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Grevesmühlen Was tun bei Schulfrust?
Mecklenburg Grevesmühlen Was tun bei Schulfrust?
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16:21 08.05.2018
Keinen Bock auf Schule: Das als Eltern zu tolerieren ist sicher nicht der richtige Weg. Stattdessen sollte gemeinsam nach Lösungen gesucht werden, damit die Zukunft der Jugendlichen nicht verloren ist. Quelle: Pexels
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Grevesmühlen

Bei den einen war es Mobbing, andere kamen mit ihren Lehrern nicht klar. Alexander Bielefeldt gibt offen Faulheit als Grund an, warum er keinen Bock mehr auf die Schule hat. Was aus all jenen wird, haben sie ganz alleine in der Hand. Alexander nutzt gerade ein Praktikum im Milchviehbetrieb von Arndt Burmeister und seiner Frau Nicole Wagnitz in Kleinfeld bei Schönberg (Nordwestmecklenburg). Vermittelt haben es ihm Lehrer, denen der Werdegang des 15-Jährigen nicht egal zu sein scheint. Aber wo sieht sich Alexander in zehn Jahren? „Ich hoffe, dass ich dann nicht mehr so faul bin.“

Bewerbung:

Bewerbungsschluss für das Produktive Lernen in Grevesmühlen ist am 31. Mai. Weitere Infos im Internet: www.wasserturmschule-gvm.de

Seit der fünften Klasse hat er keine Lust mehr auf Schule. „Eigentlich sitze ich nur noch meine Zeit ab“, sagt er. Gern würde er im Sommer in den sprichwörtlichen Sack hauen. „Mein Vater will aber, dass ich die neunte Klasse wiederhole.“ Auf die Frage, was er denn am 20. August mit dem ersten Schultag nach den Sommerferien machen wird, zuckt Alexander nur mit den Schultern. Arbeit würde ihm eher zusagen. Beworben hat er sich allerdings noch nicht für einen Ausbildungsplatz. Und die Berufsschule? Da müsste er wohl hin, aber eben nicht täglich.

Das Praktikum im Milchviehbetrieb mache ihm Spaß, auch wenn schon morgens um vier Uhr der Wecker klingelt. Um 6 Uhr ist er mit dem Fahrrad in Kleinfeld und kümmert sich um die Kühe. Ausmisten. Füttern. „Ich habe mir den Beruf anders vorgestellt. Landwirtschaft ist nicht nur Scheiße wegmachen, wie viele Jugendliche denken“, meint Alexander. Arndt Burmeister lacht. Mit 19 Jahren hat er den Betrieb in Kleinfeld, der einst seinen Großeltern gehörte, übernommen. 300 Milchkühe und 300 weibliche Nachzuchtrinder hat er in Ställen verteilt. Täglich kommen 7500 Liter Milch zusammen. Der Beruf ist hart, sagen er und seine Frau. Nicht zuletzt auch wegen der Milchpreise. 29 Cent pro Liter zahlt die Molkerei derzeit. Ans Aufgeben haben sie bereits mehrfach gedacht, aber irgendwie kommt es dann doch nicht infrage. Für Alexander allerdings steht fest: Er gibt auf. Zur Schule möchte er nicht mehr. „Jeder hat eine Chance auf eine Ausbildung verdient, wenn er Feuer und Flamme für den Beruf ist“, sagt Arndt Burmeister und reicht Alexander damit fast schon die Hand. Ob er sie nimmt?

Eine Alternative zum Schulabbruch ohne Abschluss ist das Produktive Lernen. Das noch laufende Schuljahr zählt 725 Schüler verteilt über drei Jahrgangsstufen an insgesamt 27 Standorten in Mecklenburg-Vorpommern. Einer davon ist Grevesmühlen – im Technikgebäude der Regionalen Schule „Am Wasserturm“ im Mittelgebäude auf dem Gelände der Grundschule „Am Ploggensee“. In der Umgebung sind Neukloster und Wismar zwei weitere Standorte. „Dadurch haben wir ein großes Einzugsgebiet“, erklärt Iris Schilke, eine von drei Lehrern beim Produktiven Lernen. „Das Produktive Lernen ist ein besonderes Bildungsangebot für Schüler, die die siebte Klasse durchlaufen haben und denen das abstrakte Lernen schwerfällt. Für sie hat das Land spezielle Unterrichtsmethoden entwickelt, bei denen die Praxis in den Vordergrund rückt. So lernen die Jugendlichen beispielsweise nicht nur in Schulen, sondern auch in Lernwerkstätten, Betrieben und Einrichtungen“, erklärt Henning Lipski, Pressesprecher im Bildungsministerium. Halten die Jugendlichen mindestens zwei Jahre durch und schlagen sich gut, erlangen sie die Berufs- oder die mittlere Reife.

Eine gute Alternative für Lucas Mularzeck, der in Rehna in einer Wohngruppe lebt und sich täglich zur Schule quält. Der Siebtklässler denkt ernsthaft darüber nach, das Produktive Lernen in Grevesmühlen zu nutzen. Mut macht dem 14-Jährigen, der Maler werden möchte, Martin Kalies. Der 23-Jährige entschied sich nach der achten Klasse für das Produktive Lernen. „Für die andere Schule war ich zu faul“, sagt der 23-Jährige, der seinen Abschluss 2013 machte, eine Ausbildung absolvierte und heute als Fachkraft im Gastgewerbe einen festen Job in Boltenhagen hat.

OZ

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