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Grevesmühlen Unterrichtsausfall wegen Lehrermangel
Mecklenburg Grevesmühlen Unterrichtsausfall wegen Lehrermangel
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11:22 11.04.2013
An der frisch renovierten Schule wird man freundlich begr��t. Quelle: Malte Behnk

Die Eltern der Kinder an der Regionalen Schule in Klütz sind sauer. Weil Lehrer fehlen, fällt seit Schuljahresbeginn regelmäßig Unterricht aus — und zwar 54 Stunden pro Woche. Zum Monatsende wird eine weitere Lehrkraft ausfallen und damit zusätzlich 27 Wochenstunden. Betroffen sind vor allem die Fächer Deutsch, Geschichte und Englisch. Damit fallen ab Anfang Mai voraussichtlich 81 von etwas mehr als 400 Wochenstunden in Klütz aus.

„Selbstverständlich bekommen die Eltern mit, dass wir Probleme haben, den Unterricht abzudecken“, sagt Schulleiterin Jana Malek. Sie verstehe, dass die Eltern protestieren. Sie haben sich kürzlich zu einer Vollversammlung getroffen, die Frank Borawski leitete. „Die Kinder haben massenhaft Ausfälle. Die Zehnten gehen auf ihre Prüfungen zu und es fehlt Unterricht. Und den Jüngeren fehlen die Grundlagen, die sie jetzt lernen sollten“, kritisiert der Vater. Er hat die Situation dem Bildungsausschuss des Kreistages vorgetragen, will Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) mit dem Problem konfrontieren und ist sogar bereit, bis nach Berlin zu gehen, um die Situation an der Regionalen Schule in Klütz zu verbessern.

Das Schreiben an Bildungsminister Mathias Brodkorb ist vorbereitet. „Es geht um die direkte Bitte, sich zu zu kümmern — jetzt. Das ist schlichtweg seine Aufgabe“, so Frank Borawski. „Lernen darf kein Luxus sein“, fordert er.

Die Eltern in Klütz kämpfen in erster Linie für ihre Kinder und deren Ausbildung, setzen sich damit aber auch für die Lehrer in Klütz ein. „Die kriechen auf dem Zahnfleisch“, beschreibt Frank Borawski es plastisch. „Mit Hilfskräften und Sozialpädagogen wird versucht, den Missstand auszugleichen, aber es sind keine Lehrer zu finden.“

Inzwischen hat sogar die Landtagsabgeordnete Simone Oldenburg (Die Linke) auf eigene Initiative eine Anzeige geschaltet, um Lehrer für die Klützer Schule zu werben. Sie war bis zu ihrer Wahl in den Landtag Leiterin der Schule. „Ich habe Lehrer für ganz Nordwestmecklenburg gesucht und tatsächlich zehn Bewerbungen bekommen“, sagt sie. Das hätte das Schulamt auch machen können, fügt sie hinzu.

Stattdessen habe sie die Bewerbungen weitergeleitet. Im Ministerium herrsche aus Oldenburgs Sicht eher die Meinung vor: „Wir haben keine Lehrer, dann ist das halt so.“ Simone Oldenburg plädiert dafür, Vertretungslehrer-Pools aus Lehrern zu bilden, die in den nächsten Jahren in Altersteilzeit gehen. „Sie dürfen 450 Euro monatlich dazu verdienen und wollen vielfach auch noch unterrichten. Da hätte man Vertretungen für spontan auftretende Fälle“, so Oldenburg.

Die Pressestelle des Bildungsministeriums beschreibt den Zustand in Klütz so: „Um den Stundenausfall möglichst gering zu halten, wurden durch die Schule und das Staatliche Schulamt Schwerin folgende Maßnahmen getroffen: Von Schuljahresbeginn bis Anfang Oktober wurde der erteilte Unterricht in Geschichte und Sport gesenkt, sodass durch Umschichtungen der Unterricht in den Fächern Deutsch und Englisch abgesichert werden konnte. Die siebten Klassen wurden im Fach Deutsch zusammengelegt, mussten jedoch wieder getrennt werden, weil durch den Zuzug weiterer Schüler die Gruppe zu groß geworden war. Von Oktober bis Januar hat ein Lehramtsabsolvent zehn Stunden Unterricht pro Woche erteilt. Die Fächer Religion und Philosophie wurden gestrichen, damit Unterricht in den Hauptfächern Deutsch und Englisch erteilt werden konnte.“

Es habe immer eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Schulamt gegeben. Ausschreibungen und Befragungen bei Referendaren in umliegenden Gymnasien oder im Ruhestand befindlichen Lehrern sowie Aushänge an den Hochschulen in Rostock und Greifswald seien ohne Erfolg geblieben.

Ab dem 29. April können nun 20 Wochenstunden abgesichert werden, weil mithilfe von Simone Oldenburg eine Kraft gefunden wurde. Außerdem habe eine zugezogene Lehrerin ein befristetes Einstellungsangebot erhalten. Die Schule und das Staatliche Schulamt Schwerin arbeiten weiterhin an der Lösung des Problems.

Niedriges Bildungsniveau
In Pisa-Studien schneiden Mecklenburg-Vorpommern und speziell Nordwestmecklenburg regelmäßig schlecht ab, was allgemein als niedriges Bildungsniveau ausgelegt wird. Auch im Deutschen Bildungsatlas der Bertelsmann-Stiftung wird der Nordwestkreis negativ erwähnt. Von 75 Landkreisen im ländlichen Raum belegte Nordwestmecklenburg darin 2011 den vorletzten Rang vor der Uckermark.

Malte Behnk

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