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Grevesmühlen Urteil: Vier Jahre Haft für Horror-Eltern
Mecklenburg Grevesmühlen Urteil: Vier Jahre Haft für Horror-Eltern
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00:05 12.12.2017
Die Rechtsanwälte Matthias Wulff und Matthias Landmann mit den beiden Angeklagten unmittelbar nach der Urteilsverkündung gestern. Quelle: Foto: Michael Prochnow
Grevesmühlen/Schwerin

Jeweils vier Jahre sollen Ronny B. und seine Ehefrau Nicole wegen schwerer Misshandlung Schutzbefohlener hinter Gitter. Das verkündete gestern Richter Armin Lessel vor dem Schweriner Landgericht. Damit blieb das Gericht nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre und zehn Monate für den 32-Jährigen und vier Jahre und zwei Monate für die Stiefmutter gefordert hatte. Die Verteidigung hatte eine zweijährige Bewährungsstrafe für beide Angeklagte beantragt.

Unter den Zuschauern im Gerichtssaal und in den sozialen Netzwerken sorgte das Urteil teilweise für Empörung. Es sei, so einige der Zuschauer im Gericht, viel zu niedrig angesichts dessen, was Ronny und Nicole B. dem Jungen angetan hätten.

Richter Armin Lessel hatte in seiner Urteilsbegründung auf die Grausamkeit des Handelns hingewiesen. „Sie haben den Jungen irgendwann nicht mehr als Subjekt angesehen, sondern offen ihre Feindseligkeit ausgelebt.“ Dass Nicole B. die meisten Taten begangen habe, während ihr Mann als Lkw-Fahrer unterwegs gewesen sei, spielte für das Strafmaß nur eine untergeordnete Rolle. „Beide wussten von den jeweiligen Taten des anderen und billigten sie“, so Lessel. Unbestritten sei, dass Beide das Kind mehrfach pro Woche geschlagen hätten. „Die Zahl der Verletzungen zum Zeitpunkt, als das Kind in die Klinik eingewiesen worden war, war erschreckend.“

Die Staatsanwaltschaft hatte im Rahmen der Hauptverhandlung darauf hingewiesen, dass die angeklagten Taten nur die Spitze des Eisbergs seien und es noch sehr viel mehr Misshandlungen gegeben habe.

Unbeantwortet ist bis heute auch die Frage, warum der Junge, der in dieser Woche fünf Jahre alt wird und jetzt bei seiner Großmutter lebt, so eine panische Angst vor seinem Vater hat. Ronny B. machte dazu vor Gericht keine Aussage, er könne es sich nicht erklären, sagte er lediglich. Armin Lessel bezeichnet die Übergriffe durch die Angeklagten als „regelrechten Terror“, der nur das Ziel gehabt habe, das Kind zu brechen. „Als der Junge Ende 2015 in die Familie kam, war er ein normal entwickeltes Kind. Im Frühjahr 2016 war es nicht nur in seiner Entwicklung deutlich zurückgeworfen worden, der Junge wird auch sein Leben lang unter den Folgen leiden“, so der Richter. „Wie sich die Misshandlungen auf sein Leben auswirken, das werden wir erst erfahren, wenn er erwachsen ist.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wie die Anwälte der beiden Angeklagten mitteilten, werde man das Urteil prüfen. In der Familie von Ronny und Nicole B. lebt noch die leibliche Tochter der 36-Jährigen. Wenn das Urteil rechtskräftig wird, müsste das Mädchen ins Heim oder anderweitig untergebracht werden.

Während die juristische Aufarbeitung des Falls kurz vor dem Abschluss steht, sind die politischen Dimensionen noch nicht abzusehen. In der vergangenen Woche hatte sich der Kreistag Nordwestmecklenburg mit dem Fall beschäftigt. Hintergrund sind die Vorwürfe gegen den damals zuständigen Bereichssozialarbeiter. Richter Armin Lessel hatte in seiner Urteilsbegründung die Untätigkeit der Behörden kurz angerissen. Deutlichere Worte hatten zuvor Staatsanwaltschaft, Nebenklage und auch die Verteidigung gewählt. Sie sprachen von einem kollektiven Versagen der Behörden.

Im Gegenzug hatte die Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg jegliche Verantwortung zurückgewiesen. Das Jugendamt habe zu keiner Zeit Einblicke in die Geschehnisse in der Familie gehabt, hieß es offiziell vom Landkreis. Nun beschäftigt sich der Jugendhilfeausschuss Nordwestmecklenburgs mit dem Fall. Dort soll hinter verschlossenen Türen die Akte des misshandelten Jungen beziehungsweise das gesamte Verfahren noch einmal von den politischen Gremien unter die Lupe genommen werden. Landrätin Kerstin Weiss (SPD) hatte sich auf der Kreistagssitzung noch einmal vor ihre Mitarbeiter gestellt.

„Mit dem damaligen Kenntnisstand war eine andere Einschätzung des Falls nicht möglich.“

Nach Angaben der Verteidigung haben sich Ronny und Nicole B. bereit erklärt, 30000 Euro an den Jungen zu zahlen – innerhalb der nächsten zwölf Jahre. Allerdings sind beide hoch verschuldet und in der Privatinsolvenz.

Michael Prochnow

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