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Vom Leisedenker zum Poetry-Slam-Champ

Wismar Vom Leisedenker zum Poetry-Slam-Champ

Daniel Altmann steht auf dem Dozententisch im Hörsaal von Haus 3 der Hochschule Wismar. Das Profil der Turnschuhe aufs Grau der Tischplatte gepresst. Locker in den Knien.

Wismar. Daniel Altmann steht auf dem Dozententisch im Hörsaal von Haus 3 der Hochschule Wismar. Das Profil der Turnschuhe aufs Grau der Tischplatte gepresst. Locker in den Knien. Kapuzenjacke über T-Shirt. Blätter in der Hand. Der Text über den Leuchtturm in schwerer See, der hat ihm vor knapp einem Jahr den Titel gebracht: Landesmeister von Mecklenburg-Vorpommern im Poetry-Slam. Überraschend hatte er die Favoriten geschlagen.

Altmann winkt ab. Glück nennt er es. Auf der Bühne spricht er meist von jenen, die weniger Glück haben. Von Frau Stock etwa, die ihren Mantel abgab in einer Schneiderei. Abgeholt hat sie ihn nie. Sie haben sie vergast. Witzig, sagt Altmann, sei auf der Bühne nicht seins. Wenn er am Schreibtisch sitzt vor dem Computer und Bilanzen darauf warten, ausgerechnet zu werden, dann denkt er daran, wie alles zusammenhängt. Der Mensch. Die Natur. Die Tiere. Wie Geld dafür sorgt, dass Landwirte Milchkühe nach drei Jahren schlachten und Wilderer Elefanten jagen, um für das Elfenbein der Stoßzähne zu kassieren. Denkt darüber nach, warum Träume so selten zu Abenteuern werden. Dann ruhen die Bilanzen, und Altmann tippt den nächsten Text. Stellt sich vor den mannshohen Spiegel, der im Flur seiner Wohnung hängt, in Holz gerahmt. Und spricht. Pausen. Pausen an Stellen, wo der Zuhörer sie nicht erwartet. Zäsur. Innehalten bei Altmann und Publikum. Damit die Bilder wirken können, sagt er. Und muss sich oft genug ermahnen, den Bildern nicht davonzueilen. Weil Worte fallen wie „Freiheit“, „Leben“, er fast pathetisch wird, wenn er die Arme hebt, die Stimme auch.

Poeten, sagt Altmann, sollten das Recht haben, die Gesellschaft daran zu erinnern, dass die Probleme nach einem solchen Abend nicht gelöst sind. Dass sie bedacht, überdacht werden von jenen, die vor ihm im Schatten der Scheinwerfer sitzen, das wünscht er sich. Dafür tritt er an. Auch heute in Neubrandenburg, wenn er in der Mensa der Hochschule seinen Landesmeistertitel verteidigen will.

Nicole Buchmann

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