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Grevesmühlen Um Gottes willen: Fachkräftemangel trifft sogar die Kirche
Mecklenburg Grevesmühlen Um Gottes willen: Fachkräftemangel trifft sogar die Kirche
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07:37 15.03.2018
Wismar hat vier Kirchen – unter anderem die aus Backsteinen errichtete Sankt-Georgen- Kirche in der Altstadt. Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa
Wismar/Rostock

Der demografische Wandel wirkt sich zunehmend auf die Arbeitswelt aus. Doch nicht nur die freie Wirtschaft leidet unter dem damit einhergehenden Fachkräftemangel, auch die Kirche hat damit zu kämpfen. Im gesamten Nordkirchenbereich, der 13 Kirchenkreise von Dänemark bis Brandenburg umfasst, gehen von 2020 bis 2030 rund 900 Pastoren in Rente.

Im selben Zeitraum werden aber nur etwa 300 neu dazukommen. Eine Entwicklung, die auch in Mecklenburg deutlich zu spüren ist.

In der Hansestadt und im Landkreis Rostock gehen bis 2030 voraussichtlich etwa 25 der aktuell 64 Pastoren in den Ruhestand, sagt Propst Wulf Schünemann. Ähnlich drängend ist die Lage im Bereich der Propstei Wismar. Dort kommen in den nächsten zehn Jahren etwa 20 Pastoren ins Ruhestandsalter oder nähern sich diesem, informiert Christian Meyer, Sprecher des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Mecklenburg. Die Gründe seien nicht in der Kirche selbst zu suchen. Vielmehr handele es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem, verursacht durch die geburtenschwachen Jahrgänge, die auf die geburtenstarken folgen. „So gesehen, kann man nicht von einem Mangel sprechen, sondern die Zahl an möglichen Seelsorgern ist aufgrund objektiver Gründe beschränkter als in den Vorjahren“, betont Meyer.

Doch auch wenn die Zahlen alarmierend klingen, überraschend kommen sie nicht. So hat die Nordkirche bereits 2012 – und damit laut Meyer früher als andere Landeskirchen – reagiert und ist die Nachwuchsgewinnung aktiv angegangen. Unter anderem wurden zusätzliche Vikarkurse zur Ausbildung von Pastoren eingerichtet. Zudem hat die Kirchenkreissynode Mecklenburg im Herbst 2016 eine neue Stellenplanung für die Jahre ab 2019 bis 2023 beschlossen. Darin ist die Einbeziehung von allen kirchlichen Berufsgruppen als ein Mittel vorgesehen, den Rückgang der Pastoren auszugleichen. Demnach werden die Aufgaben auch auf Gemeindepädagogen, Diakone, Kirchenmusiker, Küster sowie Verwaltungsmitarbeiter und weitere Assistenzstellen verteilt. Deren Stellenanteil soll gegenüber dem Anteil der Pfarrstellen um etwa zehn Prozent erhöht werden.

Für Wismar sieht der neue Stellenplan künftig 41,5 Vollzeit-Pastorenstellen vor – das sind acht weniger als jetzt noch. Durch Teilzeitstellen können dann insgesamt aber mehr Personen beschäftigt sein, sagt Meyer.

Dieser Strukturwandel ist nicht nur symptomatisch für den evangelisch-lutherischen Kirchenkreis. Auch die katholische Kirche bereitet sich mit neuen Einsatzplänen auf die Folgen des demografischen Wandels vor. Die Priester sollen von Ordensmännern, Ordensschwestern, Gemeinde- und Pastoralreferenten unterstützt werden. „Sie können die Seelsorge allein nicht mehr leisten“, sagt Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums Hamburg, zu dem auch die 17 Pfarreien in Mecklenburg gehören. 24 katholische Priester gibt es in Mecklenburg, wie viele davon in den kommenden Jahren in Rente gehen, ist laut Nielen nicht eindeutig messbar. „Es gibt kein festgelegtes Rentenalter“, erklärt er. So könne ein Priester schon mit 65 Jahren, allerdings mit Begründung, in den Ruhestand gehen. Fest definiert ist aber das Höchstalter: Mit 75 Jahren ist für Priester endgültig Schluss. Zur Entspannung soll die Verwaltung schlanker werden, die Gemeinden bleiben bestehen.

Ähnliches hat auch der evangelisch-lutherische Kirchenkreis vor. So soll es möglich werden, Pfarrstellen nicht nur einzelnen Gemeinden, sondern Regionen zuzuordnen.

Der Kirchenkreis

Die Nordkirche reicht vom südlichen Dänemark über Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Einige Gemeinden liegen auch in Brandenburg. 1700 Pastoren gibt es derzeit insgesamt.

Der Kirchenkreis Mecklenburg gliedert sich in die vier Propsteien Rostock, Wismar, Parchim und Neustrelitz. Er hat 211 Pastoren, davon 194 in den 250 Kirchengemeinden.

Die Propstei Wismar gliedert sich in die sechs Kirchenregionen Gadebusch, Grevesmühlen, Schwerin-Land und Stadt, Sternberg und Wismar mit 69 Kirchengemeinden.

Christina Milbrandt

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