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Grevesmühlen Turmuhr zeigt wieder die Zeit an
Mecklenburg Grevesmühlen Turmuhr zeigt wieder die Zeit an
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00:01 09.02.2018
Pastor Dirk Greverus (46), Hans-Joachim Dikow (64) und Udo Böttcher (68) während der Spendenübergabe (v. l.). FOTOS (2): CORNELIA ROXIN
Börzow

Die Dorfkirche in Börzow hat ihre Turmuhr zurück. Seit Mittwoch 18 Uhr zeigt sie wieder an, was die Stunde geschlagen hat, lässt es per Glockenschlag auch hören. Im Spätsommer 2016 war die Uhr ausgebaut worden, trat eine Reise nach Leipzig zur Turmuhrenfabrik Zachariä an. Dort wurde sie generalüberholt. Dienstag am späten Vormittag kam sie zurück, drei Tage dauerte der Einbau. Gestern wurden die Arbeiten abgeschlossen.

Börzow: Dorfkirche hat nach mehr als 60 Jahren jetzt einen funktionierenden Zeitmesser

Dienstag: Großer Bahnhof für die Rückkehrerin

Gegen 11 Uhr wollten sie da sein, Frank Blumrich und René Sieber. Es ist gerade mal eine Viertelstunde später, als die beiden Mechaniker und Monteure von Deutschlands ältester Turmuhrenfabrik an der Börzower Kirche vorfahren. Pastor Dirk Greverus von der Kirchengemeinde Sankt Johannes Roggenstorf, zu der Börzow gehört, und Udo Böttcher als Kirchenältester im Ort empfangen sie. Blumrich, Sieber und Böttcher kennen sich schon vom Uhrenausbau, nur weniger Worte bedarf es und die Spezialisten beginnen ihr Werk. Während sie die 40 Stufen zum Uhrenkasten in etwa 15 Meter Höhe immer wieder meistern, ob mit Werkzeug oder Uhrenzubehör, finden sich zu ebener Erde in der Kirche immer mehr Menschen zu einem Willkommensgruß ein. Den Reigen eröffnet „de Klockenschauster“ Hans-Joachim Dikow aus Schwerin. Er bringt einen symbolischen Scheck über 500 Euro vom 1. Mecklenburger Uhrenclub mit, dem auch die Initiative „Kirchturmuhren in Not“ angehört. Sie hatte im Oktober im Schweriner Capitol ein Benefizkonzert zugunsten der Börzower Uhr veranstaltet. Später kommen Mark Tiede von der Kirchenkreisverwaltung Mecklenburg, Klaus-Peter Gauer für die Schweriner Außenstelle des Landeskirchenamtes sowie die Pastoren i. R. Hartmut Glüer und Monika Prien hinzu. Eine Kirchturmuhr als Sinnbild für Zukunft und Lebendigkeit? Ja! Monika Prien ist überzeugt davon. Die 77-Jährige, die die Kirchengemeinde Sankt Johannes oft betreut hat, sagt über das Börzower Gotteshaus: „Traurig sah es zuletzt aus.“ Die Maueröffnung für die Uhr war mit Pappe und einer Art hölzernem Fensterkreuz versehen gewesen. „Was eine Uhr doch ausmachen kann . . .“, sinniert Monika Prien. Es ist noch keine 13 Uhr, als neues Ziffernblatt und neue Zeiger das Loch im Turm vergessen lassen. Auch das rund 70 Kilogramm schwere Uhrwerk wird Dienstag noch nach oben geschafft. Buchsen und Lager waren zum Teil erneuert und alles gesäubert worden. Die Uhr bekam einen elektrischen Aufzug und der Boden der Uhrenkammer hat jetzt ein Loch, damit die neuen Gewichte nach unten hin Platz haben.

Kirchenältester Udo Böttcher schaut zurück

Mitte der 1950er Jahre, meint Udo Böttcher, habe er die Kirchturmuhr das letzte Mal schlagen gehört, dann stand sie auch still. Der heute 68-Jährige lebt immer noch in seinem Elternhaus, in dem er auch geboren worden war und das nur eine schmale Straße von der Kirche trennt. Für Udo Böttcher fühlt es sich nicht wirklich an, richtig kann er es noch nicht glauben, dass die Turmuhr wieder da ist. Der zum Erntedankfest geplante Einbau klappte nicht, auch zur Hubertusmesse sollte es nicht sein. Immer wieder lief der Zeitmesser in der Leipziger Werkstatt nicht ohne Unterbrechung durch. Udo Böttcher bedauert, nicht sagen zu können, wie alt die Uhr ist. Er wisse lediglich, dass sie 1774 in Roggenstorf gekauft worden sein soll. Ein Teil der Zahnräder würde aus der Zeit stammen, bestätigt Frank Blumrich, aber die Uhr müsste schon einmal umgebaut worden sein.

