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Grevesmühlen Tötungsprozess: Helfer im Zeugenstand
Mecklenburg Grevesmühlen Tötungsprozess: Helfer im Zeugenstand
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00:00 26.08.2014
Angeklagte Anika J.
Grevesmühlen

„Hier ist es drin!“ Dieser Satz von Anika J. hat sich bei Rettungsassistent Andreas S. regelrecht eingebrannt. Mit eben diesem habe sie seine Frage beantwortet, wo das Neugeborene sei. Der 51-Jährige war einer der ersten, der am 4. April 2013 in der Neubauwohnung der 28-Jährigen eintraf. Anika J. wird vorgeworfen, an jenem Abend in der Badewanne einen Jungen geboren und ihn anschließend ertränkt zu haben.

Der Notruf seitens der Rettungsleitstelle lautete damals „beginnende Geburt“. Als Andreas S. mit einem Notarzt und zwei weiteren Rettungsassistenten eintraf, habe Anika J. alle mit dem Handy telefonierend empfangen. „Wir haben die Schwangere in der Wohnung gesucht und schließlich nach ihr gefragt“, schilderte Andreas S. gestern vor dem Landgericht Schwerin. Als Anika J. mitteilte, dass sie schwanger war, hätten sich alle vier verdutzt angeschaut, so Andreas S. Dann seine Frage, wo denn das Baby sei. Anika J. habe ihm ohne Regung, fast emotionslos eine Plastiktüte überreicht.

Drei waren es insgesamt, wie sich herausstellte. Jede einzelne für sich verknotet. „Ich habe sie schnell geöffnet, weil ich geglaubt habe, dass das Baby noch lebt“, schilderte er vor dem Vorsitzenden Richter Robert Piepel. Er habe ein komplett entwickelte Kind aus der Tüte genommen — kalt, blass, starr. Die Nabelschnur sei nicht durchgeschnitten gewesen. Den Eindruck, so gab Andreas S. bei der Polizei zu Protokoll, dass das Baby in der Badewanne geboren sei, habe er nicht gehabt. Das Kind sei trocken gewesen, Käseschmiere habe er am Kopf entdeckt. In der Plastiktüte hätten sich keine Rückstände von Badewasser oder Schaum gefunden.

Anika J. gab an, dass sie ein Bad genommen habe, in der Wanne ohnmächtig wurde. Als sie wieder zu Bewusstsein kam, habe das Baby tot zwischen ihren Beinen gelegen — die Nabelschnur zwei Mal um den Hals gewickelt. Polizei, Notarzt und Rettungsassistenten haben die Badewanne trocken und sauber vorgefunden, als sie eintrafen. Von Anika J., so sagten bisher alle Zeugen aus, hätten sie nicht den Eindruck gehabt, dass sie gerade entbunden habe. „Ich habe schon einige Geburten erlebt, auch Hausgeburten“, schilderte Andreas S. Anika J. habe weder abgekämpft noch verschwitzt ausgesehen — keine Anzeichen von den körperlichen Strapazen einer Geburt.

Von Mitte Oktober 2012 bis zum 2. April 2013 habe Andrea G. (46) Anika J. alle zwei Wochenenden gesehen. G. ist mit dem Bruder der Angeklagten liiert, der damals in der Wohnung von Anika J.

lebte. Alle zwei Wochenende habe G. dort geschlafen, von einer Schwangerschaft will sie nichts mitbekommen haben. „Sie hat weite Sachen getragen“, sagte sie gestern aus. Am 2. April zogen sie und ihr Lebensgefährte aus der Wohnung von Anika J. aus. Die habe es so gewollt, erklärte Andrea G. Begründet hätte Anika J. das mit Privatsphäre und mehr Platz, den sie brauche. Von den Geschehnissen des 4. April habe Andrea G. von ihrem Lebensgefährten per SMS erfahren. Sie befand sich zu der Zeit in Sachsen. Er habe ihr lediglich einen abfotografierten Zeitungsartikel geschickt. Ansonsten hätte er „gemauert“, ebenso Anika J. Niemand hätte mit ihr über die Geburt gesprochen, so Andrea G. Ein Gespräch habe es zwischen ihr und Anika J. einige Tage nach der Geburt gegeben. Erinnern konnte sie sich gestern nur bruchstückweise — ob aus Angst, Anika J. zu belasten, konnte Richter Piepel abschließend nicht feststellen. Er wies die Zeugin mehrfach darauf hin, nichts zu verschweigen. Letztlich gab sie an, dass Anika J. geäußert habe, dass ihr alles leid tue und dass es nicht absichtlich gewesen sei.

Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt.

Ich habe ein komplett entwickeltes Baby aus der Plastiktüte genommen.“Andreas S. (51), Rettungsassistent



Jana Franke

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