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Verwirrspiel um das Tat-Datum: Gericht unterbricht Prozess

Barendorf Verwirrspiel um das Tat-Datum: Gericht unterbricht Prozess

Landwirt aus Barendorf muss sich vor dem Amtsgericht wegen illegaler Fällung und Entwendung von Bäumen verantworten / Polizeiakten angefordert

Barendorf. . Hat sich die Tat nun am 8. oder am 17. Dezember 2014 ereignet? Oder vielleicht doch erst an einem Tag im Januar 2015? Diese Frage gilt es für das Amtsgericht zunächst zu klären – ehe im Prozess zwischen Grundstücksnachbarn aus Barendorf bei Grevesmühlen ein Urteil gefällt werden kann.

Angeklagt ist Marcus W. Dem selbstständigen Landwirt wird vorgeworfen, auf dem Gelände seines Nachbarn Patrick M. sieben Weidenbäume illegal gefällt sowie abtransportiert und dabei einen Schaden von etwa 1000 Euro verursacht zu haben.

Gestern ereignete sich im Gerichtssaal jedoch ein merkwürdiges Verwirrspiel. Anklageschrift und Zeugenaussagen gaben unterschiedliche Daten preis. Die Erinnerung der geladenen Personen erwies sich dabei als äußerst lückenhaft. „Ich habe die Bäume nicht abgesägt und das auch nicht in Auftrag gegeben“, entgegnete der Angeklagte W. vor Gericht auf den Vorwurf. Am 8. Dezember, dem in der Anklage angegebenen Datum der Fällung, sei er in Behandlung bei einer Physiotherapie in Grevesmühlen gewesen. „Ich hatte Schulterprobleme. Mir war es gar nicht möglich, diese Tat zu begehen“, so Marcus W..

Auch für den 17. Dezember präsentierte der Angeklagte ein Alibi. „Ich war in einem Möbelhaus in Lübeck, um einen Schrank abzuholen“, meinte der 51-Jährige. Seine Verteidigerin legte als Beleg für diese Behauptung Rechnungen vor. Der Zeuge Werner J. – der Nachbar, der den Angeklagten bei der Tat gesehen haben will und den Geschädigten per Telefon informierte – hatte dieses Datum ins Spiel gebracht.

Werner J. sorgte im weiteren Verlauf für absolute Konfusion im Saal, als er plötzlich meinte, so genau könne er sich an das Datum der beobachteten Tat doch nicht mehr erinnern. Bei der Polizei hatte er zunächst den 8. Dezember 2014 angegeben und dann gesagt, es könnte auch der 17. Dezember gewesen sein. Gestern brachte der 43-Jährige plötzlich den 8. Januar ins Spiel. „Ich habe am 6. Januar Geburtstag und ich meine, dass die Bäume da noch standen“, sagte J. aus. Die Verwirrung bei Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Richter war schließlich komplett.

J. sprach in seinen weiteren Schilderungen davon, am Tattag gegen 8 Uhr morgens vom Einkaufen zurückgekehrt zu sein und eine Motorsäge gehört zu haben. „Dann bin ich zum Grundstück von Patrick M.

gegangen und habe gesehen, wie Marcus W. bereits mehrere Bäume gefällt hatte“, so der arbeitslose Zeuge. Später habe der Angeklagte zusammen mit seinem Sohn das Holz an einen roten Traktor angegurtet und über eine Böschung auf sein eigenes Grundstück gezogen, das Holz dort kleingemacht und auf einen Hänger geladen. „Das ist so sieben bis zehn Tage nach der Fällung geschehen.“

Der Angeklagte Marcus W. beschuldigte derweil zwischen den Zeilen Werner J., auch wenn er dessen Namen nicht explizit nannte. Das Verhältnis zwischen beiden sei alles andere als harmonisch, erklärte die Anwältin des Angeklagten. Es habe bereits gerichtliche Auseinandersetzungen mit Werner J. gegeben.

Patrick M., auf dessen Grundstück die Weidenbäume standen, habe dagegen kein belastetes Verhältnis zu seinem Nachbarn. „Wir sehen uns so gut wie nie“, berichtete der 63-Jährige, der Gesellschafter einer Druckerei auf St. Pauli ist und nur an Wochenenden in Barendorf weile. Er selbst habe von der Tat nichts mitbekommen, sei aber schnellstmöglich angereist. „Ich war stinksauer“, meinte M.. Er habe später Traktorspuren entdecken können, die in Richtung des Geländes des Angeklagten führten. Er habe Anzeige per Internet erstattet. „Zwischen dem 15. und 21. Dezember muss es passiert sein“, so Patrick M.. Doch auch er könne sich nicht mehr so gut erinnern.

Die Konsequenz all dessen: Richter Hinrich Dimpker sah sich gezwungen, den Prozess zu unterbrechen. Polizeiakten sollen nun Aufklärung bringen. „Wir haben heute viele neue Daten gehört. Darum müssen wir uns die Unterlagen holen und herausbekommen, wer von der Polizei vor Ort war“, erklärte Dimpker gestern zum Abschluss der Sitzung. Am 6. Dezember wird weiter verhandelt.

Daniel Heidmann

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