13000 Euro müssen für

die Generalüberholung her 13000 Euro mussten im Vorfeld für die Überholung aufgebracht werden. Voller Dankbarkeit sprechen Udo Böttcher und Pastor Dirk Greverus über alle Geldgeber, wie die Stiftung Kirchliches Bauen in Mecklenburg, die Landeskirche und alle, die dazu beigetragen haben, dass die Kirchengemeinde ihren Eigenanteil zusammenbekam. Als herausragendes Beispiel gilt der Einsatz des Chores Börzow/Gostorf, der Benefizkonzerte und Kuchenbasare veranstaltete. Immer wieder kommt Udo Böttcher auch auf Klockenschauster Dikow zu sprechen. Er und Herbert Weisrock haben mit ihrer Bestandsaufnahme von Kirchturmuhren vieles angeschoben. Kontakt mit Dikow gibt es seit Frühjahr 2016. Der 64-Jährige wiederum wird am Dienstag nicht müde zu betonen, dass in den zurückliegenden Jahren viel an Kirchen saniert worden war. Nur: „Das Kulturgut Turmuhr ist immer vergessen worden“.

Mittwoch: Monteure sind sogar mit Kopflampen zugange

Ab Mittwoch 14 Uhr läuft die Turmuhr im Probebetrieb. Alle Beteiligten hoffen, dass sie sich nicht, wie in Leipzig zuvor, aus unerfindlichen Gründen wieder „zickig“ anstellt und stehen bleibt.

Während René Sieber weiter mit dem Uhrwerk zu tun hat, montiert Frank Blumrich die Uhrenschlagglocke. „Sie ist extra für Börzow neu gegossen worden“, erklärt der Fachmann und montiert sie im Glockenstuhl. Noch im Dunklen sind die Männer an diesem Tag mit Kopflampen ausgerüstet im Kirchturm zugange. Ab 18 Uhr dann läuft die Börzower Turmuhr zum ersten Mal im Einklang mit der aktuellen Zeit und schlägt dann auch sechs Mal. Dass sie nur zur vollen Stunde schlägt, ist dem alten Uhrwerk geschuldet. „Das war da nicht anders vorgesehen“, verdeutlicht Frank Blumrich. Damit es zu keinem Stillstand mehr kommt an Börzows Kirchturmuhr, wird der Kirchenälteste Udo Böttcher dann Donnerstag noch im Umgang mit dem neuen Zeitmesser geschult und in alles eingeweiht, was mit Wartung, Stellen und Regulieren zu tun hat. Gegen Mittag ist alles perfekt. Das besiegeln die Männer dann mit einem Gläschen Sekt. Die offizielle Einweihungsfeier kündigt Udo Böttcher fürs Frühjahr an.

Zur Geschichte der Kirche in Börzow + + + Initiative „Kirchturmuhren in Not“

Urkundlich das erste Mal erwähnt wurde die Dorfkirche in Börzow laut Kirchenältestem Udo Böttcher am 1. Mai 1299. Dieser und auch ihr Nachfolgerbau, der um 1340 entstanden sein soll, seien aber vernichtet worden. Über die Umstände sei nichts bekannt. Die heute noch stehende Kirche soll um 1400 gebaut worden sein. Dem Grafengeschlecht aus Bernstorf hätten die Börzower viele Ausstattungsgegenstände in ihrem Gotteshaus zu verdanken, so zum Beispiel den 1708 gebauten Altar und den aus dem 17. Jahrhundert stammenden Kronleuchter, der seit 1912 elektrisch betrieben werden kann.

Die Orgel aus dem Jahr 1865 soll vom Schweriner Orgelbauer Friedrich Friese stammen. Udo Böttcher attestiert der Kirche nach mehreren Sanierungen einen guten Zustand. Das allerdings träfe nicht für die Bedachung des Turmes zu, der zudem Schäden im Mauerwerk habe.

Die Initiative „Kirchturmuhren in Not“ war 2011 von Uhrmachermeister Hans-Joachim Dikow und Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz ins Leben gerufen worden. Das erste Projekt war die Komplettsanierung des Kichturmuhrwerkes von Lübbersdorf im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Zudem erfolgte die Erfassung von Kirchturmuhren in Mecklenburg, als Grundlage künftiger Sanierungsprojekte. Die Uhr in Börzow ist die erste in der Propstei Wismar, die generalüberholt wurde. Ein nächstes Projekt soll für die Gressower Kirchenuhr starten.

Cornelia Roxin

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