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Wie viel Müll muss eigentlich sein?

Grevesmühlen Wie viel Müll muss eigentlich sein?

Ist es möglich, die Hausmülltonne zu ersetzen? – Ein Selbstversuch soll die Antwort bringen

Grevesmühlen. Die Verkäuferin in der Bäckerei gegenüber der Redaktion lächelt und nimmt den Warmhaltebecher entgegen. Ein Cappuccino zum Mitnehmen, wie jeden Morgen. Nur nicht im Pappbecher, der danach im Müll landet, sondern eben in der eigenen Tasse. Die muss hinterher abgewaschen werden, aber der Mülleimer bleibt erst einmal leer. Fast jedenfalls, denn das belegte Brötchen gibt es nicht so einfach in die Hand. Ein Stück Brotpapier muss sein, Hygienevorschriften. Aber der Anfang ist gemacht, eine Woche ohne Müll. Oder zumindest so wenig wie möglich, das ist das Ziel.

Zu unterbieten sind 8,6 Kilogramm. So viel wiegen die beiden Müllbeutel, die wir als vierköpfige Familie innerhalb einer Woche produziert haben. Plus Papier, Verpackungen, leere Flaschen und was sonst so anfällt in einer Wegwerfgesellschaft. Und das ist, so viel steht fest, eine ganze Menge. Vor allem dann, wenn man sich einen Zettel nimmt und alles aufschreibt, was man alles nicht verwerten kann, mag, will oder darf.

Der Buchladen war noch die einfachste Aufgabe. Quittung? Brauch’ ich nicht. Tüte? Natürlich nicht. Aber Katzenfutter? Geht auch, bei Tierärztin Gudrun Held gibt es das Futter aus dem großen Sack direkt in den Eimer. Ab auf die Waage, bezahlen, Quittung dankend ablehnen. Futter für den Stubentiger für vier Wochen ist gesichert.

Beim Fleischer um die Ecke wird es wahrscheinlich komplizierter. Aber einen Versuch ist es wert. Tupperdose unter den Arm und rein in den Laden in der Großen Seestraße in Grevesmühlen. „Tolles Projekt“, sagt die Verkäuferin hinter dem Tresen und lächelt. „Kein Problem, geben Sie die Dose her, das machen wir schon.“ Aber nicht nur, weil es jetzt für die Zeitung ist, oder? „Nein, es kommen schon ab und zu Kunden mit Sonderwünschen, kein Problem.“ Bis auf ein kleines Stück Brotpapier („Zwischen den Käse und die Wurst muss ich etwas legen.“) bleibt der Einkauf nahezu verpackungsfrei.

Statt mehrerer Tüten habe ich meine Tupperdose unter dem Arm und ein gutes Gefühl – und eine überaus freundliche Verkäuferin kennengelernt, die das Projekt „super“ findet.

Die frischen Erdbeeren von den Großeltern gibt es im Eimer, der geht am nächsten Tag zum Lieferanten zurück beziehungsweise wird abgeholt. Was nach dem Saubermachen der Früchte übrig bleibt, geht diese Woche nicht in den Mülleimer, sondern auf den Kompost. Dafür muss ich einmal durch den Garten laufen, was ich sonst aus Bequemlichkeit eher nicht mache. Kartoffelschalen und Apfelreste gehen denselben Weg.

Bislang ist noch nichts in den Mülleimer gewandert an diesem Tag. Doch das ändert sich, als meine Frau nach Hause kommt. Sie war einkaufen. Alufolie ohne Verpackung zu kaufen, erweist sich als unmöglich. Gleiches gilt für Backpapier und Frischhaltefolie. Ein Fall für die gelbe Tonne, immerhin bleibt der Mülleimer leer – bis ich den Kühlschrank aufräume. Was macht man mit abgelaufenem Joghurt? Den Inhalt auf den Kompost, die Verpackung in die gelbe Tonne. Das kostet Zeit, aber es muss sein.

Am nächsten Tag brauche ich einen Chip für meine Kamera, das Teil ist kaum größer als mein Daumennagel, die Verpackung allerdings hat Ausmaße eines Taschenbuches. Muss das sein? Leider ja, es gibt in ganz Grevesmühlen keinen Speicherchip ohne Verpackung. Ich könne sie im Laden lassen, sagen die Verkäufer. Aber das löst das Müllproblem nicht. Ich verschiebe den Kauf auf die Zeit nach dem Experiment.

Am nächsten Morgen beim Bäcker weiß die Verkäuferin schon, warum ich meinen Becher in der Hand halte. Was passiert eigentlich, wenn man mit seinem Teller in den Imbiss kommt? „Kein Problem“, sagt die Dame im Imbiss am Markt in Grevesmühlen. „Das machen schon welche, nicht sehr viele, aber wir machen das.“ Für kurze Strecken stülpen die Damen einfach einen zweiten Teller über das Essen, damit das Gericht warm bleibt. „Sonst würden wir Alufolie nehmen.“ Geht auch. Hauptsache keine Großverpackungen samt Tüte und Serviette. Nirgends gibt es gefühlt so viel Abfall wie nach dem Essen beim Imbiss.

Aber, auch das zeigt der Versuch, auch hier gibt es Lösungen. Man muss nur danach fragen.

So wie im Sportgeschäft von Denny Zepuntke in der Wismarschen Straße. Die auffälligen gelben Tüten mit dem Firmenlogo sind überall in der Stadt zu sehen, weil ziemlich praktisch. Aber an diesem Tag will ich die Isomatte ohne alles mitnehmen. „Abfall sparen, finde ich gut“, sagt die Verkäuferin und reicht den Einkauf über den Tresen.

Die Woche läuft gut. Überall, wo ich frage, gibt es Interesse an dem Projekt – und meistens auch eine Lösung. Aber dann ist Wochenende. Drei Tage Handballturnier mit 15 Männern. Am Ende stehen drei riesige blaue Müllsäcke zwischen den Zelten. Naja, kein würdiger Abschluss. Aber dafür bringt die Waage zu Hause das Erfolgserlebnis. Denn statt 8,6 Kilogramm Müll in der Vorwoche zeigt die Waage nun nicht einmal zwei Kilogramm Abfall für eine vierköpfige Familie an. 75 Prozent Müll gespart. Ich würde sagen: Projekt gelungen!

Michael Prochnow

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