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100 Stunden Arbeit fürs Top-Gesellenstück

Grevesmühlen/Rehna 100 Stunden Arbeit fürs Top-Gesellenstück

Tischlerlehrlinge präsentierten ihre für die Abschlussprüfung entworfenen Möbel im Berufsschulzentrum Nord des Landkreises in Wismar

Grevesmühlen/Rehna. Manja Klein zählt zu den Besten in der Region. Nach einer auf zwei Jahre verkürzten Lehrzeit hat die 36-Jährige aus Bad Kleinen als einer von zehn Tischlerlehrlingen im Berufsschulzentrum Nord ihr Gesellenstück abgeliefert: ein Funktionswandbord mit Aluschienen als Zierelementen und Beleuchtung.

 

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Manja Klein aus Bad Kleinen zählt zu den besten Tischlerlehrlingen der Region. Als Gesellenstück hat die 36-Jährige ein beleuchtetes Funktionswandbord mit beweglichen Fächern entwickelt.

Quelle: Sylvia Kartheuser
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Manja Klein hat einen super- tollen Abschluss erreicht. Und das als alleinerzie- hende Mutter.“ Jan Voß, Vorsitzender der Prüfungskommission

Quelle:
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Manja Klein aus Bad Kleinen zählt zu den besten Tischlerlehrlingen der Region. Als Gesellenstück hat die 36-Jährige ein beleuchtetes Funktionswandbord mit beweglichen Fächern entwickelt.

Quelle: Sylvia Kartheuser
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Manja Klein hat einen super- tollen Abschluss erreicht. Und das als alleinerzie- hende Mutter.“ Jan Voß, Vorsitzender der Prüfungskommission

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Für Manja Klein, eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern, ist das Tischlerhandwerk bereits die zweite Ausbildung. Gelernt hat sie ursprünglich den Beruf der technischen Zeichnerin. „Aber als ich nach sieben Jahren zu Haus bei meinem behinderten Sohn in den Beruf zurück wollte, habe ich gemerkt: Das ist es für mich nicht mehr“, erzählt sie. Ihr handwerkliches Geschick führte sie letztlich zur Tischlerei Eigenstetter nach Rehna, wo sie das Handwerk von Grund auf lernte.

„Ich finde es großartig, dass sich eine Mutter von drei Kindern an eine zweite Ausbildung traut – und so einen Abschluss hinlegt“, sagte Jan Voß, Berufsschullehrer und Vorsitzender der Prüfungskommission. Er blätterte im Zeugnis: „Manja Klein hat lauter Einsen und nur eine Zwei – in Englisch, für einen Tischler nicht unbedingt das wichtigste Fach.“ Durchgängig derart gute Noten zu haben, das sei schon etwas Besonderes.

Die Lehrlinge kämpften sich in der Theorie durch drei und in der Praxis durch zwei Prüfungen. Größte Bedeutung hat dabei das Gesellenstück. In 80 bis 120 Stunden müssen die Azubis eine Tischlerarbeit nach eigenem Entwurf herstellen. Alles liegt in ihren Händen, angefangen von der Idee, der die Prüfer zustimmen müssen, über Schnitt- und Aufrisszeichnung bis hin zum Bauen. Mehrere Lehrlinge dieses Jahrgangs haben sich für Tische entschieden: Couchtisch, Esstisch, Schreibtisch mit Unterschränken, es gab viele Varianten. Auch ein Bücherregal, ein Schrank und eine Tür wurden zu Gesellenstücken.

Das Funktionswandbord von Manja Klein zählte zu den aufwändigsten Möbelstücken.

„Ich habe mich anfangs schwer getan, ein Thema zu finden, weil ich an Möbeln ja alles habe“, berichtete die Tischlerin den Prüfern. Nur eines habe sie von Anfang an gewusst: es würde ein modernes Möbelstück werden und ein Möbel, das verschiedene Funktionen haben kann. „Da ich es für mich gebaut habe, wurde es ein Schminktisch“, sagte Manja Klein. Es könne aber genauso gut als Schreibtisch, Fernsehtisch oder Computertisch genutzt werden. Auffällig an dem aufklappbaren Eichenbord sind die beweglichen, zartgrünen, mit beleuchteten Alu- Leisten verzierten Außenteile, die neben einer Arbeitsplatte zwei Schubfächer rechts und links neben einem Spiegel freigeben.

Bis ins kleinste Detail erläuterte Manja Klein den Prüfern ihr Möbelstück. Diese gingen ganz nah heran, schauten, zogen an den Schubfächern, strichen über Kanten und nickten beifällig. Offensichtlich gefiel ihnen, was sie sahen. „Wie sind Sie mit der Zeit zurecht gekommen?“, wollte Jan Voß wissen. „Gut, das Bord hat mich zwar monatelang beschäftigt, doch die reine Fertigungszeit lag bei 90 bis 100 Stunden“, antwortete Manja Klein. Und sie weiß auch genau, was dieses Einzelstück kosten würde: 5000 Euro. „Aber es ist ja für mich“, sagte sie und lachte. Sie könnte sich jedoch durchaus vorstellen, dass so ein Funktionswandbord von einer Firma in Serie hergestellt würde. „Dann wird es natürlich etwas billiger.“

Ihr nächstes Ziel hat sich die Mutter von drei Kindern schon gesteckt: Sie möchte ihren Meister machen und dann am liebsten in der Denkmalpflege oder im Bereich Restaurierung arbeiten. „Aber erstmal genieße ich, dass ich abends zu Haus nicht mehr lernen muss“, sagt Manja Klein und lacht.

Das Berufsschulzentrum

Das Berufsschulzentrum Nord existiert seit 2004. Damals haben sich die Hansestadt Wismar und der Landkreis Nordwestmecklenburg auf eine gemeinsame Berufsschule geeinigt.

Mehr als 1600 Auszubildende aus mehr als 750 Betrieben der Region besuchen das Berufsschulzentrum Nord. Unterrichtet wird in den Bereichen Agrarberufe, gastronomische Berufe, Gesundheitsberufe, Kaufleute, Holzberufe, Friseure, Laboranten, Metallberufe und Berufsvorbereitung.

Das Berufsschulzentrum Nord bietet zudem die Möglichkeit, in den Bereichen Metalltechnik und Wirtschaft das Fachgymnasium oder die Fachoberschule zu besuchen. Außerdem ist es Höhere Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie und auch Berufsfachschule für Kranken- und Altenpflegehilfe.

Sylvia Kartheuser

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