitzung der Abgeordneten nieder. „Diese Muppet- Show mach‘ ich nicht mehr mit“, sagte er damals. Er war bereits im April 2015 aus der CDU-Fraktion ausgetreten, deren Vorsitzender er war, weil es aus seiner Sicht zu viele „unterschiedliche Interessen einzelner Mitglieder“

gegeben hatte.

Daniel Heidmann

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