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Betten für die Psychiatrie und Rollstühle für den Behindertenverband

Lidahilfe aus Grevesmühlen – Seit 1993 gibt es die Hilfstransporte nach Weißrussland Betten für die Psychiatrie und Rollstühle für den Behindertenverband

15 Tonnen Hilfsgüter haben die Männer und Frauen aus Nordwestmecklenburg in diesem Herbst nach Lida in Weißrussland gebracht / Im Frühjahr startet der nächste Transport mit insgesamt drei Lastwagen

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Auf dem Basar in Lida wird alles verkauft, was sich verkaufen lässt. Vor allem Rentner bessern hier ihr Einkommen auf.

Grodno. Die Zahl spiegelt das Dilemma der weißrussischen Bevölkerung wider. 60 Senioren betreut Katharina im Lidaer Sozialamt in der Tagespflege, 58 Frauen und zwei Männer. Dass das Verhältnis so extrem ist, hat einen Grund: „Die Männer werden bei uns nunmal nicht so alt“, sagt die 35-Jährige und lächelt. Natürlich stimmen die Relationen nicht, aber tatsächlich besagt die Statistik, dass osteuropäische Männer eine deutlich geringere Lebenserwartung (59 Jahre) haben als die Frauen (68). „Wir betreuen hier vor allem Menschen mit Demenz, wir sorgen dafür, dass sie beschäftigt werden“, erklärt die Sozialpädagogin den Gästen aus Grevesmühlen. Die bringen pro Jahr eine Lkw-Ladung an Spenden hierher. Seit mittlerweile mehr als 20 Jahren wird das Sozialamt beliefert, überwiegend mit Kleidung, Möbeln, Betten und medizinischen Geräten.

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15 Tonnen Hilfsgüter haben die Männer und Frauen aus Nordwestmecklenburg in diesem Herbst nach Lida in Weißrussland gebracht / Im Frühjahr startet der nächste Transport mit insgesamt drei Lastwagen

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Neuer Rubel in Belarus

Seit dem 1. Juli gibt es eine komplett neue Währung in Weißrussland. Die Inflation hatte solche Ausmaße angenommen, dass der Kurs bei 1 : 22000 lag. Dabei waren seit Einführung des weißrussischen Rubels 1992 bereits vier Nullen gestrichen worden.

„Was wir im Frühjahr dringend brauchen, sind Kleidung für Kinder und Babys“, erklärt die Chefin des Sozialamtes. „Wir haben viele Familien mit kleinen Kindern, die Probleme haben. Die kommen hierher und die Kinder haben kaum etwas anzuziehen.“ Der Großteil der Kleiderspenden von insgesamt rund 250 Säcken, die die Lidahilfe jedes Frühjahr nach Weißrussland bringt, sind Kleidungsstücke für Erwachsene. „Das ist eine große Hilfe, die Sachen reichen für einige Monate, wenn wir sie verteilen. Aber Kindersachen wären wirklich gut, denn die sind auch bei uns sehr teuer.“ Norbert Koch, Leiter der Lidahilfe aus Grevesmühlen, notiert sich die Wünsche für den nächsten Transport. „Wir können natürlich nichts versprechen, aber wir werden sehen, was wir organisieren können“, betont der Unternehmer, der seit mehr als 15 Jahren unter anderem die Fahrzeuge für den Transport kostenlos zur Verfügung stellt.

Jüngstes Projekt des Lidaer Sozialamtes ist die Eröffnung einer Tagespflegestation für Senioren in einem Dorf nahe Lida. Dafür soll ein Gebäude umgebaut werden, das viele Jahre ein Kindergarten war.

Der wurde ebenso wie die Schule im Ort geschlossen. „Die jungen Familien ziehen in die Städte, zurück bleiben die Alten“, erklärt Katharina. „Um die müssen wir uns kümmern.“ Zusammen mit der Lidahilfe soll das Gebäude eingerichtet werden mit Möbeln, Küchengeräten, Sportgeräten. Danilo „Olly“ Kuhnert, Mitglied der Lidahilfe, hat bereits eine Wohnungseinrichtung eingelagert, die im Frühling nach Lida gebracht wird. Eröffnet werden soll die Tagespflege im Sommer. Katharina: „Es wäre wirklich schön, wenn das alles klappt.“

