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Vorwort verbunden mit Telepathie

Wismar Vorwort verbunden mit Telepathie

Maria Raeuber und Sandra Schmedemann stellen in der Galerie hinter dem Rathaus aus

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Ein „Vorwort“ von Maria Raeuber.

Wismar. „Vorsicht! Zerbrechlich!“ heißt die Ausstellung, die Mittwochabend in der Galerie Hinter dem Rathaus eröffnet wurde. Ein Titel mit verschiedenen Deutungsmöglichkeiten. Die beiden jungen Rostocker Künstlerinnen Maria Raeuber und Sandra Schmedemann zeigen Bilder und Porzellanobjekte. Letztere sind ganz offensichtlich zerbrechlich. „Bitte nur anschauen! Bitte nicht berühren!“ steht unter vier sehr grafischen Porzellanarbeiten von Sandra Schmedemann.

OZ-Bild

Maria Raeuber und Sandra Schmedemann stellen in der Galerie hinter dem Rathaus aus

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„Das Thema war Anlass zu experimentieren, auch mit neuen Materialien, wie den Porzellanfolien“, erklärt Sandra Schmedemann die zweidimensionalen Porzellanarbeiten an der Galeriewand. Mit Schere und Messer konnten die Folien geformt werden, ein Teil blieb keramisch hell, den anderen Teil hat die Künstlerin deckend schwarz eingefärbt.

Zusammengeklebt wirken die Bilder wie Papiercollagen, dabei stofflicher und doch transluzierend. Im Ergebnis faszinierend. Und zerbrechlich. „Mein Versuch, in die Fläche zu gehen“, lacht die Künstlerin und erzählt, dass sie diese Materialversuche weiter ausbauen wird, um intensiver mit dem Durchscheinenden zu spielen. „Ich arbeite gerne grafisch“, begründet Sandra Schmedemann die Reduktion.

Auch ihre Zylinder werden zu grafischen, dreidimensionalen Arbeiten. Angenehm wenig Farbe auf den weißen, stilvoll schlichten Porzellanflächen, auf denen man jede noch so kleinste Farbnuance sieht.

Zurückhaltende Farbigkeit, um der Form ihren Platz zu geben. Sandra Schmedemann: „Die Formen sollen sprechen.“ Auch zwei klassisch bauchige Porzellanvasen zeigt sie, vielleicht, weil der Besucher das erwarten könnte von einer Keramikerin. Und doch sind es die einfachen Zylinder, die fesseln, die glatten Formen.

Verspielter und gleichzeitig ähnlich gradlinig sowie ähnlich konsequent in der Bildsprache Maria Raeuber. „Vorwort 1 bis 6“ heißt eine Bilderserie mit Collagen. An Häkelborten klebt Notenpapier, alt und mit Spuren von Feuchtigkeit. Auf der Borte klebt jeweils ein kleines Foto, passbildgroß mit nicht immer deutbarem Inhalt. Auf dem Notenpapier Gemaltes und Gedrucktes. Nicht wild, aber auch nicht geordnet.

Maria Raeuber spielt mit den Materialien und beobachtet, wie sie miteinander agieren. Wie sie miteinander verwachsen und sich bereichern. Sie selbst deutet erst nach dem Entstehungsprozess ihre Werke für sich, wohl wissend, dass Kunst per se sich eben nicht erklären muss. Die Häkelborte mit dem Notenpapier, wieso? Maria Raeuber schmunzelt. Genau das war ihre Hoffnung. „Es gibt den Moment, bevor ein Wort gesprochen wird“, versucht sie ihre Deutung. Das Nichtsagbare, noch nicht klar Greifbare irgendwie sichtbar machen. Das „Vorwort“.

Das Ergebnis sind zerbrechliche Experimente der Künstlerin. Sie hat sich in kleinen Porzellanobjekten versucht. „Telepathietelefone“ mit grafischen Zitaten aus den eigenen Bildern. „Ich lebe völlig ohne Handy, aber ich sehe die Menschen, wie sie wischen und tun“, begründet sie. Ihre „Telefone“ haben Oberflächen zum Drüberwischen, zum Fühlen. Sie beruhigen mit ihrer angenehmen Haptik.

Die Künstlerin lädt die Ausstellungsgäste ein, mit den „Telepathietelefonen“ zu agieren. Sich auf die Kreuze am Fußboden der Ausstellung stellen und kommunizieren, ohne Wischen, ohne Technik. Aber mit Spuren und Informationen, die im Material weit länger überdauern können als das, was wir im modernen Smartphone speichern, trotz der Zerbrechlichkeit.

Die Künstlerinnen

Maria Raeuber, 1981 in Rostock

geboren, studierte Kommunikationsdesign und Medien an der Wismarer Hochschule und „Freie Kunst“ an der Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle. Seit 2009 ist sie freiberuflich tätig als Künstlerin, seit 2011 lebt und arbeitet sie wieder in Rostock und ist dort neben der Freiberuflichkeit Dozentin an der Kunstschule Rostock e. V.

Sandra Schmedemann unterrichtet ebenfalls dort. Nach ihrer Ausbildung zur Keramikerin studierte sie „Design“ mit der Fachrichtung „Keramik- und Glasdesign“ an der Burg Giebichenstein.

Sie arbeitet freiberuflich als Kunstkeramikerin.

Die Ausstellung der beiden Künstlerinnen ist bis 11. Februar zu sehen: dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, Samstag von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Nicole Hollatz

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