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Grevesmühlen Stadt legt Konzept für mehr soziale Gerechtigkeit vor
Mecklenburg Grevesmühlen Stadt legt Konzept für mehr soziale Gerechtigkeit vor
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00:05 18.05.2017
Dorina Reschke an ihrem Arbeitsplatz im Grevesmühlener Rathaus. Quelle: Foto: Cornelia Roxin

Dorina Reschke, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Grevesmühlen, hat Bilanz gezogen über die beiden zurückliegenden Jahre. Die OZ sprach mit der 45-Jährigen über das Erreichte und ihre Arbeit. Dorina Reschke war Anfang 2013 berufen worden, nachdem das Amt zwei Jahre lang unbesetzt war. Sie ist zudem als Marketing- und Tourismusbeauftragte der Stadt tätig. Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Frau Reschke, mal ehrlich, brauchen wir die Gleichstellungsbeauftragte wirklich noch?

Dorina Reschke: Sie spielen auf den klischeebehafteten Posten an, bei dem viele immer noch eine hoch emanzipierte Frau daherkommen sehen (lacht) . . . meine Antwort auf die Frage aber heißt: „Ja!“ Ein gesetzlich verankerter Auftrag steht dahinter, die Gleichberechtigung im Blick zu haben. Nicht nur von Frauen und Männern, nicht nur in Berufsgruppen, die traditionell dem anderen Geschlecht zugestanden werden. Gleichberechtigung steht immer mehr auch für Chancengleichheit. Um beides durch- und umsetzen zu können, sollte künftig auch mit anderen Gruppen gearbeitet werden. Mit allen, die sich ungleich und/oder diskriminiert fühlen. Sei es wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Sexualität, ihres Alters, ihres Geschlechts oder ihrer Behinderung.

Wie wollen Sie das umsetzen?

Gleichstellung ist eine Aufgabe der Politik. Ich kann immer nur den Finger in eine Wunde legen. Wenn wir als Stadt zum Beispiel ein neues Wohngebiet erschließen, achte ich darauf, ob auch an eine Kita in der Nähe gedacht wurde, wie das Freizeitangebot ist und wie es um den Nahverkehr für nicht so mobile Anwohner steht. Um alle Zielgruppen zu erreichen, baue ich auf ein gutes Netzwerk von Vereinen und Institutionen, nur so ist es möglich mir Gehör zu verschaffen.

Zehn Wochenstunden haben sie bislang für ihre Aufgaben als Gleichstellungsbeauftragte. Das soll reichen?

Das war in der Tat bisher sehr schwierig. Im Zusammenhang mit der Neustrukturierung des Sachgebietes Kultur und Soziales habe ich seit Monatsbeginn mehr Stunden für die Gleichstellungsarbeit zur Verfügung. Darüber freue ich mich sehr. Außerdem lässt die Neustrukturierung künftig eine modernere Beauftragtenarbeit zu, die sich noch besser an alle von Benachteiligung betroffenen Gruppen richtet.

Sie sehen also Handlungsbedarf in der Stadt?

Ja. Darum haben der Bürgermeister und ich ein Konzept zur strategischen Umsetzung sozialer Gerechtigkeit in Grevesmühlen erarbeitet. Auf dessen Basis kann die Stadt künftig aktiv und sichtbar für Chancengleichheit eintreten und Diskriminierungen in den verschiedenen Lebenslagen entgegentreten. Ich gehe davon aus, dass nach der Diskussion in den Fachausschüssen das Konzept spätestens zum Jahresende der Stadtvertretung zum Beschluss vorliegen wird.

Nichtsdestotrotz können die Einheimischen schon auf ein breites Beratungsangebot zurückgreifen. Es scheint aber nach wie vor der breiten Masse genauso wenig bekannt zu sein, wie das wirkliche Spektrum ihrer Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte.

Was uns fehlt, ist ein gemeinsamer Wegweiser als Überblick für den Hilfesuchenden. Wo sich die Beratungsstelle für Betroffene von häuslicher Gewalt so wiederfindet wie der Behindertenverband und viele, viele andere Interessengruppen. Auch das ist eine Herausforderung, der ich mich stellen möchte. Aber ich bin keine Einzelkämpferin, das funktioniert nur in Zusammenarbeit.

Probleme von Hilfesuchenden + + + Rückblick + + + Kontakt

Männer und Frauen gleichermaßen haben 2015/16 das Angebot zur anonymen Beratung der Grevesmühlener Gleichstellungsbeauftragten wahrgenommen. Das waren die Themen: Wiedereinstieg in den Beruf, insbesondere Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit bei Frauen; gesundheitliche und psychische Probleme, Mobbing am Arbeitsplatz; Diskriminierung; Schwierigkeiten mit dem Arbeitslosengeld II, Hartz IV (Unterstützung bei Behördengängen etc.); Probleme bei Trennung/Scheidung (Unterstützung bei Umgangsregelungen); Wohnungssuche, Betreuungsprobleme der Kinder; häusliche Gewalt in der Familie – auch im Zusammenhang mit familiären Suchterkrankungen; frauenfeindliche Werbung; Gefährdung von Kindern und Jugendlichen.

Veranstaltungen und Projekte 2015/16: Ausstellung „Lohngleichheit in Deutschland“ zum Equal Pay Day 2015; Frauenaktionstag: Gesundheitsvortrag „Unser Leben ein Schnellkochtopf?“ am 7.

März 2015; Ausstellung „Ganz bei sich“ im Juni 2015; Weihnachtsfeier für Kinder aus sozial schwachen Familien im Dezember 2015; zweitägiger Kreativworkshop für Frauen „Gemeinsam statt Einsam“ im Juni 2016; Vortragsseminar „Mitfühlend und wertschätzend kommunizieren“ im November 2016.

Dorina Reschke ist unter ☎ 03881/723142 zu erreichen, E-Mail: gsb@grevesmuehlen.de. Ihr Tätigkeitsbericht kann eingesehen werden unter www.grevesmuehlen.eu, SitzungskalenderMonat April, Stadtvertretersitzung am 24. April unter Top Ö3 im Anhang

Interview: Cornelia Roxin

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