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Weißer Ring: Den Opfern von Straftätern eine Stimme geben

Grevesmühlen/Wismar Weißer Ring: Den Opfern von Straftätern eine Stimme geben

In Nordwestmecklenburg helfen 47 Mitarbeiter in der Außenstelle Wismar

Grevesmühlen/Wismar. Mit zitternden Knien tritt sie aus dem Haus. Ihr Blick huscht nach links und dann nach rechts. Wird er heute wieder an der Ecke stehen? Wieder mit einer Rose in der Hand, um ihr zu beweisen, wie sehr er sie doch liebt? Erst neulich hatte er ihr doch die Einrichtung zertrümmert, weil er ihre Abweisung nicht akzeptieren wollte. Und dann der Tritt ins Auto. Die Beule ist bis heute nicht repariert. Dann kommt er wieder zur Besinnung und beteuert, wie leid es ihm doch tue. Immer und immer wieder dasselbe.

 

OZ-Bild

Opfer von Straftaten – wie zum Beispiel Stalking – können sich vertraulich an den Weißen Ring wenden.

Quelle: Foto: Wolfgang Glombik

Solche und ähnliche Geschichten sind beim Weißen Ring keine Seltenheit. Eine Außenstelle gibt es auch in Wismar. Diese wird seit zweieinhalb Jahren von Martina Tegtmeier, SPD-Kreisverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete, geleitet. Das Einzugsgebiet ist ganz Nordwestmecklenburg. Was sie an diesem Ehrenamt begeistert: „Anders als in der Politik, wo man notwendigerweise immer wieder Kompromisse eingehen muss, kann ich hier sofort und direkt Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind, helfen.“

Gemeinsam mit Martina Tegtmeier hat die Außenstelle Wismar/Nordwestmecklenburg 47 Mitglieder, davon arbeiten sieben als ehrenamtliche Helfer. „Wer die Idee hat, sich aktiv in der Opferhilfe zu engagieren, muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und seine privaten Verhältnisse offenlegen“, sagt Tegtmeier. Menschen, die selbst einmal Opfer von Gewalt geworden sind, seien nicht unbedingt prädestiniert für die Arbeit beim Weißen Ring. „Manchmal entwickelt man aus eigenen schlimmen Erfahrungen heraus dann eine Art Helfersyndrom, das nicht gut ist.“ Wichtig sei, „sich abgrenzen zu können. Immerhin wird man mit manchmal schlimmen Situationen konfrontiert.“

Jeder, der für den Weißen Ring als ehrenamtlicher Ansprechpartner zur Verfügung steht, wird zudem geschult, um die Möglichkeiten und Grenzen seiner Beratertätigkeit genau zu kennen. „Wir sind keine psychologischen Berater“, betont Martina Tegtmeier. „Wir vermitteln nur an Fachleute, begleiten aber bei Bedarf auch zur Polizei oder zum Therapeuten, um die erste Kontaktaufnahme zu erleichtern.“

Doch auch in diesem Fall muss die Neutralität und Nichteinmischung gewährleistet bleiben. Um selbst gut mit dem, was an sie herangetragen wird, umzugehen, tauschen sich die Ehrenamtler regelmäßig aus und treffen sich zur Fallbesprechung.

Pro Monat rufen im Durchschnitt sechs Menschen bei der Außenstelle Wismar/Nordwestmecklenburg an oder melden sich per E-Mail. Im vergangenen halben Jahr sei ein Anstieg zu verzeichnen, erklärt Martina Tegtmeier. „Es gibt kein Büro im Landkreis. Und das aus gutem Grund. Wir treffen uns mit Hilfesuchenden an neutralen Orten, die sie wählen. Wenn jemand es möchte, kommen wir auch zu ihm oder ihr nach Hause.“ Besonders stolz ist Martina Tegtmeier, dass der Weiße Ring schnell und unbürokratisch hilft. Das kann eine Erstvermittlung an einen Therapeuten oder in ein Traumazentrum, zum Beispiel in der Helios-Klinik in Schwerin, sein. Ebenso eine erste juristische Beratung bei einem Anwalt. „Dafür stellen wir auch Schecks aus, bezahlen das also.“ Sogar größere Summen zahlt der Weiße Ring an Opfer von Straftaten bei vorliegender Notwendigkeit aus. „Kürzlich zum Beispiel haben wir einem Stalking-Opfer mit 1000 Euro helfen können, das durch den Straftäter Sachschaden zu beklagen hatte, den es nicht alleine tragen konnte“, führt Martina Tegtmeier aus.

Im Jahr 2015 unterstützte die Außenstelle Wismar/NWM insgesamt 20 Menschen im Landkreis finanziell mit insgesamt 22961 Euro. Seit Gründung der Außenstelle im Jahr 1993 benötigten 222

Menschen finanzielle Hilfe – insgesamt 130657 Euro. Im Jahr 2015 flossen für Opferhilfen   19 288 Euro, für Soforthilfen 1800 Euro. Rechtsberatungsschecks wurden in Höhe von 1245 Euro ausgestellt, psychotraumatologische Beratungsschecks in Höhe von 600 Euro. Opfer, die immaterielle Hilfe brauchten, gab es Unmengen mehr. „Die registrieren wir aber nicht extra“, erklärt Martina Tegtmeier.

Der Weiße Ring finanziert sich nicht aus öffentlichen Geldern, sondern ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Wer also Mitglied sein möchte, auch ohne ehrenamtlich mit Opfern zu arbeiten, kann sich bei Martina Tegtmeier melden. Sie ist es übrigens auch, die das Handy immer mit sich führt, das Opfer zu jeder Zeit anrufen können (siehe Infokasten). „Wenn ich nicht rangehen kann, weil ich gerade in einer Sitzung bin, dann auf den Anrufbeantworter sprechen und mitteilen, wie man erreichbar ist“, erklärt sie. „Ich rufe dann zurück oder vermittle weiter an einen unserer ehrenamtlichen Helfer.“

Zahlen und Fakten

Der Weiße Ring präsentiert sich auch auf der Ehrenamtsmesse, die am 4. und 5. März in Wismar stattfindet. Ausrichter ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Jeweils von 10 bis 18 Uhr erhalten Vereine, Organisationen und Initiativen in der Halle 01 auf der Hanseschau, Bürgerpark Wismar, Am Festplatz, die Gelegenheit, sich und ihre Arbeit vorzustellen und in persönlichen Gesprächen neue ehrenamtlich Tätige zu gewinnen.

Kontakt zum Weißen Ring:

☎ 0151/55164624 oder per E-Mail: martina-tegtmeier@t-online.de Pro Monat rufen im Durchschnitt sechs Menschen bei der Außenstelle Wismar/Nordwestmecklenburg an oder melden sich per E-Mail. Im vergangenen halben Jahr sei ein Anstieg zu verzeichnen, erklärt Martina Tegtmeier, Leiterin der Außenstelle.

Annett Meinke und Jana Franke

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