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26 Betten für die Psychiatrie in Lida

Lida/Grevesmühlen 26 Betten für die Psychiatrie in Lida

Die Initiative Lidahilfe aus Grevesmühlen war mit drei Lastwagen und zwei Transportern in Weißrussland

Lida/Grevesmühlen. Der Geruch liegt schwer in der Luft, die Mischung aus Küchendunst und Desinfektionsmittel ist die ersten Sekunden nur schwer zu ertragen, das Dämmerlicht im Flur der psychiatrischen Klinik sorgt zusätzlich für eine bedrückende Atmosphäre. Doch der ärztliche Leiter der Klinik, die sich in einem Waldstück drei Kilometer außerhalb der 100

000 Einwohner zählenden Metropole Lida befindet, führt die Gäste aus Grevesmühlen immer weiter hinein in das Labyrinth aus Gängen und Abteilungen. Die Mitglieder der Lidahilfe sollen sehen, wie dringend die Einrichtung Unterstützung braucht.

416 Betten hat die Klinik, die ein meterhoher Zaun umgibt, 380 Mitarbeiter, die Hälfte davon Ärzte und Krankenschwestern, arbeiten dort. „Wir renovieren nach und nach die Gebäude“, sagt Sergej Schutschkewitsch, Mediziner und Chef der psychiatrischen Klinik. „Laut Gesetz dürfen wir nach der Renovierung nur neue Betten in die Zimmer stellen, das Problem ist nur, dass es davon nicht genug gibt.“ 26 Krankenhausbetten haben die Mitglieder der Lidahilfe aus Grevesmühlen jetzt nach Weißrussland gebracht. Sie sind eine Spende aus dem DRK-Krankenhaus in Teterow, gebraucht, aber in tadellosem Zustand. „Davon würden wir gern mehr nehmen“, sagt Sergej Schutschkewitsch. „Jederzeit.“

Norbert Koch und Ekkehard Giewald, die Leiter der Lidahilfe, können nichts versprechen. Dass die Klinik Hilfe braucht, steht außer Frage, die Bilder aus der Klinik waren eindeutig. Wie der ärztliche Leiter betont, ist die Einrichtung mehr als ausgelastet. „Alkohol und Drogen, vor allem Spice (eine synthetisch hergestellte Modedroge, Anm. d. Red.), sind ein Problem. Wir haben viele Patienten, die süchtig sind.“ Die 26 Betten werden dringend benötigt, die Hilfe ist ein Anfang einer möglichen Zusammenarbeit.

Deutlich länger gibt es die Kooperation zwischen dem Lidaer Kreiskrankenhaus, das für 150000 Menschen zuständig ist, und den Helfern aus Nordwestmecklenburg. Der Großteil der Teterower Krankenhausbetten, mehr als 60 Stück, sind in den vergangenen Monaten an die Klinik geliefert worden. Zusammen mit der gespendeten Inneneinrichtung der Ostseeklinik Boltenhagen, die im vergangenen Jahr nach Lida gebracht worden war, sind die Spenden inzwischen komplett eingebaut worden. Die Mitglieder der Lidahilfe konnten sich Ende April davon überzeugen, wo die Betten, Schränke, Tische, Stühle und Sessel gelandet sind.

„Schön zu sehen, dass unsere Hilfe auch da ankommt, wo sie hingehört“, so Norbert Koch, der mit seiner Firma, dem Fahrzeugservice Grevesmühlen, sämtliche Lastwagen zur Verfügung stellt und die Hilfe koordiniert. „Gerade die Betten und die Möbel für das Krankenhaus waren in den vergangenen Jahren eine riesige Herausforderung.“ Für die 64 Zimmereinrichtungen aus Boltenhagen stellte HW Leasing aus Wismar eine komplette Lagerhalle zur Verfügung, um die Sachen mehrere Monate aufzubewahren. „Ohne die vielen Helfer wären wir kaum in der Lage, seit 22 Jahren die Hilfsgüter nach Weißrussland zu fahren“, so Ekkehard Giewald. „Das funktioniert nur, wenn Firmen ihre Hilfe anbieten und viele Hände mit anpacken.“ So wie beim Verladen der Möbel für die Schule Nummer 4 in Lida. Weil die Schule mitten im Stadtgebiet liegt, konnte der Lastwagen mit Anhänger nicht an das Schulgebäude heranfahren. Dreimal mussten die kompletten Klassenzimmereinrichtungen und vier Dutzend Palmberg-Schränke umgeladen werden, damit sie in die Schule gelangten.

Mit angepackt hat dabei in diesem Jahr unter anderem die Grevesmühlener Schützenzunft. „Eine tolle Erfahrungen“, so der Vorsitzende Mathias Fett. „Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Arbeit hinter dieser Hilfe steckt. Man hört und liest davon, dass der Transport jedes Jahr zweimal nach Lida geht. Aber selber Möbel und Kleidersäcke zu schleppen, das ist schon etwas anderes.“

Allein 500 Säcke mit Kleidung hat das Lidaer Sozialamt in diesem Frühjahr erhalten, fast zehn Tonnen wog die Ladung. Für rund sechs Monate reicht die Spende, um die bedürftigen Familien mit Kleidung zu versorgen, erklärt die Leiterin der staatlichen Einrichtung. Seit mittlerweile 20 Jahren kommen die Kleiderspenden aus Grevesmühlen in Lida an. Ein fester Posten, der schon vielen Familien geholfen hat. Abgeladen hat die Säcke unter anderem Grevesmühlens Bauamtsleiter Lars Prahler, der sich bereits vor zwei Jahren für den Hilfstransport angemeldet hatte. „Ich wollte sehen, was unsere Leute in Weißrussland bewegen. Und ich muss ehrlich sagen, ich bin schwer beeindruckt von der Aktion, das hatte ich so nicht erwartet.“

Von Michael Prochnow

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