Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Syrischer Anwalt will zurück ins Gericht
Mecklenburg Grevesmühlen Syrischer Anwalt will zurück ins Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 20.03.2017
Wismar/Grevesmühlen

Auf den ersten Blick wirken Mohammed Alsaleh und Mathias Landmann wie ein eingespieltes Anwaltsteam. Sie sitzen vor einem Aktenordner, kennen sich mit Rechtswissenschaften aus, tragen Anzug und Krawatte. Doch Mohammed Alsaleh stammt aus Syrien. Und syrische Anwälte dürfen im deutschen Rechtssystem nicht praktizieren. „Er muss wieder bei null anfangen“, sagt Thomas Glaubitz. Der Wismarer hat sich des 30-jährigen Flüchtlings angenommen – als Willkommenslotse. 150 solcher Lotsen gibt es bundesweit. Ihre Aufgabe: Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Willkommenslotse vermittelt Flüchtlinge in Firmen – wie Mohammed Alsaleh, Experte für Strafrecht

Mohammed Alsaleh hat mehrere Jahre als Anwalt für Strafrecht in seiner Heimat gearbeitet. Doch wegen des anhaltenden Bürgerkrieges macht er sich auf den Weg nach Deutschland. Seit anderthalb Jahren lebt er in Wismar. „Ich würde gern wieder als Anwalt arbeiten, aber dafür müsste ich mein Studium wiederholen“, bedauert der Syrer. Statt noch mal jahrelang die Schulbank zu drücken, würde er lieber für international tätige Organisation arbeiten. Dafür braucht er neue berufliche Erfahrungen. Die sammelt er gerade – dank Thomas Glaubitz. Der Willkommenslotse hat den Syrer vom Integrationsservice des Jobcenters vermittelt bekommen und nimmt Kontakt zu Mathias Landmann in Grevesmühlen auf. Der Anwalt für Verkehrs- und Arbeitsrecht bietet dem Syrer ein Praktikum an. Zwei Monate sind sie zusammen unterwegs. „Ich bin in vielen Gerichten gewesen, war bei Mandanten-Gesprächen dabei, habe viele Akten gelesen und mich mit Fällen beschäftigt“, erzählt Alsaleh. Es sei eine spannende, lehrreiche Zeit gewesen. Auch Anwalt Landmann hat die Zusammenarbeit gefallen: „Als ich Mohammed das erste Mal traf, war ich beeindruckt von seinen Deutschkenntnissen“, berichtet Thomas Glaubitz. Obwohl der Syrer damals gerade mal ein paar Monate in Deutschland war, hätte er mit ihm ein gutes, unterhaltsames Gespräch führen können. Zehn erfolgreiche Vermittlungen hat der Wismarer bereits verbucht. Gefördert wird das Lotsen-Programm vom Bundeswirtschaftsministerium. Seit dem Start – im März 2016 – sind deutschlandweit 3350 Flüchtlinge in Betriebe vermittelt worden: in Praktika, Ausbildungs- und Beschäftigungsverhältnisse. Wie viele es in Mecklenburg-Vorpommern bislang gewesen sind, kann gestern auf OZ-Anfrage nicht mitgeteilt werden. Etwa 15 Lotsen sind im Nordosten im Einsatz, in Wismar und Nordwestmecklenburg zwei: Jolanta Klein von der Kreishandwerkschaft Nordwestmecklenburg-Wismar und Thomas Glaubitz von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft:

„Als Willkommenslotse berate ich kleine und mittlere Unternehmen und versuche, Flüchtlinge und Unternehmen nachhaltig zusammenzubringen“, sagt Glaubitz. Eine intensive Begleitung sei dabei das A und O. Das beinhalte auch Tipps für die Bewerbungsmappe oder das Beantragen von Fahrkosten, wenn die Flüchtlinge während ihres Praktikums beruflich unterwegs sind, so wie Mohammed. Er hat gerade ein weiteres Praktikum begonnen: beim Städte- und Gemeindetag in Schwerin.

Thomas Glaubitz hat sich schon des Öfteren gefragt, wie es sein mag, sein Leben komplett neu anzufangen. Nicht weil man es möchte, sondern weil man es muss. „Mohammed und ich sind in einem Alter, haben einen ähnlichen sozialen wie Bildungshintergrund. Und trotzdem könnten unsere Leben nicht verschiedener sein“, sagt Glaubitz. Die Vermittlung des Syrers sei ein Erfolg gewesen, ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Denn Mohammeds Zuversicht und Hoffnungen seinen immens gestiegen. „Das stimmt“, sagt der.

Kerstin Schröder

Mehr zum Thema

Leserbriefschreiber suchen Antworten auf Frage, wie Gräben zu schließen sind

16.03.2017

Welche Rolle spielen das Rauchen, starker Alkoholkonsum und Übergewicht bei der Entstehung von Darmkrebs? Welche besondere Art der Vorsorge ist nötig, wenn Krebsfälle in der Familie auftraten? In welchen Abständen sind Vorsorgekoloskopien sinnvoll?

17.03.2017

Wichtiger als der Hochschul-Name sei ein friedliches Miteinander, sagen sie

17.03.2017

Chinesische Bewegungslehre für OZ-Leser

20.03.2017

Ulla Hardt vom Verein bleib.mensch war beim Empfang von Joachim Gauck in Stralsund mit dabei

20.03.2017

Zweckverband und Landkreis haben sich geeinigt – Planfeststellungsverfahren dauert dennoch

20.03.2017