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Bernd Wittenburg lüftet Geheimnis

Metelsdorf/Wismar Bernd Wittenburg lüftet Geheimnis

Ehemalige Wismarer Boxer treffen sich in Metelsdorf und schwelgen in Erinnerungen

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Bernd Wittenburg (r.) trifft mit der rechten Geraden den Kopf von Olympiasieger und Europameister Wjatscheslaw Lemeschew (UdSSR) im Finale um die Europameisterschaft von Kattowitz 1975. Der Wismarer verliert den Kampf denkbar knapp mit 2:3-Richterstimmen.

Quelle: Archiv

Metelsdorf/Wismar. August 1974 in Havanna auf Kuba. Dort finden die ersten Boxweltmeisterschaften der Amateure statt. Der Wismarer Bernd Wittenburg (24) ist als DDR-Meister dabei und steht vor dem wichtigsten Kampf seines Lebens. Er erreicht im Mittelgewicht das Halbfinale und trifft dort auf Rufat Riskijew (UdSSR). Dieser hat sich auf dem Weg dorthin seine Hand angebrochen, obwohl er bis zum Halbfinale die leichteren Gegner vor die Fäuste bekommt. Bernd Wittenburg dagegen hat Lospech, muss vorher nicht nur Eddi Johnson (Trinidad und Tobago) und Carlos Anchaute (Peru) aus dem Weg räumen, sondern auch mit Alejandro Montoya (Kuba) den absoluten Favoriten auf die WM-Krone.

OZ-Bild

Ehemalige Wismarer Boxer treffen sich in Metelsdorf und schwelgen in Erinnerungen

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Der Boxsport hat mein Leben geprägt und ich möchte diese Zeit nicht missen.“Bernd Wittenburg, ehemaliger Weltklasseboxer

Der Kampf gegen den Kubaner entwickelt sich zu einer wahren Ringschlacht. Bernd Wittenburg geht in den ersten beiden Runden zweimal zu Boden, steckt dennoch nicht auf und dreht dann den Spieß um. In der dritten Runde ist Montoya ausgepowert, wird sogar vom Ringrichter angezählt. Die Punktrichter errechnen nach den drei Runden auf ihren Zetteln einen knappen Sieg für Bernd Wittenburg. Die Sensation ist perfekt. Wittenburg wird von seinem Trainer Martin Neef umarmt und gefeiert. Das Publikum in der ausverkauften Boxarena von Havanna tobt. Unten am Ring sitzt sogar Kubas Staatschef Fidel Castro. Der Außenseiter schlägt den Kubaner in dessen Heimatland und hat die Bronzemedaille sicher.

Nun will Bernd Wittenburg mehr. „Doch als ich durch Zufall kurz vor dem Kampf gegen Riskijew hinter einem Vorhang sah, wie dieser an seiner Hand gespritzt wurde, bekam ich im Kopf einen Knacks. Ich war plötzlich psychisch blockiert. Denn ich wollte nicht noch einmal so eine Ringschlacht erleben wie gegen den Kubaner Montoya. Mir schlotterten im wahrsten Sinne des Wortes die Knie“, verrät der heute 66-Jährige am vergangenen Sonnabend in Metelsdorf auf dem Treffen der ehemaligen Wismarer Boxer, die ganz aufmerksam zuhören.

Die erste Runde gegen den sowjetischen Boxer beginnt. Der Wismarer ist kreidebleich. Schon nach wenigen Sekunden trifft Riskijew Wittenburg mit einem rechten Kopfhaken direkt am Kinn. Der Wismarer wird angezählt und in die Ecke geschickt. Der Kampf ist aus. „Ich hätte weitermachen können, doch ich wollte nicht mehr“, gibt Bernd Wittenburg heute ehrlich zu.

Zum Boxsport kommt er relativ spät. „Ich habe mit 16 Jahren noch Handball bei der TSG Wismar gespielt. Als wir gegen den SC Empor Rostock verloren hatten, spürte ich für diesen Mannschaftssport keine Lust mehr. Ich wollte etwas machen, wo ich alleine auf mich gestellt bin. Mein Onkel, der auch im Ring stand, meinte, ich soll es doch mal beim Boxen versuchen. Und so schaute ich bei Fiete von Thien in der Sporthalle in der Schule am Turnplatz vorbei. Dort war das Training. Ich hatte Spaß und kam davon nicht mehr los“, schmunzelt Bernd Wittenburg, der heute zusammen mit seiner Frau in Dranske auf der Insel Rügen einen Campingplatz und eine Hotelpension für Leute betreibt, die in der Natur die Ruhe suchen. Fiete von Thien erkennt sofort das Talent, das in Bernd Wittenburg steckt.

Schon im ersten Jahr seiner Boxerlaufbahn bei den Junioren gewinnt der damals 16-Jährige den Titel des ehemaligen Bezirkes Rostock und qualifiziert sich für die DDR-Meisterschaft.

Bei dieser erkämpft er auf Anhieb die Bronzemedaille. Danach gerät seine Karriere ins Stocken. Einige Niederlagen werfen ihn zurück. Den Durchbruch schafft Bernd Wittenburg dann aber beim SC Dynamo Berlin, nachdem Trainer Horst Gülle sein Talent erspäht hat. Der Wismarer gewinnt als 20-Jähriger beim „Freundschafts“-Turnier in Vidin (Bulgarien) im Mittelgewicht die Goldmedaille. 1971 nimmt er erstmals bei den Senioren an der DDR-Meisterschaft teil und wird Dritter. Schon ein Jahr später geht sein Stern dann endgültig auf. Bernd Wittenburg wird DDR-Meister, verteidigt diesen Titel im Mittelgewicht viermal hintereinander, wird zweimal Vizeeuropameister, nimmt an den Olympischen Spielen in Montreal teil, scheidet im Achtelfinale aus, allerdings nur hauchdünn mit einem Hilfspunkt gegen den Kubaner Luis Felipe Martinez, gewinnt etliche große Boxturniere in Berlin, Halle und im Ausland, ist in 17 Länderkämpfen für die damalige DDR siegreich. Von seinen 155 Kämpfen, die er insgesamt bestritt, gewann er 126. „Der Boxsport hat mein Leben geprägt und ich möchte diese Zeit nicht missen“, sagt Bernd Wittenburg in der Runde mit seinen ehemaligen Trainings- und Mannschaftskameraden. „Wir sind immer stolz auf Bernd gewesen, wenn er im Ring nicht nur bei uns hier im Land, sondern auch im Ausland Erfolg hatte“, schwärmt Hans-Christian Lembcke. Er ist mit Bernd Wittenburg seit seiner Jugend befreundet. „Bernd war immer unser Aushängeschild“, meint der damalige Sektionsleiter Boxen der SG Dynamo Wismar, Udo Bark. Schon im nächsten Jahr wollen die ehemaligen Wismarer Faustkämpfer bei ihrem nächsten Treffen in Metelsdorf wieder in Erinnerungen schwelgen und alte Geschichten rauskramen.

„Wir möchten uns ganz herzlich bei Peter Schmidt und seinem Team sowie dem Brauhaus am Lohberg bedanken. Sie haben uns unterstützt und für das leibliche Wohl gesorgt“, so Klaus-Dieter Manzke, Organisator des Treffens.

Peter Preuß

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