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Grevesmühlen Weißer Ring: Mut zur Hilfe
Mecklenburg Grevesmühlen Weißer Ring: Mut zur Hilfe
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00:00 23.03.2016

Mehr als 90 Prozent aller Gewaltfälle in Nordwestmecklenburg werden nicht angezeigt. „Diese Dunkelziffer ist erschreckend hoch!“, mahnt Martina Tegtmeier, Außenstellenleiterin des Vereins Weißer Ring in Wismar. „Aus diesem Grund nutzen wir jede Chance, um auf uns und andere Anlaufstellen für Opfer aufmerksam zu machen.“ So auch am gestrigen Tag der Kriminalitätsopfer. „Viele wissen einfach gar nicht, wo sie Hilfe bekommen können“, erklärt sie. Gemeinsam mit der Polizeiinspektion Wismar, der Awo-Beratungsstelle für Opfer von häuslicher Gewalt in Grevesmühlen und den Vereinen „Das Boot“ und „Die Insel“ positionierte sich der Weiße Ring deshalb zur Mittagszeit vor dem Wismarer Rathaus, um zu informieren.

Ein großes Problem: die häusliche Gewalt. „Hauptsächlich sind Frauen davon betroffen“, erzählt Karina Brauer von der Awo-Beratungsstelle. „Das zieht sich durch alle Alterstufen, von 18 bis 80. Viele haben beispielsweise erst nach zwanzig Jahren den Mut, über ihre Situation zu sprechen.“ 600 Fälle wurden in den letzten 15 Jahren im Landkreis Nordwestmecklenburg gemeldet — ein Bruchteil der tatsächlichen Zahl. „Oftmals ist es Scham, was die Opfer davon abhält, sich Hilfe zu holen“, weiß Martina Tegtmeier. „Viele sehen die Schuld auch fälschlicherweise bei sich selbst.“

Ähnliche Beobachtungen macht Hans-Jürgen Schröder, Präventionsberater der Polizei Wismar: „Der angebliche Treppensturz als Erklärung für Verletzungen ist leider immer noch ein Klassiker. Vielen fehlt schlichtweg der Mut, sich bei uns oder einer anderen Hilfsstelle zu melden.“

Ein weiteres Problem: Viele wissen gar nicht, dass sie Opfer sind. „Häusliche Gewalt kann auch psychisch ausgeübt werden. Das ist schwerer nachzuweisen“, meint Karina Brauer. „Oftmals wird dann vom Partner ein enormer Druck und stetige Kontrolle ausgeübt.“ Eine weitere Beobachtung ist, dass zahlreiche Opfer bezweifeln, dass eine Anzeige tatsächlich etwas bringt. „Ein gutes Beispiel dafür sind die Vorfälle in Köln in der Silvesternacht“, erklärt Martina Tegtmeier. „Als Straftaten zählen die Diebstähle. Dass die Frauen begrapscht wurden, fällt lediglich unter Beleidigungen.“ Die Gesetzeslage müsse sich in dieser Hinsicht ändern. „Vergewaltigungsopfer müssen beispielsweise Abwehrspuren nachweisen können, wenn sie eine Anzeige erstatten“, sagt Karina Brauer. „Dass eine Frau aber beispielsweise in solch einer Situation in eine Schockstarre verfällt, wird dabei außer Acht gelassen.“ Umso wichtiger sei es deshalb, den Opfern zu zeigen, dass es trotzdem immer Hilfe und Ansprechpartner für sie gibt.

Die Opfer über ihre Rechte aufklären, das setzt sich auch „Das Boot“ als Ziel. Der Wismarer Verein legt den Schwerpunkt auf Opfer rechtsextremer Gewalt. „Wir wollen zeigen, dass man sich nicht einschüchtern lassen darf“, sagt Sandra Rieck, einer der beiden hauptamtlichen Vorstände. Vor wenigen Wochen habe sie selbst erlebt, wie Rechtsradikale einige Äthiopier, die an einem Sprachkurs des Vereins teilnehmen, massiv beleidigt hatten. „Das hat mich erst deprimiert und betroffen gemacht“, erzählt sie. „Trotzdem habe ich mich noch abends hingesetzt und eine Anzeige erstattet.“

Unterstützung hat sie von dem Verein „Lobbi“ bekommen, der landesweiten Opferberatung für Betroffene rechter Gewalt in MV. „Viele wissen gar nicht, welche Rechte ihnen zustehen, besonders wenn sie mit unserem Gesetz noch nicht so vertraut sind. Deshalb ist es wichtig, dass Opfer sich nicht einschüchtern lassen, sondern Rat suchen.“

Von Vanessa Kopp

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