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Wenn das Traumhaus zum Albtraum wird

Klein Woltersdorf Wenn das Traumhaus zum Albtraum wird

Familie Qualmann aus Klein Woltersdorf steht bald auf der Straße

Klein Woltersdorf. Seit Monaten lebt Familie Qualmann in einer Ferienwohnung in Zierow aus Koffern und Kisten. Ihr schmuckes Einfamilienhaus – ein Neubau in Klein Woltersdorf in der Gemeinde Barnekow – ist seit einem Dreivierteljahr nicht bewohnbar. Und wo die vierköpfige Familie ab Ende dieses Monats leben wird, ist noch offen. Dann ist die Ferienwohnung an Touristen vermietet.

Wasser im Traumhaus

Im April 2016 zogen Anica (30) und Benjamin Qualmann (29) mit ihren Kindern Yannik (10) und Finnley (6) in den Neubau unweit der Wismarer Stadtgrenze. Ein Traumhaus, modern eingerichtet mit offener Küche und kindgerechtem Spielraum. Anica Qualmann ist eine „Kindertagespflegeperson“ und betreut normalerweise als Tagesmutter im eigenen Haus fünf Kinder. Kurz nach dem Einzug fielen den Qualmanns erste Wasserflecken auf. Feuchte Wände, nasse, dunkle Stellen über den Sockeln. Der Bauingenieur und die damals bauausführende Sanitärfirma wurden informiert. „Normale Restbaufeuchte“

erklärte der Ingenieur. Die nassen Wände und dunklen Stellen blieben – trotz Lüftens und „Trockenheizens“. Die Wand in der Abstellkammer unter der Treppe war klatschnass. Immer wieder kontaktierte die Familie die Sanitärfirma aus Wismar. Und wurde immer wieder vertröstet. Die Familie ging schließlich selbst auf Fehlersuche: Jede Nacht zeigte die Wasseruhr einen Verbrauch von 26 Litern an, ohne dass potenzielle Verbraucher aktiv waren.

Ende Juni quollen die Türrahmen im Erdgeschoss auf. Doch im Urlaub, als das Bad für die Tagesmutter-Knirpse nicht genutzt wurde, waren die Wände trockener: „Uns war klar, dass irgendwo dort was undicht sein muss.“ Die Sanitärfirma vertröstete wieder, schickte einen Mitarbeiter, der alles als „normal“ einstufte. Die Familie wandte sich an die eigene Wohngebäudeversicherung in der Hoffnung auf Schadensregulierung: „Die hat festgestellt, dass der Schaden in der Bauphase entstanden sein muss, also ein Vorvertragsschaden ist.“

Vier Gutachten erforderlich

Der Gedanke, die Sanitärfirma habe beim Bau einen Fehler gemacht, lag nahe. Der Unternehmer kam mit einem Gutachter seiner Versicherung. Hanglage, viel Regen, nicht untersuchter Boden vor dem Neubau und schlechte Abdichtung von außen waren seine Befunde. Alles widerlegten die Qualmanns. Drei Gutachten später – zwei davon vom selben Sachverständigen, der sein erstes negatives Gutachten revidierte – scheint die Sache klar: Das T-Stück, das die Sanitärfirma verbaute, hatte Risse durch einen „Gewaltbruch“. Die Folge: zwei Zentimeter Wasser auf der Grundplatte des Hauses. Über Monate.

Gesundheitsgefährdung

Im Herbst kündigte Anica Qualmann ihren Tageskindern: „Das kann ich nicht verantworten!“ Ende Oktober zog die Familie in eine Ferienwohnung. „Unser Kleinster ist Bronchialasthmatiker, der hat im Haus keine Luft mehr bekommen“, sagt sie.

Enorme Kosten

Die Kosten für die Ferienwohnung, der Verdienstausfall als Tagesmutter, die Kosten fürs eigene Haus – die Familie ist verzweifelt. Laut Konzept kostet die Sanierung gut 80000 Euro. 13

Quadratmeter Fußboden müssen raus. Dazu neue Fliesen, neuer Putz, neue Tapeten. „Andere hätten längst aufgegeben, aber was sollen wir machen“, sagt Anica Qualmann und ergänzt: „Man hat ein Haus und kann nicht drin wohnen. Das ist Horror!“ Lichtblicke sind die derzeitigen Vermieter der Ferienwohnung und der eigene Versicherungsmakler. Benjamin Qualmann ist dankbar – bisher wollen die Vermieter kein Geld sehen, sie warten. „Wir könnten die Kosten nicht tragen. Der Kredit läuft ja weiter und den bedienen wir nur mit einem Gehalt“, so der Maschinenführer, der im Gleisbau in der Schweiz arbeitet.

Eine Lösung in Sicht?

Die Bauversicherung schickte der Familie jetzt eine Mail: Sie übernimmt die Sanierungskosten – vorerst. Die Versicherung geht davon aus, den Schaden von der Versicherung der Sanitärfirma ersetzt zu bekommen. Die Familie will klagen. Schließlich musste sie durch den Verdienstausfall der Frau finanzielle Einbußen hinnehmen: „Wir würden auch gerne auf Schmerzensgeld klagen. Wir sind dreimal umgezogen, wissen nicht, wie lange das noch so gehen soll und wie es weitergeht mit dem Haus. Das ist eine sehr belastende Situation.“

Nicole Hollatz

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