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Berufsfischer: Zwischen Zukunftsangst und Hoffnung

Wismar Berufsfischer: Zwischen Zukunftsangst und Hoffnung

Kaum Erträge und wenig optimistische Aussichten / Um überleben zu können, müssen Alternativen entwickelt werden / Maik Seemann und Martin Saager gründen einen Imbiss

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Ich hänge schon aus Familientradition an diesem, wenn auch derzeit schwierigen und harten Job.“ Martin Saager (38), Berufsfischer

Wismar. Fest vertäut dümpeln die Kutter an der Fischerpier des Alten Hafens. Das Wetter lässt es wieder nicht zu, dass die Wismarer Fischer mit ihren kleinen Booten in der Wismarbucht die Stellnetze ausbringen. „So geht das nun schon tagelang“, knurrt Martin Saager unzufrieden. Dass die Stimmung insgesamt wieder einmal auf dem Tiefpunkt ist, lässt sich beim jüngsten der noch verbliebenen drei letzten Wismarer Berufsfischer im Haupterwerb kaum verbergen. An Deck seiner „Seeadler“ spricht die Situation für sich.

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Kaum Erträge und wenig optimistische Aussichten / Um überleben zu können, müssen Alternativen entwickelt werden / Maik Seemann und Martin Saager gründen einen Imbiss

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Eine fast steril aufgeräumt Situation erweckt den Eindruck, als sei der 38-Jährige schon seit Wochen nicht mehr draußen gewesen. „Das stimmt zwar nicht, richtig ist aber, dass bei den letzten Fahrten die Fischkisten kaum noch voll wurden“, macht er keinen Hehl aus der derzeitig wenig ertragreichen Situation. Folglich stapeln sich die farbigen Behältnisse derzeit in Massen an der Kaikante am Ende des Alten Hafens. Selbst die sonst akzeptablen Flunderfänge bleiben in diesem Jahr aus. Da helfen selbst einige Aalfänge wenig. Unterm Strich rechnen sich Betriebskosten und Arbeitsaufwand derzeit überhaupt nicht.

Vom Dorsch, dem ertragreichsten Fisch, wird überhaupt nicht mehr gesprochen. Es sei denn, es geht um den Erhalt des Bestandes in der Ostsee: Das ist nach wie vor ein Dauer-Reizthema. „Nur weil der Fisch an unseren Fanggründen vorbeizieht, da er hier keine Nahrung findet, bedeutet dies nicht automatisch, dass es ihn wegen mutmaßlicher Überfischung nicht mehr gibt“, konstatiert Saager nüchtern.

Als Beweis führt er an, dass kürzlich vor Kühlungsborn ein Schleppnetzfischer aus tieferen und nahrungsreicheren Wasserschichten nach einer Stunde 200 Kisten mit dem Edelfisch füllen konnte. Fast jetzt schon nichts mehr in den Netzen und dann auch noch die Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung gegenüber der EU-Kommission anhören zu müssen, die Dorschquote 2017 auf 88 Prozent zu kürzen, das schürt ernste Zukunftsängste. Mehr noch: Die Berufsfischer der Region sehen sich damit in ihrem Beruf extrem existenzgefährdet.

Als Trostpflaster Prämien zum Verlustausgleich in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel für die Stilllegung von Kuttern, kann sich Martin Saager überhaupt nicht vorstellen. Dies würde einer Berufsaufgabe gleichkommen: „Ich hänge schon aus Familientradition an diesem, wenn auch derzeit schwierigen und harten Job und möchte weiterhin Fischer bleiben.“

Um überleben zu können und dabei trotzdem das Fischerhandwerk nicht aufgeben zu müssen, gilt es weitere Standbeine zu finden. Damit war offensichtlich ein Stichwort gegeben. „Lass uns mal zu unserer Fischerkoppel gehen“, so sein Vorschlag. Mit der Überraschung am Eingangsbereich der Fischerhütten nahmen auch Saagers Gesichtszüge freundlichere Formen an. Denn seit wenigen Tagen präsentiert sich dort ein adrett aufgeräumter und einladender Bereich zum Verweilen. Dort, wo Fischerkollege Maik Seemann gerade zwei neue Räucheröfen bestückt, haben Kunden jetzt Gelegenheit, an Bänken und Tischen zu einer Imbisspause Platz zu nehmen.

Würziger Dunst frischer Räucherwaren aus dem Meer lag dort zwar schon immer in der Luft, aber mehr auch nicht. Ein moderner Imbisswagen mit Verkaufstheke vervollständigt das Ensemble. Zudem erhielt ein historisches Fischerboot als Sitzgelegenheit eine neue Bestimmung. Gut zwei Monate hat das sogenannte M&M Berufsfischer-Team Martin Saager und Maik Seemann dort während der Fangpausen sinnvolle Arbeit – nahezu in Eigenregie – geleistet, um so etwa Zusätzliches zu schaffen. Die Idee dazu spukte schon länger in deren Köpfen herum. Ihr beider Argument: „Wir wollen damit zusätzliche soziale Sicherheit in der schwierigen und nachhaltig von Existenzangst begleiteten Situation als Berufsfischer schaffen.“

Zudem hat Martin Saager seinen Kutter unter behördlicher Aufsicht, wie bereits im Vorjahr, für verschiedene Urlauberfahrten in See präpariert. Zwei-Stunden-Törns plant er bei schönem Wetter vormittags für Fahrten mit Plauderei über seine Fischfang-Erlebnisse in der inneren Wismarbucht ein.

Ersatz für Fischerhütten

10. Juli 2001 , vor fast genau 15 Jahren, übergab Wismars damalige Bürgermeisterin Rosemarie Wilcken den damals noch sechs in der Genossenschaft organisierten Berufsfischern neue Fischerhütten mit carportähnlichen Anbauten zur Nutzung auf Pachtbasis. Zum eingezäunten und gepflasterten Areal der insgesamt acht aus Holz gefertigten Spitzdachhäuschen gehört auch ein als Sozialtrakt konzipiertes Funktionsgebäude mit Aufenthaltsmöglichkeiten und sanitären Einrichtungen. Bauträger war die Hansestadt. Die kleine Siedlung der Fischer war als notwendiger Ausgleich für die einstigen Lagerschuppen auf der damaligen Fischerkoppel geschaffen worden. Denn diese mussten damals aufgrund der Beräumung und Erschließung des Gewerbeparks weichen.

Hans-Joachim Zeigert

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