Wünsche gibt es auch beim Chefarzt der psychiatrischen Klinik außerhalb von Lida, die seit dem vergangenen Jahr beliefert wird. 26 Krankenhausbetten, die das DRK-Krankenhaus in Teterow gespendet hat, sind mittlerweile in dem 400 Betten großen Objekt ausgetauscht worden. Weitere 20 sind in diesem Herbst dazugekommen. „Wir selbst können mit unserem Budget etwa zehn Betten pro Quartal erneuern“, erklärt Sergej Schutschkewitsch, Neurologe und Chef des Komplexes mit mehr als 120 Angestellten. Seit anderthalb Jahren leitet der Mediziner die Klinik. „Ich bin Arzt, kein Geschäftsmann, deshalb ist es nicht einfach für mich, die Investitionen zu überblicken.“ Und davon sind eine ganze Reihe notwendig. Einige Häuser sind bereits frisch gestrichen, die Einrichtung auch dank der Hilfe aus Nordwestmecklenburg erneuert. Aber die Arbeit reicht noch für Jahre. Mit Möbeln von Palmberg, Schreibtischen von Dräger und Betten des DRK und der Pflegeeinrichtung Al Bayati aus Schlutup ist Sergej Schutschkewitsch ein ganzes Stück weiter gekommen als er vor einem Jahr geplant hatte. „Riesendank an die Menschen aus Grevesmühlen“, betont der Chefarzt. Zumal die medizinischen Probleme nicht gerade kleiner werden. „Das größte Problem derzeit sind die Menschen, die neben Drogen- oder Alkoholproblemen auch psychisch erkrankt sind.“ Sie müssten in einer eigenen Station behandelt werden, doch dafür fehlt derzeit der Platz und das Personal. „Aber auch dafür werden wir eine Lösung finden, wie immer.“

Eine Lastwagenladung mit Kleidung, Rollstühlen und Rollatoren hat in diesem Herbst auch der Behindertenverband der Stadt Lida erhalten. Die Frauen, die sich ehrenamtlich um Familien mit Behinderten kümmern, haben alle Hände voll zu tun, die verschiedenen Projekte von ihrem kleinen Büro im Stadtzentrum aus zu koordinieren. Im vergangenen Jahr hatten Norbert Koch und seine Mitstreiter eine neue Einrichtung für das Büro mitgebracht. Außer einem kleinen Tisch war davon allerdings nichts in dem Raum gelandet, der sich in einem Kellergeschoss befindet. „Wir hatten einige Familien, die dringend Tische und Stühle brauchten“, erklärt die Leiterin des Behindertenverbandes und zeigt die Fotos der Wohnungen. „Das war wichtiger als unser Büro.“

Termine: Die Kulturnacht in Grevesmühlen am 28. Oktober ist auch wieder ein Termin für die Lidahilfe. Die Männer und Frauen um Norbert Koch stehen wie gewohnt an der Ecke Wismarsche Straße/Markplatz. Am 3. Dezember ist die Lidahilfe beim vorweihnachtlichen Straßenfest auf dem Kirchplatz ebenfalls vertreten.

• www.facebook.com/lidahilfe

1500 Euro Strafe angedroht

Fehlerhafte Mautgeräte haben in den vergangenen zwei Jahren dazu geführt, dass die Mitglieder der Lidahilfe mehrere Hundert Euro an Geldstrafen an die weißrussische Mautbehörde aus eigener Tasche bezahlt haben. Ärgerlich ist das aus zwei Gründen: Hilfstransporte sind theoretisch von der Maut befreit, sämtliche Gebühren waren zudem nachweislich bezahlt worden. Beschwerden bei der Botschaft brachten kein Ergebnis. Dafür, so hieß es, sei allein die Mautbehörde zuständig. Auf eine Antwort der Behörde warten die Lidahelfer bis heute.

In diesem Jahr waren nicht die Mautgeräte in den Lastwagen Grund für eine Kontrolle der Behörde auf der Straße von Grodno nach Lida, sondern die Transportgenehmigung. Weil auf dem Dokument ein Kreuz an der falschen Stelle gesetzt worden war, forderten die Kontrolleure 1500 Euro. Der Dolmetscher der Lidahilfe, Andrej Bondatschuk, konnte die Behördenmitarbeiter schließlich davon überzeugen, dass das Dokument an der Grenze im Beisein eines Zöllners ausgefüllt und abgestempelt worden war, der Fehler demnach nicht bei der Lidahilfe lag.

Michael Prochnow

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