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Nahverkehr: Will der Landkreis die Busbetriebe abservieren?

Wismar Nahverkehr: Will der Landkreis die Busbetriebe abservieren?

Der Geschäftsführer Dieter Post beklagt, dass sein Wismarer Unternehmen bisher nicht am neuen regionalen Plan beteiligt wurde.

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Seit 23 Jahren ist Dieter Post Geschäftsführer der Wismarer Busbetriebe (BBW). Vom ÖPNV-Konzept erfuhr er aus der Presse.

Quelle: Ina Schwarz

Wismar. Dieter Post ist sauer. Der Geschäftsführer der Wismarer Busbetriebe erfährt aus der Presse, dass die Verwaltung des Landkreises ein neues Konzept für den regionalen Nahverkehrsplan Westmecklenburg erarbeitet hat (die OZ berichtete). 2016 soll es in Kraft treten. Zuvor muss der 200-Seiten-Entwurf durch die Abstimmung. „Man macht Zukunftspläne ohne die Beteiligten“, lautet Posts Vorwurf.

Viele seiner 91 Mitarbeiter in Kritzow sind verunsichert. „Ich kann meinen Leuten die Frage nicht beantworten, warum wir bei der Erarbeitung der neuen Pläne komplett ausgegrenzt wurden“, so Post. An dem Papier wurde zwei Jahre gearbeitet. Dieter Posts Leute fahren jährlich über 2,3 Millionen Fahrplankilometer für den Landkreis. „Da erwarten ich und meine Mitarbeiter, dass wir gesehen und beteiligt werden.“

Schon einmal haben die Busbetriebe mit Umstrukturierungen schlechte Erfahrungen gemacht. „Bei der Übergabe der Linie 242 an den Eigenbetrieb des Landkreises war seinerzeit vereinbart, dass zehn Mitarbeiter übernommen werden“, erzählt Post. Es kam anders. „Meine Leute wurden entlassen — später neue Fahrer über eine Personalleasinggesellschaft eingestellt.“

„Mein Gefühl ist — die privaten Anbieter sollen weg“, bringt der Unternehmer Fakten und Intuition zusammen. Anders kann der Geschäftsführer sich nicht erklären, dass seine schriftlichen Anfragen an die Verwaltung aus den Jahren 2012 und 2013 bisher unbeantwortet blieben. Die Gesetzeslage sei dabei eindeutig. „Der Bund regelt im Personenbeförderungsgesetz die frühzeitige Beteiligung vorhandener Unternehmer ganz klar“, so Dieter Post, der außerdem Vorsitzender des Landesfachausschusses des ÖPNV ist.

„Hirngespinste“, nennt er die Voraussagen von Stefan Lösel, dem Leiter des Eigenbetriebes Nahverkehr Nordwestmecklenburg. Der will mit dem neuen Konzept eine Verdreifachung der Fahrgäste im Regionalverkehr erreichen. Durch mehr Kilometer, Busse und Fahrer. Investitionen in diesem Bereich sollen die Erlöse um Millionen erhöhen. „Absurd“, sagt Dieter Post. „Die Einwohnerzahlen im Land sinken. Wo bitte sollen plötzlich so viel mehr Fahrgäste herkommen?“, fragt der Unternehmer. Seiner Meinung nach basiert das gesamte Konzept auf unhaltbaren Annahmen und Fantasien.

Post warnt: „Die Abgeordneten sollen hier offenbar pauschal etwas abzeichnen, was die nächsten zehn Jahre heftige Konsequenzen haben kann. Dieses Konzept ist wie ein Freibrief. Der Landkreis muss es dann ausbaden.“ Dieter Post wundert sich weiter: „Dass Herr Lösel als Leiter des Eigenbetriebes zugleich Aufgabenträger ist, alle öffentlichen Mittel dazu verwaltet, an sich selbst ausgibt und sich selbst kontrolliert, ist sowieso ein Novum in der Geschichte — einmalig in Mecklenburg-Vorpommern.“

Hintergrund: Lösel ist nicht nur Leiter des Eigenbetriebes, sondern auch Geschäftsführer der Grevesmühlener Busbetriebe. Die Gesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter des Kreises.

Vorschlag von Post: „Wir regen an, dass sich die potenziellen Landratskandidaten und Abgeordneten den ÖPNV sehr genau angucken. Und wir wollen, dass alle, die hier Leistungen erbringen, gleichberechtigt behandelt werden.“

Am Telefon verweigert Stefan Lösel gestern eine Antwort. „Die Kritik von Herrn Post ist nicht nachvollziehbar“, reagiert er später schriftlich. Über die Pressestelle lässt er ausrichten: „Die gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung ist gerade eingeleitet worden. Frühzeitig, da ein Beschluss des Kreistages erst im Herbst vorgesehen ist.“

 



Ina Schwarz

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