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Nach einem Jahr: Recyclingfirma pleite

Grevesmühlen Nach einem Jahr: Recyclingfirma pleite

Die Firma Milltech, die sich im Grevesmühlener Gewerbegebiet angesiedelt hatte, produziert nicht mehr

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Mehrere hundert Säcke mit Kabelschrott lagern auf dem Firmengelände im Grevesmühlener Gewerbegebiet Nordwest.

Quelle: Fotos: Michael Prochnow

Grevesmühlen. Schluss, aus und vorbei: Eines der ersten Unternehmen, das sich im Grevesmühlener Gewerbegebiet Nordwest angesiedelt hatte, ist pleite. Die Firma Milltech hat nach OZ-Informationen Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen, das aus Kabelschrott wertvolles Kupfer gewinnen wollte, ist geschlossen. Sämtliche Versuche, Kontakt mit der Geschäftsführung aufzunehmen, sind gescheitert. Am Standort Grevesmühlen geht niemand ans Telefon. Chef Detlef Lenzen ist auch per Handy nicht zu erreichen.

 

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Detlef Lenzen, Geschäftsführer der Firma Milltech.

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Das Firmengelände, das Ende 2014 eröffnet worden war, ist inzwischen verlassen.

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Auf dem Firmengelände im Westen von Grevesmühlen liegen noch zahllose Säcke mit Kabelschrott. Was damit passieren soll, ist derzeit völlig unklar. Tatsache ist: Die Entsorgung des Kabelschrotts ist nicht billig. Und vermutlich ist das auch einer der Gründe, weshalb das Unternehmen, das nach eigenen Angaben rund 2,8 Millionen Euro (inklusive Fördermittel) am Standort Grevesmühlen investiert hat, den Betrieb einstellen musste.

Denn die Gewinnung von Kupfer aus den Kabelresten, aus denen die Kupferadern bereits entfernt waren, sollte nach einem seit langem bekannten Prinzip funktionieren – nämlich mechanisch. Detlef Lenzen hatte sich noch während der Bauphase lange gesträubt, das genaue Prinzip der Rohstoffgewinnung zu erläutern. Er begründete dies mit dem Schutz von Firmengeheimnissen. Heute steht fest: Das Prinzip funktionierte nicht.

Die Aufbereitung der Kabelreste ist zwar theoretisch und praktisch möglich, indem der Abfall geschreddert und dann separiert wird. Allerdings übersteigen die Entsorgungskosten den Gewinn – und das trotz der millionenschweren Förderung aus Schwerin. Wie das Wirtschaftsministerium mitteilte, war die Ansiedlung von Milltech mit 1,04 Millionen Euro unterstützt worden. Ein Sprecher des Schweriner Finanzministeriums teilte auf Anfrage mit, dass die Behörde bereits Rückzahlungsansprüche geltend gemacht habe. Detlef Lenzen soll die Fördermittel zurückzahlen. Eine entsprechende Forderung ist beim Insolvenzverwalter angemeldet worden.

Für die Stadt Grevesmühlen war die Ansiedlung von Milltech ein Riesengewinn, als 2014 klar wurde, dass mehrere Millionen Euro in den Standort investiert würden. Die Stadt hatte zuvor die neue Umgehungsstraße nur unter der Maßgabe bauen dürfen, dass das Gewerbegebiet Nordwest auch als solches genutzt würde. Im Zuge der Milltech-Investitionen kamen auch die Garnelenfarmen nach Grevesmühlen.

Inzwischen plant ein Getreideunternehmen den Umzug ins Gewerbegebiet – der Plan der Stadt geht auf. Bis eben auf jenen Kabelaufbereiter, der nach wenigen Monaten die Segel gestrichen hat.

Dabei war Milltech extra aus Hessen nach Nordwestmecklenburg umgezogen. Im hessischen Stadtallendorf, so Detlef Lenzen damals, habe er nicht mehr erweitern können. So sei er auf Empfehlung eines Bekannten auf Grevesmühlen gestoßen, die mögliche Förderung für die Ansiedlung gab schließlich den Ausschlag.

15 Mitarbeiter wollte Lenzen in Nordwestmecklenburg beschäftigen, hieß es zur Eröffnung im September 2014. Auch dieses Versprechen erfüllte sich nicht. Gerade einmal eine Handvoll Männer kümmerte sich um den Betrieb. 2000 Tonnen Kabelreste pro Monat sollten verarbeitet werden, das gewonnene Material an die Industrie geliefert werden. Das Problem: In der Nähe gibt es weder geeignete Abnehmer für das Metall noch für den Abfall. Alles muss transportiert werden.

Für Grevesmühlens stellvertretende Bürgermeisterin Kristine Lenschow ist die Nachricht über die Insolvenz ein herber Rückschlag bei der Entwicklung des Areals. „Wir werden als Stadt Grevesmühlen turnusmäßig über die Einleitung von Insolvenzverfahren durch das Amtsgericht benachrichtigt und prüfen derzeitig unsere offenen Forderungen gegen das Unternehmen, die wir zur Anmeldung bringen werden. Weitergehende Informationen zu den Gründen der Insolvenz und zum Ausmaß der finanziellen Auswirkungen liegen uns nicht vor. Wir bedauern, dass nach unserer Kenntnis mittlerweile auch der Betrieb vorübergehend eingestellt wurde, hoffen aber, dass zeitnah eine Zukunftslösung für den Betriebsstandort gefunden wird.“

Firmengeschichte

1951 gründet die Cablo GmbH – eine Tochtergesellschaft der Norddeutschen Affinerie AG (heute Aurubis AG) – eine eigenständige Niederlassung in Stadtallendorf (Hessen) mit einer Gesamtgewerbefläche von 40000 Quadratmetern mit dem Ziel der Rückgewinnung von Wertstoffen. Im Zuge einer Zentralisierungsmaßnahme wird der Standort Stadtallendorf 1998 an Klaus von Eichmann verkauft, die Gesellschaft firmiert nun als MillTech GmbH. Im Jahr 2003 wird die Firma MillTech GmbH von Michael Heraeus, Gesellschafter der Heraeus Holding, Hanau, übernommen. Die Vertriebs- und Beschaffungsaktivitäten in der Firma M. Heraeus-Capital-Management GmbH gebündelt. Für den Unternehmensbereich Stadtallendorf wird der Name MillTech GmbH & Co. genutzt. Im November 2004 übernimmt Detlef Lenzen die Geschäftsführung in Stadtallendorf. Durch ein Management-Buy-Out entsteht 2013 Lenzen-MillTech GmbH & Co. KG. Der Umzug nach Grevesmühlen erfolgte im Dezember 2014.

Michael Prochnow

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