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Aktionsplan soll Ruhe in den Verein bringen

Dassow Aktionsplan soll Ruhe in den Verein bringen

Der Vorsitzende Marko Kühl zu den Gerüchten in der Stadt Dassow über eine mögliche Abspaltung der Fußballabteilung des SV Dassow 24

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Vor allem um die Finanzen gab es beim SV Dassow Diskussionen. Das ging so weit, dass ein Mediator eingeschaltet wurde.

Quelle: Karl-Ernst Schmidt

Dassow. Gerüchten zufolge wollen sich Sparten vom Verein trennen und einen neuen Verein gründen? Was ist dran an diesen Gerüchten?

OZ-Bild

Der Vorsitzende Marko Kühl zu den Gerüchten in der Stadt Dassow über eine mögliche Abspaltung der Fußballabteilung des SV Dassow 24

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Marko Kühl: Diese Gerüchte sind dem geschäftsführenden Vorstand erst Anfang des Jahres in Dassow zu Ohren gekommen. Daraufhin wurden die Parteien an einen Tisch geholt und mithilfe eines unabhängigen, externen Mediators versucht, die Gründe zu analysieren und Lösungen zu finden. Es stellte sich heraus, dass alle Beteiligten das gleiche wollen: Transparenz der Finanzen und eine gemeinsame Lösung der Probleme. Auf Basis der Mediation wurde ein Aktionsplan erstellt, an dem derzeit gearbeitet wird.

Vor allem zwischen Fußballern und den anderen Sparten soll das Verhältnis sehr angespannt sein. Welche Gründe gibt es dafür?

Kühl: Das Verhältnis der Abteilung Fußball zu anderen Abteilungen ist nicht angespannt, dies wird nur von einzelnen Personen so empfunden und kolportiert. Natürlich ist es verständlich, wenn jeder Abteilungsleiter das Optimum für seine Sportler möchte und es deshalb auch einmal zu Interessenkonflikten kommen kann. Richtig ist, dass Fußball eine kostenintensive Sportart ist, anders als beispielsweise Badminton oder Gymnastik. Der Sportplatz und das Vereinsgebäude verursachen hohe Kosten, aber auch andere externe Sportstätten für andere Abteilungen werden vom Verein finanziert und das für, im Verhältnis gesehen, wenige Sportler. Ein Sportverein ist immer auch eine Interessengemeinschaft. Verständnis für den anderen muss da aufgebracht werden.

Es soll vor allem Streit ums liebe Geld geben? Ein Vorwurf: die Fußballer brauchen zu viel Geld, sodass für andere Sparten wenig übrig bleibt? Was sagen Sie dazu?

Kühl: Bei der Analyse der Finanzen durch die aktuelle Finanzwartin stellte sich heraus, dass nicht der Sport das Problem ist, sondern die Nutzungsvereinbarung des Vereins mit der Stadt. Die Kostenübernahme durch den Verein, die dort im Jahre 2001 vereinbart wurde, ist den tatsächlichen Kosten der Liegenschaft nicht angemessen. Dies wird nicht durch eine Abteilung verursacht, sondern durch den Vertrag, der im Namen des gesamten Vereins abgeschlossen wurde. Die Stadt hat hier bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert. Im vergangenen Geschäftsjahr wurde viel aufgearbeitet und optimiert, natürlich läuft noch nicht alles reibungslos, aber daran arbeitet der Vorstand mit Hochdruck. Die Abteilungen beim SV Dassow verfügen jeweils über ein Budget für ihren Sport- und Spielbetrieb, über das sie verfügen und das sie nutzen können. Sollte es zu einem Mehrbedarf kommen, muss dies vom geschäftsführenden Vorstand (nicht von Einzelnen) genehmigt werden.

Es gibt seit einigen Jahren immer mal wieder Unruhe im Verein. Was tun Sie als Vorsitzender, um alle Sparten an einen Tisch zu holen und eine Abspaltung einiger Sparten zu verhindern?

Kühl: Wenn Gesprächsbedarf vorhanden ist und dies über die bereits vorhandenen Strukturen an den geschäftsführenden Vorstand herangetragen wird, kann es Lösungsvorschläge geben bzw. der Vorstand hat die Möglichkeit, Probleme anzugehen. Wird dies nicht kommuniziert, gestaltet sich eine gemeinsame Lösung schwierig. Die oben genannte Möglichkeit, gegebenenfalls auch mit Hilfe eines Mediators vorzugehen, hat sich aktuell als der richtige Weg erwiesen. Es zeigt sich, dass im Grunde alle Anwesende die gleichen Interessen bezüglich Kommunikation, Strukturen und Finanzen haben. Das Problem ist anhand der jetzt vorliegenden Zahlen erkannt und an einer Lösung wird gearbeitet.

Was tun Sie, um wieder Ruhe in den Verein zu bringen?

Kühl: Der Vorstand wurde erst jetzt mit diesen Dingen konfrontiert und ist bemüht, über den oben beschriebenen Weg die Fragen der Mitglieder zu beantworten und Lösungen anzubieten. Im Grunde ist in den letzten Monaten sehr viel Arbeit in Struktur und Finanzen gesteckt worden, was sich anhand der vorhandenen Antworten belegen lässt. Das vor anderthalb Jahren angeschobene Projekt mit der Stadt zur Verbesserung der Sportmöglichkeiten für den Breitensport ist im Rahmen einer gemeinsamen Arbeitsgruppe sehr weit vorangekommen. Das wird vom Vorstand so kommuniziert und sollte den Mitgliedern den geplanten Weg des Vereins zeigen. In der Zukunft wird die Aufgabenverteilung im Vorstand noch klarer als bisher strukturiert werden, um für einzelne Bereiche Entlastung zu schaffen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es den SV Dassow in der jetzigen Form auch noch in einem Jahr gibt?

