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Grevesmühlen VR-Bank schließt zwei Filialen
Mecklenburg Grevesmühlen VR-Bank schließt zwei Filialen
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00:00 27.02.2017
Auch die Filiale in Schlagsdorf hat keine Zukunft mehr, sie soll geschlossen werden. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz (2)/anne Kubik
Herrnburg/Klütz

Die Umstrukturierungspläne der Volks- und Raiffeisenbank treffen auch Schlagsdorf und Klütz. In beiden Orten werden die Filialen geschlossen. „Es ist unerhört, wie sie mit uns Menschen hier im Dorf umgehen“, sagte Karola Schuldt, die seit Jahrzehnten Kundin der Volks- und Raiffeisenbank ist. Die 52-jährige Schlagsdorferin ist entschieden gegen eine Schließung der Geschäftsstelle mit Geldautomat, Kontoauszugsdrucker und Beratungsraum. Man müsse doch auch an die Menschen denken, meinte sie. Betroffen seien vor allem ältere Einwohner, denn:

Betroffen sind Schlagsdorf und Klütz / Die Kunden sind entsetzt

„Viele von ihnen haben kein Fahrzeug.“ Die nächste Filiale betreibt die VR-Bank in Ratzeburg.

Überrascht und tief enttäuscht vom Aus für die Filiale gegenüber dem Informationszentrum „Grenzhus“ ist auch der ehrenamtliche Bürgermeister der 1130 Einwohner zählenden Gemeinde, Ingo Melchin (Schlagsdorfer Bürgergemeinschaft). Auch er hob hervor, dass vor allem ältere Menschen von den Folgen der Schließung betroffen sein werden. Einige Bürger seien zur Volks- und Raiffeisenbank gewechselt, weil sie vor Ort ist. Enttäuscht ist er auch aus einem anderen Grund: „Die Art und Weise, wie es jetzt gemacht wird, finde ich nicht gut.“ Während die Gemeinde die Bank vor Jahren beim Einwerben von Zuschüssen für den Bau der Filiale unterstützt habe, werde nun nicht einmal mit ihr gesprochen. In den Neubau der Geschäftsstelle im Fachwerkstil investierte die Volks- und Raiffeisenbank 2010 rund 180000 Euro. Gefördert wurde das Projekt von der Leader-Aktionsgruppe, die 50000 Euro der EU bewilligte. Räume im hinteren Teil des Gebäudes nutzt das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe.

Auch in Klütz soll die Filiale am Markt geschlossen werden. Bürgermeister Guntram Jung (CDU) reagierte geschockt auf die Nachricht. „Das ist überhaupt nicht gut für die Stadt Klütz als Grundzentrum“, sagte er. Die VR-Bank sei seit der Wende in der Stadt gewesen. „Wir haben dann nur noch die Sparkasse. Und alle, die dort nicht Kunden sind, müssen beim Geldholen Gebühren zahlen“, haderte Jung. Der Bürgermeister kündigte an, Kontakt zu den Verantwortlichen der VR-Bank aufnehmen zu wollen. Er möchte darauf drängen, zumindest einen Geldautomaten in Klütz beizubehalten.

Der Ärger ist auch bei den Kunden groß. „Wo sollen wir dann hin?“, fragte sich Oswald Kodanek. Der Kalkhorster nimmt schon jetzt eine neun Kilometer lange Autofahrt in Kauf, um Geld in Klütz abzuholen. Denn die VR-Bank-Filiale in Kalkhorst ist vor Jahren bereits dicht gemacht worden. Das gleiche Schicksal habe Dassow ereilt. „Das kann ich nicht begreifen, schon damals waren viele sauer und haben daraufhin die Bank gewechselt“, erzählte Kodanek. Mit der Schließung in Klütz reife auch bei ihm der Gedanke, sich eine andere Bank zu suchen. Die nächsten VR-Filialen befinden sich erst in Grevesmühlen oder Schönberg. In Boltenhagen gibt es noch einen Selbstbedienungsterminal, an dem Geld und Kontoauszüge abgeholt werden können. „Aber sollen die älteren Menschen jetzt mit dem Bus fahren, um Geld zu holen?“, fragte Florian Katzke aus Grundshagen. Auch Marion Borck aus Kalkhorst ist wenig begeistert. Sie arbeitet in Klütz. „Im Sommer muss ich jetzt meine Mittagspause opfern, um im überfüllten Boltenhagen Geld abzuheben.“ VR-Kunde Rainer Simon aus Elmenhorst spricht von einem großen Loch, das mit der Schließung in Klütz künftig in der Region klaffe.

Jürgen Lenz und Daniel Heidmann

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