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Stifter will mit Ideen Kunst und Kultur aus der Bettlerrolle holen

Wismar Stifter will mit Ideen Kunst und Kultur aus der Bettlerrolle holen

Wolf Schmidt glaubt an Aufschwung im Nordwestkreis. Er setzt auf seine elf Thesen. Im Filmbüro trafen sich Wismarer Politiker, Künstler und Bürger zum Austausch.

Wismar. Vielen erscheint Kultur als Politikfeld zu „weich“, um machtvoll auf Standort, Wirtschaft und Interessen Einfluss zu nehmen. Wolf Schmidt setzt mit seinen elf Thesen, die er im Buch „Die Kunst des Bleibens“ zusammengefasst hat, gezielt dagegen. Für den Kenner des Landes und einen der führenden Stiftungsexperten ist gezielte Kulturpolitik Herausforderung und Lösung zugleich. Über Genuss, Bürgerengagement, Geld und Gemeinnützigkeit als Speerspitzen seiner Visionen diskutierte er mit Bürgern, Politikern und Künstlern im Filmbüro.

„MV ist ein noch unentdecktes Kulturland“, so Schmidt. „Nur eine Kulturoffensive sichert dauerhaft das Überleben im Land“, behauptet er. Für den 60-Jährigen ist nicht Abwanderung das Problem, sondern „zu wenig Zuwanderung“. Kunst hat für ihn eine gesellschaftlich aktivierende Funktion. „Sie fördert soziale Fantasie, Kommunikation und Weltoffenheit“, schreibt er in seinem Buch. Mit neuen Visionen will er auf die negative Bevölkerungsentwicklung in MV kreativ antworten. „Unser Land braucht mehr qualifizierte Zuwanderer, die nicht auf eine Anstellung angewiesen sind“, so der gebürtige Wariner.

Aus seiner Sicht brauche MV Menschen und Gäste mit Geld. Kunst und Kultur wirken wie ein Sog. Gutshäuser und andere Bauzeugen sind ebenso wie die hiesige Gartenkultur ein attraktiver Teil, zu kommen und zu bleiben. Künstler werten vernachlässigte Quartiere oft auf, denen wohlhabende Menschen auf der Suche nach interessanten Lebensentwürfen dann folgen.

Die Herausforderungen sind mehrdimensional. Wie überall sind Künstler in MV meist arm. Aber niedrige Kosten und Selbstversorgung aus Garten und Natur haben besonders für Kunstschaffende einen dennoch attraktiven Lebensstil entstehen lassen. „Wir arbeiten oft ehrenamtlich“, so Bildhauerin Takwe Kaenders während der Diskussion. Sie gehört zu den Zugezogenen, lebt genau das, was Schmidt ist seinen Thesen beschreibt. In Rothen bei Sternberg hat die 49-Jährige vor elf Jahren mitgeholfen, einen alten Kuhstall in eine inspirierende Oase zu verwandeln. „Das braucht vor allem Zeit“, sagt sie. „Man muss wachsen können.“

Auch die Politik muss helfen, das Bleiben zu fördern. „Sie muss die Kultur wie andere gesellschaftliche Aufträge gleichbehandeln“, so Ulrike Berger, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. „Keiner diskutiert über Investitionen im Straßenbau“, so die Landtagsabgeordnete. Straßenbaumaßnahmen sind gesetzlich verankert. In der Kultur könnte jederzeit der Rotstift angesetzt werden, ohne dass das Parlament zustimmen muss. Immer wieder plädierte Ulrike Berger für ein Kulturfördergesetz, das als Antrag der Oppositionspartei im Landtag jedoch gerade mehrheitlich abgelehnt wurde.

Wolf Schmidt warnte davor, nicht in Gelddiskussionen stecken zu bleiben. In seinem Sinne wäre es zum Beispiel nicht attraktiv, wenn sich ein Künstler vom Beamtentum abhängig machen würde. Für ihn ist Kunst eine Willkommenskultur, die von unten wächst und damit Trainer und Botschafter von Neugier, Offenheit und Toleranz ist.

Auch Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) meldete sich zu Wort. „Ich sehe noch ein Manko bei denen, die Kultur machen“, merkte er kritisch an. „Sie treten zu wenig selbstbewusst auf. So fehlt es an Strahlkraft.“ Beyer brachte die Wismarer Kunstauktion als ein gelungenes lokales Beispiel dafür, dass Kunst sich sehr wohl verkaufen lässt.

Für eine neue Kultur des Stiftens sprach sich Dr. Kathrin Möller, Direktorin des Phantechnikums, aus. „Es ist immer mühsam, jeden einzelnen Euro aus der Wirtschaft herauszuquasseln. Wir brauchen mehr private Investoren.“

„Es fehlt immer noch an einem gemeinschaftlichen Denken“, so Katharina Trabert von der Initiative „Kreativsaison“. „Es gibt viele einzelne Initiativen und engagierte Menschen, die dann aber wieder mit Befindlichkeiten untereinander kämpfen.“ So wurde unter anderem die Idee eines Kulturbotschafters im Land diskutiert.

Ina Schwarz

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