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Warnow: Widerstand gegen Baumfällungen

Warnow Warnow: Widerstand gegen Baumfällungen

Einige der Anwohner wehren sich gegen die geplante Verbreiterung der Dorfstraße. Denn dann müssen die Linden weg.

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In Bössow wurde die Ortsdurchfahrt saniert, das Kopfsteinpflaster wurde erhalten.

Quelle: Dieter Faustus

Warnow. In zwei Jahren soll die Kreisstraße, die durch Warnow führt, saniert werden. 1100 Meter ist die Buckelpiste lang, auf der alte Linden das Kopfsteinpflaster säumen. In der vergangenen Woche stellte ein Planungsbüro das Vorhaben vor, das vom Landkreis initiiert wird. Dabei wurde bekannt, dass insgesamt 75 Alleebäume abgenommen werden müssen, aus dem Kopfsteinpflaster soll eine Asphaltstraße werden. Und an diesem Punkt scheiden sich die Geister, denn die Anwohner sind zwar durchaus für eine Erneuerung der Holperpiste, aber das alte Pflaster und vor allem die Allee sollen erhalten bleiben.

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Sollte die Straße in Warnow auf sechs Meter Breite ausgebaut werden, dann ist für die alten Bäume kein Platz mehr.

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Dieter Faustus lebt seit drei Jahren in Warnow, das Urtümliche hat ihn überzeugt, von Bayern nach Mecklenburg zu ziehen. „Das Dorf hat einen gewissen Charme, der auch durch die Straße und die Allee bestimmt wird. Eine Asphaltstraße würde nur die Raser einladen. Nicht viele Orte in anderen Bundesländern verfügen über derartige Besonderheiten wie Warnow, die eine dörfliche Idylle vermitteln und daher, wie auch die anderen touristischen Anziehungspunkte zum Beispiel Schlösser und Gutshöfe, Mecklenburg seine Ausstrahlung verleihen und schützenswert sind.“

Kritisch sieht Dieter Faustus auch die Breite der neuen Straße. „Großzügig wurde von der vorgegebenen Breite von 6,5 Metern für eine Kreisstraße, auf 6 Meter Breite reduziert. Die Weiterführung der Kreisstraße nach Großenhof ist dann wieder 4,5 Meter breit.“ Als Beispiel für eine gelungene Sanierung führt der Warnower die Straße in Bössow, wenige Kilometer nördlich des Dorfes gelegen, an. Dort ist das alte Kopfsteinpflaster erhalten worden. „Warum sollte so etwas in unserem Dorf nicht auch möglich sein? Es bleibt festzuhalten, wir, viele Einwohner von Warnow wollen eine Sanierung und sind dafür dankbar, aber wir wollen eine sinnvolle Sanierung, mit einer größtenteils Erhaltung der alten Bäume.“

Unterstützung erhält Dieter Faustus von Wolfgang und Ritica Warnke, ebenfalls Einwohner von Warnow. Auch sie wehren sich gegen die geplante Fällung der 75 Bäume. „Seit Jahren hat der Kreis seine Erhaltungspflicht der Straße nicht erfüllt — und jetzt: tabula rasa und sechs Meter Breite. Für wen?“ Auch sie verweisen bei der Diskussion um die Straßenbreite auf die umliegenden Gemeinden.

„Die Straße Richtung Thorstorf ist nur 4,5 Meter breit — dort begegnen sich dieselben Fahrzeuge wie in Warnow bisher völlig problemlos.“ Die Verbreiterung allein mit den Vorschriften zu begründen, könne keine Lösung sein. „Das ist eine typische Beamten-Nichtargumentation, hinter der man sich vortrefflich verschanzen kann.“

Kritik gibt es auch am Baumgutachten des Kreises, das besagt, dass die Linden durch die Autos derart geschädigt seien, dass sie nur noch wenige Jahre zu leben hätten. „Überall in Mecklenburg-Vorpommern stehen kerngesunde Linden direkt an der Fahrbahn“, so das Ehepaar. „Als Totschlagargument ist dieses Gutachten natürlich hochwillkommen, als wären die Bäume sowieso schon so gut wie tot. Der Vorschlag, ein Gremium unter kompetenter Moderation zu gründen, um die Zerstörung Warnows zu verhindern und Alternativen, also Konsens, zu suchen, ist von Kreisseite nicht wahrgenommen worden. Warum wohl? Weil die Bereitschaft sich den Argumenten der Bürger zu stellen überhaupt nicht vorhanden ist. Hier soll möglichst ohne Gegenwind ein schönes Dorf in eine Standarddurchfahrt verschandelt werden, damit niemand den Fuß vom Gas nehmen muss. Dass die Lärmbelästigung durch Asphalt nicht geringer wird, nur anders, weiß hier offenbar noch niemand. Die Position des Kreises ist aber unmissverständlich. Sechs Meter oder nichts.

Wieso der von Vielen gerühmte Dorfcharakter von Warnow für fragwürdige Vorteile zerstört werden soll, bleibt unverständlich, denn: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“

„Das Dorf hat einen gewissen Charme, der auch durch die Straße und die Allee bestimmt wird.“
Dieter Faustus, Warnow

 

Michael Prochnow

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