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Goldenstädt Mit Vollgas und 300 PS übern Acker

Autocross begeistert zahlreiche Zuschauer / Aus Nordwestmecklenburg sind zwei Teams mit dabei

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Der Dreieckslenker am Golf wäre noch zu reparieren gewesen, die defekte Antriebswelle allerdings nicht – das Aus für Atze.

Goldenstädt. Es läuft richtig gut. Maik Riemann, den alle nur Atze nennen, hat den Start zwar verpennt. Aber in der zweiten Runde hat er die drei Kontrahenten hinter sich gelassen. Sandfontänen spritzen hinter dem grünen Wagen hoch, der ehemals als Golf II das Werk in Wolfsburg verlassen hatte. Viel ist von der Volkswagen-Familienkutsche nicht mehr übrig, nachdem Dirk Haberland und sein Team den Wagen umgebaut haben. Jeden Sonnabend schrauben die Jungs an den Autos, sechs Rennen gibt es pro Saison. Goldenstädt ist das dritte in diesem Jahr, danach beginnt im August die Rückrunde.

OZ-Bild

Autocross begeistert zahlreiche Zuschauer / Aus Nordwestmecklenburg sind zwei Teams mit dabei

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Fünf Wagen hatten die Roggendorfer zum Saisonbeginn angemeldet. Zwei laufen noch, die in Goldenstädt am Start sind. „Die anderen drei zur Rückrunde hoffentlich auch“, sagt Dirk Haberland. Der 37-jährige Lkw-Fahrer ist der Kopf der Truppe und gerade ziemlich aufgeregt. Atze fährt Meter um Meter seinen Gegnern davon. Bis er plötzlich stehen bleibt.

„Der Dreieckslenker“, sagt Haberland, der mindestens 100 Meter entfernt von der Stelle steht, an der Atzes Golf in der Böschung klebt. Der 37-Jährige zuckt kurz mit den breiten Schultern. „Das Rad steht komplett aus der Richtung, das kriegen wir wieder hin.“ Frust beim THC-Team? Nicht die Spur. Die Männer, Frauen und Kinder aus Roggendorf haben ihren Spaß.

Und Atze braucht sich um die Sprüche keine Sorgen zu machen, wenn der Traktor seinen arg lädierten Rennwagen ins Fahrerlager schleppt. „Dann wollen wir mal das Werkzeug rausholen. Geht schließlich bald wieder los“, sagt Dirk Haberland. Zehn Minuten wartet er allerdings noch.

Denn jetzt ist Andrea Frenzel dran. Haberlands Freundin startet im nächsten Rennen. Auch sie sitzt in einem aufgemotzten grünen Golf. Der Start sieht gut aus, die Amazone hält sich wacker im Feld der Männer. Doch den Jubel ihrer Fans kurz nach der Startgeraden bekommt sie nicht mehr mit. Nach 500 Metern „parkt“ sie ihren Rennwagen auf der Böschung. „Was soll’s“, sagt sie nach dem Rennen. „Beim nächsten Mal wird’s besser.“

Dirk Haberland sieht die Sachen ebenfalls gelassen. Das Roggendorfer Team hat in den ersten beiden Rennen der Saison vierte Plätze eingefahren. Das ist, rein sportlich betrachtet, nicht wirklich ein Erfolg. „Aber wir haben Spaß an dem Sport, die Zuschauer werden immer mehr und die Alten, die in den 1990er Jahren angefangen haben, kommen auch wieder und bringen neue Leute mit. Der Sport hat eine Chance verdient“, sagt der 37-Jährige. In den vergangenen Jahren lief es richtig gut für die Jungs und Mädels in den knallgrünen Wagen, die seit dieser Saison dank ihres Sponsors Danilo Kunert auch noch orangefarbene Motorhauben haben. Bunter sind da nur noch die Konkurrenten aus Grevesmühlen, die Fundriver aus der Sandstraße gehen mit pinkfarbenen Wagen an den Start. So bunt wie die Wagen, so vielfältig geht es auch bei den Teams und den Zuschauern zu, die in Goldenstädt zu Hunderten an die Strecke pilgern. Die Feuerwehr sichert das Rennen ab, die Landwirte aus der Region stellen ihre Schlepper zur Verfügung, um die Strecke zu planieren und die Wagen aus dem Dreck zu ziehen.

Doch es wird immer schwieriger, geeignete Rennstrecken zu finden, Goldenstädt gibt es schon etliche Jahre, die Nähe zur Autobahn hilft bei der Genehmigung der Veranstaltung – hier stört sich niemand an den Geräuschen. Und die sind, das muss man sagen, sehr viel geringer, als man bei einem Autorennen annehmen würde. Doch die Umweltschutzauflagen haben mit Autorennen nicht wirklich etwas am Hut.

„Wir brauchen mehr Öffentlichkeit“, sagt Dirk Haberland. Danilo Kunert, den alle nur Olly nennen, und der mit seiner Firma sein Herz für die Roggendorfer Fahrer entdeckt hat, schüttelt den Kopf. „Die stören niemanden, haben einfach nur Spaß an ihrem Sport. Warum muss man ihnen solche Steine in den Weg werfen?“

Sportlich endet der Tag für die Roggendorfer ziemlich bescheiden. Andrea Frenzel schrottet ihren Golf im vierten Rennen, als der Fahrer vor ihr plötzlich vom Gas geht und sie hinten raufkracht. Dirk Haberland: „Sie hatte keine Chance, aber bis zum Motor ist alles kaputt, das wird eine Menge Arbeit.“ Und dabei ist das nur der Anfang. Denn auch Atzes Golf kriegen die Jungs trotz Improvisation und Geschick nicht mehr hin. „Die Antriebswelle hat es gleich mitweggehauen, da war nichts mehr zu machen.“ Die Rückrunde beginnt am 27. August wieder in Goldenstädt. „Dann haben wir hoffentlich wieder alle am Start.“

Die Autocross-Serie 2016

Die insgesamt sechs Rennen der Serie finden in Goldenstädt (7. Mai und 24. September), Waschow (9. April und 10. September) sowie in Tewswoos (23. April und 27. August)statt. Für die Fahrzeuge gelten strenge Auflagen: Überrollbügel/Dachverstärkung/sonstige Verstärkungen, Einbau im Fahrzeug bzw. nach außen, an der Karosserie anliegend. Eine Dachverstärkung ist als Mittelsrebe oder Dachkreuz auszuführen. A, B und C-Säule sind durch tragende Bügel zu verstärken; die Verbindung zur Karosserie ist über Kontaktplatten aus Blech (mindesten fünf Milimeter stark) herzustellen. Ein Beckenschutz ist fahrerseitig dreifach und beifahrerseitig einfach auszuführen. Hinten und vorne am Fahrzeug ist eine Abschleppvorrichtung von außen sichtbar anzubringen. Sämtliche Glasteile sind zu entfernen.

Michael Prochnow

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