Kühl: Das wird von der Akzeptanz Einzelner abhängen, an einer gemeinsamen Lösung aktiv mitzuarbeiten. Die Probleme sind analysiert und können behoben werden, dann wird sich an der Vereinsstruktur nichts ändern. Natürlich müssen alle Beteiligten auch dazu bereit sein. In diesem Zusammenhang ist es für den Vorstand wichtig, dass offen und sachlich diskutiert wird und persönliche Befindlichkeiten außen vor bleiben.

Wie würden Sie das Verhältnis der Sparten untereinander bezeichnen? Und wie ist das Verhältnis der Spartenleiter untereinander?

Kühl: Die Sportler untereinander zeigen vereinzelt wenig Verständnis für die Belange der Anderen. Dies ist natürlich nicht schön, unsere Aufgabe muss es auch sein, nicht nur die finanzielle Lage zu entspannen, sondern auch die zwischenmenschliche. Die Kommunikation untereinander muss optimiert und verbessert werden. Ein Grund für diese differenzierte Haltung untereinander ist sicher die Verteilung der Abteilungen über verschiedene Sportstätten in der Stadt, wo ein Gemeinschaftsgefühl als „ein Verein“ schwer aufkommt. Auch das ist einer der Gründe, warum das Projekt Breitensport mit der Stadt gemeinsam begonnen wurde und sollte nach der Umsetzung ein wichtiger Baustein bei der Wahrnehmung als eine Interessengemeinschaft, als ein Verein dienen.

Jörg Ploen hofft auf Einigung

Beim SV Dassow 24 gibt es seit Monaten Spannungen. Gerüchten zufolge wollen sich Sparten abspalten und einen neuen Verein gründen. Mitglieder haben das auf Anfrage der Lübecker Nachrichten bestätigt. Offiziell wollen sie sich jedoch nicht äußern. Bürgermeister Jörg Ploen (SPD) bestätigt, dass es „momentan leider tatsächlich so aussieht“, als wenn einige Abteilungen einen neuen Verein gründen wollen. Ploen war bei einer erweiterten Vorstandssitzung anwesend, spricht von einer „sehr emotional geführten Diskussion“, in der es im Kern um die finanzielle Situation des Vereins und die Aufteilung der Einnahmen und Ausgaben auf die Sparten ging. „Ich habe mehrfach deutlich gemacht, dass es aus meiner Sicht als Bürgermeister der bessere Weg für den Sport in Dassow wäre, wenn im Ergebnis ein gemeinsamer Weg innerhalb des SV Dassow 24 gefunden wird“, erklärt Ploen.

Er sieht vor allem Probleme durch die finanzielle Unterstützung der Stadt auf die Stadtvertreter zukommen. Zwischen Verein und Stadt besteht ein Nutzungsvertrag für den Sportplatz und das Sportlerheim. Der besagt, dass der SV Dassow das Gelände kostenlos nutzen kann. Für die Betriebs- und Unterhaltungskosten muss der Verein selbst aufkommen. Abgefedert werden diese Kosten durch einen jährlichen Zuschuss der Stadt, der im vergangenen Jahr bei 6000 Euro lag, so Ploen.

Auch die Dornbuschhalle nutzt der Verein seit Jahren kostenlos. Sollte es nun dazu kommen, dass ein Verein vorwiegend das Sportplatzgelände nutzt und hierfür auch Kosten tragen muss, ein anderer Verein aber ausschließlich die Dornbuschhalle kostenlos nutzt, wäre das aus Sicht von Ploen nicht fair. „Die Stadt müsste dann die Sportförderung neu ordnen und zum Beispiel auch über eine Hallennutzungsgebühr diskutieren.“ Zurzeit arbeitet auch ein Ausschuss der Stadtvertretung daran, mit dem SV Dassow die Bedingungen für den Breitensport in der Kleinstadt zu verbessern. „Davon sollten alle Sparten profitieren. Auch hier würde es bei mehreren Vereinen dann komplizierter werden“, ist sich Dassows Bürgermeister sicher.

Um eine Abspaltung einiger Sparten zu vermeiden, stünde Ploen auch als Schlichter zur Verfügung. Für den Bürgermeister ist der SV Dassow ein wichtiger Träger des Breitensports. „Insbesondere das breite Angebot für eine sinnvolle Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen ist hervorzuheben.“ Die Angebote für Erwachsene und Senioren würden für viele Einwohner „ein Stück Lebensqualität und Gesundheitsförderung“ bedeuten. Was den Leistungssport beim SV Dassow betrifft, ist Ploen durchaus kritischer. „Natürlich sind erfolgreiche Sportler und Mannschaften positiv für das Image des Vereins und auch das der Stadt. Allerdings steigen mit den Erfolgen auch die finanziellen Aufwendungen für den Verein.“ Gerade die haben zwischen den Sparten zu Streit geführt. so

Von Interview von Steffen Oldörp

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