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Grevesmühlen Waldi mit Wismarer Mumme „versackt“
Mecklenburg Grevesmühlen Waldi mit Wismarer Mumme „versackt“
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00:00 17.04.2013
„Weizen-Waldi“ ließ sich nicht lumpen und schenkte sich von der „Wismarer Mumme“ ein. Quelle: Ina Schwarz
Wismar

Unter den Augen und fröhlichen Kommentaren von 200 Zuschauern trank „Weizen-Waldi“ im historischen Zeughaus fremd. Um die Gastfreundschaft der Wismarer nicht zu beleidigen, nahm der ehemalige ARD-Kultmoderator zu Beginn seiner Lesung einen kräftigen Schluck aus der Mumme. Die hatte ihm Gastgeber Volker Stein, Filialchef bei Hugendubel, zur Begrüßung schelmisch kredenzt — dazu seinen persönlichen Wunsch nach der darauf folgenden Schlagzeile „Waldi mit Wismarer Mumme bei Hugendubel versackt“.

Der durstige Bayer nahm es mit Humor. „Mein halbes Leben hat sich an den Theken dieser Welt abgespielt“, erzählte er seinem Publikum, das sich 90 Minuten lang köstlich amüsierte und mitunter vor Lachen bog.

Waldemar Hartmann packte aus. Der Journalist und Kommentator ist eine wandelnde Legende. Keiner pflegt mit so vielen Stars des Sports so vertrauten Umgang. Keiner hat so genaue Einblicke in das Geflecht von Medien und Politik. Ob Fußball, Boxen, Olympia oder Society: Über 30 Jahre war Waldemar Hartmann auf Sendung und hat mit Prominenten jeden Formats im Studio und danach geredet.

2003 dann „Waldis“ Sternstunde, die zunächst mit eher düsteren Wolken am Fußballhimmel begann. Nach der Pleite gegen Island in der EM-Qualifikation hagelte es für Teamchef Rudi Völler Kritik, bis ihm im legendären Interview mit Waldemar Hartmann der Kragen platzte. Völler damals wutschnaubend zu Hartmann: „Du sitzt hier bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken und bist schön locker!“ Von Stund an hatte Hartmann sein Image vom „Weißbier-Waldi“ weg. Obendrauf einen Vertrag als „Paulaner Weißbierbotschafter“.

Nach Wismar gekommen war der 65-Jährige, um Werbung für sein Buch „Dritte Halbzeit“ zu machen. Sein Erstlingswerk blieb vom Autor jedoch fast unberührt auf dem Podium liegen. Vielmehr erhob Waldemar Hartmann sein Lese-Revier zum „Stammtisch“. Mit seinem kabarettistischen Talent, Anekdoten, Geschichten und Erinnerungen rockte er von dort aus das Wismarer Zeughaus. „Ich twitter zwar nicht, zwitscher dafür gern mal einen“, so Hartmann, der an diesem Abend auf Hochtouren lief. Er gab zum Besten, wie er Ende der 70-er Jahre als Assi für Erwin Dittberner die Getränke besorgte, was ihm anschließend einen Kommentatorenplatz beim Fernsehen sicherte, er selbst in der bekannten Promi-Kicker-Mannschaft FC „Schmiere“ als Rechts-Außen-Spieler bei 40 Grad dem Ball hinterher hechelte, er die Lederhose von Uli Hoeneß verzockte, ihm bei einem Interview mit Franz-Josef Strauß mal das Aufnahmeband riss oder er mit Rudi Völler dessen Geburtstag ausgelassen feierte.

Hartmann präsentierte sich als begnadeter Entertainer. Geschichten zu Lothar Matthäus, die neue Generation der Spielerfrauen und Jogi Löw‘s Trainermethoden verpackte er gnadenlos als Treffer:

wortgewandt, verblüffend offenherzig, manchmal vernichtend — und immer grundehrlich. Im Anschluss an eine unterhaltsame Performance, gab der Bayer Autogramme und signierte seine Bücher.

In Wismar wäre er noch nie gewesen, gab Hartmann zu. „Ich weiß aber, dass Sie Weltkulturerbestadt sind. Außerdem sind mir bei der Herfahrt die vielen schönen Kneipen aufgefallen“, schwärmte und punktete er auch diesbezüglich beim Publikum, dass ihn mit viel Beifall und Sympathie belohnte.

„Leute, ich hab in Augsburg mal eine Kneipe gehabt.“Waldemar Hartmann, Kultmoderator

Ina Schwarz

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