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Sozialarbeit: Unterschätzt und unverzichtbar im Schulalltag

Grevesmühlen/Wismar Sozialarbeit: Unterschätzt und unverzichtbar im Schulalltag

Mobbing nach wie vor großes Thema / Fachkräfte kaum an Grundschulen

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„„Die Probleme der Schüler sind viel- fältig wie das Le- ben. Manche su- chen nur ein offe- nes Ohr, andere haben Schwer- wiegenderes.“Doris Lobatz Regionale Schule Grevesmühlen

Grevesmühlen/Wismar. Sie hat die Badezimmertür hinter sich abgeriegelt und sitzt auf dem Wannenrand. Die Rasierklinge ist fest in ihrer Hand. Sie setzt an und zieht sie durch die Haut an ihrem Arm. Wieder und wieder. Der körperliche Schmerz überdeckt den seelischen und für den Moment ist alles gut. Nicht selten fallen Schulsozialarbeitern die Narben an Handgelenken auf. Auch Doris Lobatz von der Regionalen Schule „Am Wasserturm“ haben sich einige Mädchen anvertraut, die die Lösung ihres Problems mit dem sogenannten Ritzen bekämpfen.

 

OZ-Bild

Auch Grundschüler können so ihre Probleme haben, Schulsozialarbeiter gibt es in Grundschulen aber kaum – nur insgesamt fünf im Landkreis Nordwestmecklenburg.

Quelle: Fotos: Raik Mielke, Jasmin Nörenberg, Malte Behnk
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„„Problematisch ist, dass uns viele als Feuerwehr an- sehen und oft erst kommen, wenn bereits etwas Schlimmes passiert ist.“Daniel Soth-Worofka Schulsozialarbeiter in Klütz

Zahlen und Fakten

37 Schulsozialarbeiter zählt der Landkreis insgesamt. Zu finden sind sie vor allem an Regionalen Schulen, Gymnasien und Berufsschulen. Lediglich fünf Grundschulen können auf einen verweisen.

„Die Probleme der Schüler sind vielfältig wie das Leben“, resümiert sie. Es gibt Schüler, die jemanden suchen, der ein offenes Ohr für sie hat; dem sie Alltägliches erzählen können über Schulstress, Probleme mit Lehrern, Eltern, Mitschülern und Freunden. Dann gibt es auch die Selbstverletzungen, sogar Suizidgedanken und Schüler, die missbraucht worden sind. Einige machen das irgendwie mit sich selbst aus, andere vertrauen sich Schulsozialarbeitern an.

Sozialarbeiter an 5 Grundschulen

Der Landkreis zählt insgesamt 37 Schulsozialarbeiter – vor allem an Regionalen Schulen, Gymnasien und Berufsschulen. Lediglich an fünf Grundschulen gibt es einen solchen Ansprechpartner. Dabei ist der Übergang vom Kindergarten in die Schule laut Jana Möller einer der größten Schritte, den Kinder tun. Die Sozialarbeiterin ist seit knapp drei Jahren an der Grundschule in Neukloster tätig. Die Bedarfslage habe sich verschoben, sagt auch Peter Fröhlich von der Wismarer Schulverwaltung. „Es gibt an Grundschulen Kinder, die hyperaktiv sind oder in sich gekehrt und dadurch isoliert von ihren Mitschülern. Zudem haben wir erste Schulverweigerer. Wenn wir uns nicht kümmern, kann es in Klasse fünf und sechs schon zu spät sein.“ Deshalb seien Sozialarbeiter in Grundschulen ebenso wichtig. Das weiß auch die Grundschule in Selmsdorf, in der seit 2011 Ines Osterloh für die Sorgen und Nöte der Kinder da ist. Ohne Schulsozialarbeiter muss – wie andere Einrichtungen auch – die Grundschule „Fritz Reuter“ in Grevesmühlen auskommen. Zurzeit versuchen die Lehrer, diese zu ersetzen und in den Pausen helfen Viertklässler.

Beruf mit wenig Anerkennung

Nicht selten werden Schulsozialarbeiter belächelt und bekommen zu hören, was sie denn den ganzen Tag täten. „Unser Beruf erhält zu wenig gesellschaftliche und politische Anerkennung, obwohl unser Aufgabengebiet oft weit über das Anhören von Schülerproblemen hinausgeht“, kritisiert Daniel Soth-Worofka, Schulsozialarbeiter an der Regionalen Schule in Klütz. Er selbst bietet in den Ferien Programme für Kinder und Jugendliche aus der Umgebung an. Doris Lobatz lädt nachmittags zum Handballtraining.

Mobbing den Kampf ansagen

Ein großes Thema ist Mobbing – auch an den Regionalen Schulen Klütz und Grevesmühlen. „Es kann leider weder vollkommen verhindert noch ausgeschlossen werden“, so Daniel Soth-Worofka.

Schulsozialarbeiter wirken mit Projekten dagegen. Auch an der Förderschule in Grevesmühlen. Seitdem, sagt Schulsozialarbeiterin Doris Voigtländer, hätte sich das Problem deutlich verkleinert.

Gemeinsam mit den Schülern suche sie nach Lösungen und unterstützt bei der Umsetzung. Ebenso begleitete sie den Unterricht, um besser auf Problemschüler einzugehen.

Die Regionalen Schulen appellieren vor allem an vernünftigen Umgang mit den Medien. Denn oft spielt sich Mobbing nicht nur offensichtlich in der Schule durch wiederholte Gewalt oder Beleidigungen vor Ort ab, sondern wird über Messenger-Dienste oder soziale Netzwerke durchgeführt.

Alles, was Schüler Schulsozialarbeitern anvertrauen, steht unter Schweigepflicht, so Doris Lobatz. Sobald ein Schüler allerdings kriminelle Handlungen preisgibt, sei sie gesetzlich verpflichtet, Jugendamt, Polizei oder psychiatrische Einrichtungen zu verständigen.

EU-Zuschüsse nur noch bis zum Jahr 2020

Träger der Schulsozialarbeit sind Vereine der Wohlfahrtspflege wie die Felicitas gGmbH, die Arbeiterwohlfahrt oder das DRK. Die Personalkosten werden bis zum Jahr 2020 aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert, ausgereicht vom Land an die Kreise. 2018 sind es rund 444878 Euro, im nächsten 448285 Euro, 2020 werden 461287 Euro erwartet. Zusätzlich fließen Mittel aus dem „Landesprogramm Schulsozialarbeit“. In diesem Jahr rechnet die Kreisverwaltung mit 179591 Euro.

Auch der Landkreis Nordwestmecklenburg beteiligt sich an den Personalkosten. Er stellt in diesem Jahr 643830 Euro zur Verfügung (inklusive der Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes). Wie die Schulsozialarbeit ab dem Jahr 2021 finanziert werden soll, dazu könne man derzeit noch keine Aussage treffen, heißt es auf Anfrage. Für die Sachkosten der Schulsozialarbeit kommen die jeweiligen Schulträger auf, bei Grundschulen in der Regel die Gemeinden. Wismar allerdings finanziert zu 100 Prozent die Sozialarbeit an der Grundschule am Friedenshof. „Wir haben schnell gehandelt, damit gar nicht erst Probleme aufkommen“, begründete Peter Fröhlich von der Schulverwaltung.

Hw Jasmin Nörenberg und Haike Werfel

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