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Grevesmühlen Wenn Ehrenamtler mit Kastanien locken
Mecklenburg Grevesmühlen Wenn Ehrenamtler mit Kastanien locken
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00:10 09.02.2017
Und dann hatte sich das Damwild doch noch angepirscht und sprach zuerst den Kastanien zu.

Alles Rascheln mit Kastanien im Futtereimer nützt nichts. Die Tiere kommen nicht. „Wahrscheinlich sind sie an der Burdenow“, vermutet Adriana Krohn.

Adriana Krohn schüttet Kastanien in den Trog, der sich direkt am Futterhaus befindet. FOTOS (2): CORNELIA ROXIN

Entstehung/Futterspenden

Das Damwildgehege wurde gebaut, um einen Damwildbestand zu entwickeln und einzubürgern, den es Anfang der 1970er Jahre im Questiner Wald nicht gab. Heute ist es nur noch ein Schaugatter.

Futterspenden wie Kartoffeln, Rüben, Äpfel, Brot, keine Südfrüchte – ohne Schimmel – bitte am Futterhaus ablegen, niemals selbst füttern.

Am kleinen Flusslauf, der das Areal des Damwildgeheges im Questiner Wald quert. „Da haben sie immer Frischwasser“, erklärt die 30-Jährige und hat zugleich noch eine weitere Erklärung neben der, dass die Tiere satt seien, parat. Zum Jahresende nämlich war der Bestand verringert worden, „sowas bringt Unruhe, das Wild reagiert scheu“. Außerdem: Noch ist das Damwild nicht so vertraut mit Adriana Krohn.

Erst seit Ende Januar betreut die junge Frau das Wildgatter im Questiner Wald. Sie war eine von fünf Interessenten, die sich beim Forstamt Grevesmühlen gemeldet hatten, als dort ein neuer ehrenamtlicher Futtermeister gesucht wurde (die OZ berichtete). Und: Sie ist es geworden. „Melde dich doch“, hatte ihr Mann Christian sie bestärkt, wohl wissend, was für eine Naturliebhaberin er da an seiner Seite hat. Eine fachlich versierte zudem. Denn die Mutter zweier Söhne, die der Liebe wegen aus Schleswig-Holstein nach Grevesmühlen kam, ist Erzieherin mit dem Schwerpunkt Freizeit/Tourismus und Kulturarbeit. Im Erlebniswald Trappenkamp bei Bad Segeberg zum Beispiel hat sie ein Praktikum absolviert. Dort habe sie nicht nur viel über Bäume gelernt, sondern auch über Wildgatter. In viel größeren Ausmaßen als das sechs Hektar große im Questiner Wald, gibt es dort eines für Rot- und Damwild und eines mit Wildschweinen.

Auch wenn Adriana Krohn sich aktuell während einer Weiterbildung im kaufmännischen Bereich gerade ein zweites berufliches Standbein schafft, schwärmt sie: „Ich gehöre in den Wald!“ Sie müsse raus, sich bewegen. Wichtig sei es ihr, Menschen die Natur näherzubringen. „Dafür brenne ich“, erklärt sie und weiß auf jedes Stichwort etwas zu erzählen . . . und das nicht nur von Hirschen, Hirschkühen und deren Kälbern, von deren sie nun insgesamt 16 Tiere im Gatter betreut.

Für das Füttern im Winter zeichnet sie verantwortlich und kontrolliert auch den Zustand des Geheges. Auswüchse von Vandalismus, wie sie sie mit einem defekten Zaun jetzt gerade nach dem zurückliegenden Wochenende erleben musste, betrüben die junge Frau. Nicht nur, dass die Tiere sich hätten verletzen können – repariert muss werden, Geld ist knapp. Apropos. Adriana Krohn hofft darauf, einmal Fördergelder einzuwerben für Schautafeln oder -kästen, um Besuchern am Gehege noch mehr näherbringen zu können über die Welt der Tiere. Denn auch die Waldpädagogik ist an ihr Ehrenamt gekoppelt, grad vorgestern waren wieder Kita-Kinder da. Was war das? „Ein Specht!“ Suchend schaut Adriana Krohn in die Baumkronen, einzelne Schneeflocken schweben herab . . . „herrlich“, sagt sie. Und dann steht plötzlich auch das Damwild da.

Cornelia Roxin

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