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Glücksbringer vom Dienst auf Spenden-Mission

Grevesmühlen Glücksbringer vom Dienst auf Spenden-Mission

Die Schornsteinfeger Hartmut Käker und Jörg Bolewski sammeln heute Geld für krebskranke Kinder / Ihr Beruf hat sich mit den Jahren gewandelt

Grevesmühlen. Wer kann schon von sich behaupten, dass er anderen Glück bringt? Nach dem Volksglauben auf jeden Fall Hartmut Käker und Jörg Bolewski. Sie arbeiten als Schornsteinfeger und sind quasi Glücksbringer vom Dienst.

 

OZ-Bild

Sammeln heute im Supermarkt Geld für krebskranke Kinder: die Schornsteinfeger Jörg Bolewski (43, l.) und Hartmut Käker (53) – hier mit Käkers Tochter Ellen (32).

Quelle: Jana Franke

Sie wollen auch eine Portion Glück? Dann haben Sie heute, am „Tag des Schornsteinfegers“, die Gelegenheit (zum Anfassen). Hartmut Käker und sein Geselle Sven Kruggel sowie Jörg Bolewski und sein Geselle Falk Rückert sind von 10 bis 12 Uhr im Marktkauf in Grevesmühlen – übrigens in der Nähe des Lottostandes. Wenn schon, denn schon. Der eigentliche Grund ihres Erscheinens ist aber eine Aktion, die der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks mit Sitz in Sankt Augustin ins Leben gerufen hat. Der „Tag des Schornsteinfegers“, den es seit 2010 gibt, wird immer mit einer wohltätigen Aktion verbunden. Die Glücksbringer – und somit auch das Grevesmühlener Quartett – sammeln bundesweit Geld für krebskranke Kinder in Deutschland.

Hartmut Käker ist bereits ein alter Hase im Schornsteinfeger-Geschäft. Seinen Kehrbezirk – Grevesmühlen und die Ortschaften ringsherum in Richtung Norden – hat der 53-Jährige bereits seit 26 Jahren.

Jörg Bolewski ist seit 2009 selbstständig und wie Hartmut Käker sogenannter bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger. Darauf hat der 43-Jährige elf Jahre gewartet. Nach Abschluss der Meisterausbildung landeten die Schornsteinfegermeister damals auf einer Rangliste, in der sie Stück für Stück nach oben rutschten, wenn ein bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger in Rente ging oder krankheitsbedingt aufhören musste. Der Erste der Liste übernahm dann den Bezirk des scheidenden Schornsteinfegers. Jörg Bolewski hatte das Glück, dass er zufälligerweise dann auf Platz eins der Liste war, als sein Chef Manfred Burow in Rente ging. Somit bekam er den Bezirk, der Grevesmühlen und die Ortschaften in südlicher Richtung beinhaltet, in dem er lange Jahre gearbeitet hat.

Seit sieben Jahren ist alles anders. Als Glücksbringer bekannt, brauchen die Schornsteinfeger alle sieben Jahre selbst eine Portion davon – nämlich dann, wenn ihr Schornsteinfegerbezirk vom Landkreis neu ausgeschrieben wird. Einher ging das mit der Novellierung des Schornsteinfegerwesens. „Europaweit wird der Bezirk alle sieben Jahre ausgeschrieben und wir müssen uns neu darauf bewerben“, erläutert Hartmut Käker. Alle sieben Jahre eine dicke Bewerbungsmappe mit Leistungsnachweisen, Nachweisen, dass die Angestellten Lehrgänge und Weiterbildungen besuchten, dass Tariflohn gezahlt wird und, und, und. Nach einem Punktesystem wird schließlich entschieden. Haben die Bewerber eine gleiche Punktzahl, entscheidet das Bewerbungsgespräch beim Landkreis. „Bekomme ich den Bezirk dann nicht, könnte ich im schlimmsten Fall in Hartz IV fallen – oder ich arbeite als freier Schornsteinfeger oder suche mir einen anderen Job“, verdeutlicht Hartmut Käker, der zumindest für die nächsten sechs Jahre einen sicheren Job hat. Jörg Bolewski hat in diesem Jahr die Ausschreibung gewonnen. Trotz dieses Umstandes hat das Duo, das sich keineswegs als Konkurrenten sieht, nie ans Aufgeben gedacht.

„Eigentlich wollte ich Tischler werden“, erzählt Jörg Bolewski. Eine Lehrstelle hatte er seinerzeit nicht gefunden. Seine Eltern rieten ihm, wie Eltern eben so sind, erst einmal etwas anderes zu lernen. Schornsteinfeger? Er? Sich dreckig machen? Bloß nicht! „Aber letztlich hat sich eine Liebe zum Beruf daraus entwickelt“, sagt er. Hartmut Käker wollte schon als Kind Schornsteinfeger werden.

Sein Elternhaus war eine Art Sammelstelle für die Glücksbringer. „Die haben bei uns immer Frühstück bekommen“, erinnert er sich. Dann durfte er auch mal mit – und er ist dabei geblieben. Damals in Bad Sülze und Marlow tätig, ist er seit 1990 in Hamberge zu Hause und in Grevesmühlen und Umgebung tätig. Ab und an hilft ihm seine Tochter Ellen im Büro. Steigt die Altenpflegerin für verschiedene Aktionen in die Schornsteinfegerkluft, ist die 32-Jährige natürlich für viele ein Hingucker. Auf dem Dach ist sie allerdings nicht unterwegs, die Kehrhexe trägt sie nur zur Deko.

Die Tätigkeit des Schornsteinfegers ist längst nicht mehr mit dem Aufgabengebiet von früher zu begreifen. „Auf das Jahr gerechnet kehren wir nur drei Monate“, erklärt Hartmut Käker. Den Hauptteil machen Messungen von Gas-, Öl- und Feststoffheizungen, die Prüfung von Lüftungsanlagen, Feuerstättenschauen und Gebäudeenergieberatungen aus.

Beide Schornsteinfeger bilden momentan nicht aus. Jörg Bolewski ermöglicht aber oft Praktika. In diesem Jahr sind in Mecklenburg-Vorpommern zwölf Schornsteinfeger-Azubis freigesprochen, zwölf neue sind in den Reigen aufgenommen worden. Interesse an dem Beruf ist also da.

Tag des Schornsteinfegers

Der Tag des Schornsteinfegers ist im Jahr 2010 ins Leben gerufen worden und wird immer Mitte Oktober begangen. Neben der Spendenaktion beraten und informieren bundesweit Schornsteinfeger an diesem Tag über ihren Beruf.

Schornsteinfeger sind als Glücksboten bekannt. Etwas Asche im Gesicht, ein Griff zum goldenen Knopf der Jacke oder das bloße Anfassen des Armes sollen demnach Glück bringen. Der Ursprung dieses Aberglaubens stammt aus dem Mittelalter. Damals fingen Häuser leichter und häufiger Feuer als heute. Der Schornsteinfeger, auch Kaminkehrer genannt, schützte durch seine Arbeit die heimischen vier Wände und brachte somit Glück ins Haus.

Jana Franke

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