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Urlauberin findet menschliches Skelett auf Poel

Insel Poel Urlauberin findet menschliches Skelett auf Poel

Polizei sichert Knochen an Steilküste / Verbrechen ist nicht ausgeschlossen

Insel Poel. Schauriger Fund auf der Insel Poel: Eine Spaziergängerin hat an der Steilküste in Brandenhusen ein Skelett gefunden. Die erste Untersuchung der Polizei bestätigt: Die Knochen gehören zu einem Menschen. „Diese waren bereits stark verwittert, sodass von einer Liegezeit mehrerer Jahrzehnte ausgegangen wird“, sagt Nancy Schönenberg, Sprecherin der Polizeiinspektion Wismar. Unklar ist bislang, wie die Knochen an die Steilküste gekommen sind und ob es sich um ein Verbrechen handelt. Ausgeschlossen ist es bislang aber nicht.

Bereits am Mittwoch hatte die Spaziergängerin die Knochen gefunden. Für die Kriminaltechniker aus Wismar gestaltete sich die Spurensicherung am Donnerstag jedoch wegen des aufgeweichten Untergrundes und der Gefahr des Küstenabbruchs derart schwierig, dass erst gestern Spezialisten angefordert wurden. Mehr als drei Stunden haben die Polizeibeamten unter anderem mit einem Metalldetektor und anderem technischen Gerät die Fundstelle untersucht und die Knochen gesichert.

„Die Situation war für die Beamten durchaus schwierig. Der Einsatz an der Steilküste war sehr gefährlich“, betont Nancy Schönenberg.

Poels Bürgermeisterin Gabriele Richter (parteilos) wurde von der Polizei über den Fund informiert. Nicht ein Poeler soll demnach die Knochen gefunden haben, sondern ein Tourist. Fakt ist: Der Steilküstenabschnitt in Brandenhusen ist kurz und so gut wie nicht frequentiert. Deutlich bekannter sind die Abschnitte zwischen Timmendorf und Hinterwangern und Am Schwarzen Busch und Gollwitz.

Am Schwarzen Busch gibt es eine Gedenkstätte für die Opfer der „Cap Arcona“. 34 Tote wurden in dem Eichenhain beigesetzt. Sie waren auf Poel angespült worden, nachdem britische Flugzeuge 1945 die Schiffe „Cap Arcona“ und „Thielbek“ versenkt hatten. Mehr als 7000 KZ-Häftlinge kamen dabei ums Leben. Im Bereich Schwarzer Busch, so die Bürgermeisterin, wurden später Knochen entdeckt, die im Zusammenhang mit der Schiffskatastrophe standen. Auch am Strand von Neuhof bei Timmendorf soll es Funde gegeben haben. Brandenhusen ist deutlich weiter weg. „Hundertprozentig ausschließen kann man das wohl nicht. Das müsste untersucht werden“, so Gabriele Richter.

Doch das sind allerdings bislang nur Spekulationen. Wie lange das Skelett dort schon gelegen hat – darüber soll eine rechtsmedizinische Untersuchung Aufschluss bringen. „Ob eine Straftat mit dem Fund im Zusammenhang steht, ist noch unklar ebenso wie die Identität. Die Ermittlungen des Kriminalkommissariats Wismar dauern noch an“, betont Polizeisprecherin Nancy Schönenberg. Und: Ein ähnlicher Fund ist vor ein paar Jahren mal in Zierow aufgetaucht. Auch diese Knochen waren bereits Jahrzehnte alt.

Außer auf Poel gibt es in Groß Schwansee, in Grevesmühlen in Klütz und im schleswig-holsteinischen Neustadt Denkmäler, die an die Tragödie erinnern. Am 3. Mai 1945 hatten britische Bomber die „Cap Arcona“ und die „Thielbek“ in der Lübecker Bucht beschossen. Sie hielten sie für Marineschiffe und wollten verhindern, dass sich deutsche Truppen über die Ostsee absetzen. An Bord der Schiffe waren aber über 9000 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme. Etwa 7000 von ihnen verloren bei diesem Angriff ihr Leben.

Die Nazis wollten sie wegbringen und so ihre Verbrechen vertuschen, bevor die Alliierten das KZ befreiten. Dass diese die beiden Schiffe für Truppentransporter hielten, kalkulierten die Nazis ein.

Die meisten der 7000 Opfer wurden erschossen, starben in den Flammen oder ertranken im kalten Wasser. 1947 entstand am Strand bei Groß Schwansee mit zwei Massengräbern für 407 Opfer unmittelbar hinter den Dünen eine der ersten Cap-Arcona-Gedenkstätten. Ab 1954 wurde mit der Umbettung nach Grevesmühlen begonnen, am Tannenberg wurde 1957 eine neue Gedenkstätte eingeweiht. Erst 2005 wurde durch den Förderkreis „Cap Arcona“ der Gedenkort an der ursprünglichen Stelle bei Groß Schwansee neu markiert. Er ist auch für die etwa 3000 Opfer, deren Grab die Ostsee geblieben ist.

Heiko Hoffmann und Michaela Krohn

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