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Grevesmühlen Festival-Wiese an Neonazi-Mitstreiter verpachtet
Mecklenburg Grevesmühlen Festival-Wiese an Neonazi-Mitstreiter verpachtet
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12:38 28.06.2018
Die zentrale Wiese in Jamel müssen die Pächter laut Vertrag für das Festival „Jamel rockt den Förster“ freihalten. Quelle: OZ
Gägelow/Jamel

Drei Flurstücke in Jamel sorgen derzeit für Aufregung hinter den Kulissen. Die Wiese, die der Gemeinde Gägelow gehört, hatte der Hauptausschuss Ende Februar einem Ehepaar zur Pacht überlassen. Auf unbefristete Zeit. Und mit einer Zusatzklausel: Die Wiese sei für das Festival „Jamel rockt den Förster“ freizuhalten. Dieses Festival des Ehepaars Lohmeyers ist inzwischen deutschlandweit bekannt. Seit Jahren wollen die Lohmeyers damit gegen rechts protestieren. Bekannt ist auch die Gemeinschaft um den mehrfach vorbestraften Neonazi Sven Krüger. An dessen Mitstreiter hat die Gemeinde die 3700 Quadratmeter für einen Pachtzins von 65 Euro pro Jahr nun seit Mitte Mai verpachtet. (Vertrag liegt der OZ vor).

Erst am vergangenen Sonnabend bot die Wiese dann Platz für Kinderhüpfburg und Kremserfahrt. Zur Sonnenwendfeier waren knapp 200 Neonazis unter anderem aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein nach Jamel gereist. Unter ihnen NPD-Kader wie Stefan Köster, Torgej Klingebiel, Michael Grewe. Deklariert als privates Kinderfest auf dem Krügerschen Grundstück, mit Fackelumzug, Brauchtumsfeuer und der bei Staatsempfängen verbotenen ersten Strophe des Deutschlandliedes – „. . . von der Maas bis an die Memel . . .“.

Polizei: Erschwert unseren Einsatz erheblich

„Die Verpachtung der zentralen Wiese erschwert uns den Polizeieinsatz erheblich“, sagte Wismars Polizeirevierleiter Andreas Walus am Sonnabendnachmittag. Die Polizei würde von der Veranstaltung weggedrängt und könne dort nicht mehr so präsent sein, wie es nötig wäre. Die Beamten hatten seit dem Vormittag die Anreisenden kontrolliert. Auch der Landkreis war als Ordnungsbehörde erstmals bei einer Neonazi-Veranstaltung in Jamel zugegen.

Dass die Wiese nun an Neonazis verpachtet worden ist, sei ein Unding, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Die Tatsache, dass im Pachtvertrag die Klausel zur Überlassung der Wiese an das Anti-Rechts-Festival festgehalten ist, zeige, dass den Ausschussmitgliedern die politische Dimension ihrer Entscheidung bewusst gewesen sei. Unter ihnen Simone Oldenburg, Vorsitzende der Linksfraktion im Schweriner Landtag, und Gägelows Bürgermeister Uwe Wandel.

Simone Oldenburg (Linke) enthielt sich bei Abstimmung

Sie könne sich an diesen Vorgang im Februar nicht mehr erinnern, sagte Oldenburg auf OZ-Nachfrage. Jamel stünde in so ziemlich jeder Sitzung der Gemeindevertretung auf der Tagesordnung. Sie habe sich in dieser Angelegenheit der Stimme enthalten. „Eine Enthaltung wird es bei mir nicht noch einmal geben.“ Zudem werde sie sich dafür einsetzen, den Pachtvertrag rückgängig zu machen. am Dienstagabend kommt der Hauptausschuss in nicht öffentlicher Sitzung zusammen. Bürgermeister Uwe Wandel wollte sich am Sonntag zunächst nicht dazu äußern. Am Montag sagte er am Telefon, bevor er nicht wisse, von wem die Informationen an die OZ gelangt seien, antworte er auf die Fragen nicht.

Das Verhältnis zwischen der Gemeindevertretung in Gägelow und den Lohmeyers ist seit einiger Zeit zerrüttet. Das Aktivisten-Paar hatte Oldenburg beispielsweise auf die Liste der Verdächtigen gehoben, nachdem kurz vor dem Festivalstart im Jahr 2015 die Scheune auf dem Grundstück der Lohmeyers abgebrannt war. Vor zwei Jahren forderten Lohmeyers die Gemeinde mithilfe des Regionalzentrums für Demokratie und Toleranz zudem dazu auf, kostenlos Infrastruktur für „Jamel rockt den Förster“ zur Verfügung zu stellen (die OZ berichtete).

OZ

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