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Grevesmühlen Solidarisch in Boienhagen
Mecklenburg Grevesmühlen Solidarisch in Boienhagen
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00:21 18.05.2018
Johannes Walzer (l.) ist Landwirt. Lennard Berger, hier mit Jagdhündin Maya, die auch tatkräftig den Hof bewacht, ist Forstsachverständiger.
Boienhagen

Wie wäre es mit frischem Mangold, Salat, knackigen Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln, Kürbis, Knoblauch, Rote Beete oder Kohl? Jeweils dann geerntet, wenn es Zeit dafür ist und wirklich regional – in Boienhagen – erzeugt und dazu noch Bio? Hört sich gut an? Dann sind Sie vielleicht mit dabei in den kommenden Jahren, wenn der Testballon, den drei junge Leute in Boienhagen auf einem Erbpachthof der Kirche Nord in diesem Jahr gestartet haben, wirklich gut abhebt und sanft landet.

Neu-Dorfbewohner versuchen ein anderes Modell von Landwirtschaft in der Region zu etablieren

Worum geht es? Das erklärt Johannes Walzer (27) – gebürtiger Schweriner, der, wie seine Freundin Laura Koch (28) und der gemeinsame Freund Lennard Berger (28), an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde studiert hat: „Was wir hier versuchen, nennt man solidarische Landwirtschaft. Wir suchen private Abnehmer für unsere Ernte, kalkulieren im Vorhinein, was die Kosten des Anbaus sein werden. Die gesamte Summe wird durch alle Projektteilnehmer geteilt und im Vorhinein gezahlt. Jeder, der teilnimmt, kann sein Gemüse entweder hier vom Hof abholen oder aus Depots, die wir zum Beispiel auch in Schwerin errichten wollen.“

Das Projekt startet in diesem Jahr mit 15 Teilnehmern. „Familie und Freunde zunächst“, erklärt Walzer und schiebt dann hinterher: „Das ging überraschend schnell, auf einmal wurden es immer mehr und jetzt hätten wir noch viel mehr Menschen, die mitmachen wollen, aufnehmen können.“ Doch der studierte Landwirt für ökologischen Landbau und seine Freunde – Laura hat Naturschutz studiert, Lennard ist Forstsachverständiger und Jäger – wollen es langsam angehen lassen. Sie fangen erst einmal im Nebengewerbe mit der solidarischen Landwirtschaft an – Johannes als Gärtner in Medewege, Laura arbeitet als Landschaftsplanerin in Lübeck. Lennard erstellt Forstgutachten und gibt Kurse in Jagdschulen.

Eines wissen sie – es ist nicht so einfach, eine Gemeinschaft dauerhaft zu etablieren und etwas anderes zu versuchen. Etwas, was eigentlich alt ist – denn auf diese Art und Weise, mit sehr viel Handarbeit, haben schon unsere Urgroßeltern ihr Land bestellt – das aber neu aufgezogen wird, in der Art wie Kosten getragen und Ernte verteilt wird. „Solche Dinge müssen langsam wachsen“, weiß

Walzer und ebenso langsam und natürlich soll auch die Sanierung, zum Beispiel des alten Bauernhauses vor sich gehen. Alles nach und nach, Schritt für Schritt.

Lennard Berger stammt aus Bad Oldesloe, Laura aus Berlin Falkensee. Alle drei eint, dass sie das Leben in der Natur lieben, in keiner Stadt wohnen möchten. Ebenso eint sie die Vorstellung, das Leben anders, mehr mit Augenmaß anzugehen. „Ruhig geht es dabei nicht immer zu“, sagt Berger. „In der Pflanz- und Erntezeit ist ganz schön was los. Aber dann kommt eben wieder mehr Stille, im Winter.“

Jagdhündin Maya, die zu Berger gehört, ist vier Jahre alt und weitaus mehr als ein Jagdhund. Sie passt auch auf, dass kein Unbefugter den Hof betritt – was nicht schlecht ist, denn ein bisschen abseits liegt der Erbpachthof schon. Was die Viehhaltung angehe, sagt Johannes Walzer, werde es wohl nur um Geflügel gehen. „Zum einen wollen wir die Eier und das Fleisch für uns, werden es aber auch zum Verkauf anbieten.“ Ein, zwei Schweine hätten sie auch gern, doch die momentane Situation mit der Schweinepest macht das eher unwahrscheinlich. „Denn die Schweine sollten natürlich auf Freiland leben“, sagt Walzer.

Von dem Erbpachthof haben die drei übrigens über das Bündnis Junge Landwirtschaft gehört. Die Kirche hatte sich an dieses Bündnis gewandt, die Studenten hatten davon gehört und Walzer fuhr gleich mal los, um sich den Hof anzuschauen.

„Das passte gut, dass es hier in der Gegend ist, die ich gut kenne“, sagt Walzer. Er sah den Hof und fand ihn perfekt. Für all das, was er und seine Freundin Laura so planten. Sieben Hektar können sie nun erst einmal bewirtschaften, die gleich am Hof liegen. Es gehört noch mehr Land zum Gehöft, doch das ist an einen anderen Bauern verpachtet. Mit den in 1970er Jahren weltweit gegründeten Hippie-Kommunen wollen die drei jungen Leute übrigens auf keinen Fall verglichen werden. „Den Bezug dazu sehen wir nicht“, sagt Walzer. „Wir wollen hier in Boienhagen ein seriöses landwirtschaftliches Unternehmen aufbauen.“

Nun bleibt abzuwarten, wie das erste Jahr so läuft. Ob die kalkulierten Kosten reichen, ob alle, die mitmachen, zufrieden sind. Im Übrigen geht die Solidarität sogar noch ein Stück weiter – denn, wie Walzer erklärt: „Damit auch Leute mitmachen können, die sich sonst Bio nicht leisten könnten, gibt es die Möglichkeit, dass Mitglieder, die mehr verdienen, einen höheren Beitrag zahlen, als andere.“

Das wird in einer Versammlung miteinander besprochen und verhandelt, genau wie das, was angebaut werden soll. „Wenn also die Mehrheit kein Mangold, dafür Erbsen will, dann werden eben Erbsen angebaut“, erklärt Walzer.

Annett Meinke

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