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So einfach geht’s: 300 Euro investiert und 3000 Euro Stromkosten gespart

Grevesmühlen So einfach geht’s: 300 Euro investiert und 3000 Euro Stromkosten gespart

In der Grevesmühlener Mehrzweckhalle schaltet sich das Licht automatisch ab / Die Idee hatte der Hallenwart

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Insgesamt 58 Leuchten sind an der Hallendecke montiert, sie schalten sich automatisch aus.

Grevesmühlen. 2,70 Euro pro Stunde kostet es, wenn die 58 Leuchtstofflampen in der Mehrzweckhalle am Ploggenseering in Grevesmühlen in Betrieb sind. Das klingt nicht nach sonderlich viel, aber wenn die Rechnung über zwölf Monate geht, dann kommen Stromkosten für die Halle, die vor allem von den umliegenden Schulen und den Sportvereinen genutzt wird, in fünfstelliger Höhe zusammen.

OZ-Bild

In der Grevesmühlener Mehrzweckhalle schaltet sich das Licht automatisch ab / Die Idee hatte der Hallenwart

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Hallenwart Andreas Esser, ein Hobbytüftler, hat sich Gedanken gemacht, wie man Geld einsparen kann. Im April vergangenen Jahres hat er eine Anlage installiert, deren Bauteile rund 300 Euro gekostet haben. Seit anderthalb Jahren läuft sie, die Materialkosten hatte Esser bereits nach anderthalb Monaten wieder eingespielt. Denn pro Monat spart das System rund 1000 Kilowattstunden, bei 27 Cent pro Kilowattstunde (kwh) sind das immerhin 270 Euro im Monat, die die Stadt weniger an Betriebskosten aufbringen muss. „Die Anlage läuft ohne Probleme“, sagt Andreas Esser rückblickend auf die 15 Monate, die seine Anlage in Betrieb ist. Das Prinzip ist denkbar einfach: In der Halle sind Mikrofone installiert. Registrieren sie nach sechs Minuten kein Geräusch, wird die Hallenbeleuchtung komplett abgeschaltet.

„Das habe ich gemacht, weil immer wieder Sportlehrer oder die Leute aus den Vereinen vergessen haben, das Licht auszuschalten“, erklärt der Tüftler. „Dann brannte schon mal eine Stunde das Licht, obwohl niemand in der Halle war.“

Diese Zeiten sind seit Mai 2015 vorbei. Andreas Esser hat den Stromverbrauch der Halle in einer Tabelle aufgelistet, er liegt deutlich unter dem Schnitt der vergangenen Jahre. Aufs Jahr gerechnet sind das etwa 3000 Euro Stromkosten, die die Stadt Grevesmühlen als Eigentümer der Immobilie nicht zahlen muss. Nachts wird die Anlage übrigens abgeschaltet. „Damit die Reinigungskräfte nicht plötzlich im Dunkeln stehen.“

Nun stellt sich die Frage: Wo wurde diese Anlage inzwischen noch installiert? „Es gab nur eine Anfrage aus Gnoien, aber die haben sich auch nur einmal gemeldet“, sagt Andreas Esser. Ansonsten ist das System in der Ploggenseehalle zwar erfolgreich angelaufen, aber nach wie vor exklusiv. Oder?

Nicht ganz, wie eine Umfrage ergab. Die neu gebaute Sporthalle des Berufsschulzentrums in Wismar hat eine ähnliche Anlage. Wie Kreissprecherin Petra Rappen erläutert, „wird dort die Beleuchtung nach einer bestimmten Zeit ebenfalls abgeschaltet.“ In den bestehenden Gebäuden allerdings wurde bisher noch nichts dergleichen nachgerüstet.

Rund 332000 Euro gibt der Landkreis pro Jahr an Energiekosten für die eigenen Immobilien aus, dazu gehören die Gymnasien ebenso wie Sporthallen, die Malzfabrik und das Verwaltungsgebäude in Wismar. Allein 42000 Euro kostet die Fernwärme pro Jahr für die Versorgung der Malzfabrik und des Verwaltungssitzes in Wismar.

Um Energie zu sparen, sind in einem Großteil der Gebäude Bewegungsmelder auf den Fluren installiert, die das Licht an- und ausschalten, wenn jemand den Bereich betritt. Im Wismarer Verwaltungssitz der Kreisverwaltung wurden die energiesparenden LED-Lampen installiert. Das Gymnasium in Grevesmühlen wird mit einer Pelletheizung beheizt. Warmwasser wird über eine Anlage auf dem Dach erzeugt. Das Problem: Die Anlage produziert ausgerechnet dann am meisten heißes Wasser durch die Sonnenstrahlung, wenn keine Schüler dort sind: Nachmittags und in den Sommermonaten.

Im Schönberger Ernst-Barlach-Gymnasium sind nach Auskunft des Landkreises Bewegungsmelder in den Fluren, der Aula und den Fachräumen installiert worden, um Strom zu sparen. Im Gymnasium Neukloster sind immerhin die Toiletten und die Flure mit den automatischen Schaltern ausgerüstet worden. Im Jahr 2015 hat der Landkreis EU-weit die Energieversorgung der eigenen Gebäude ausgeschrieben. Für drei Jahre gelten die neuen Verträge.

Das Prinzip der Stromabschaltung

In der Sporthalle sind mehrere Mikrofone untergebracht, die die Geräusche registrieren. Wenn es länger als sechs Minuten keinen Impuls gibt, wird die Lichtanlage abgeschaltet. Sie muss dann manuell wieder eingeschaltet werden, was über den Lichtschalter am Eingang geschieht.

Bewegungsmelder als Signalgeber haben sich nach der Erfahrung von Andreas Esser in der Sporthalle nicht bewährt, da sie nur einen begrenzten Bereich abdecken und auf Licht und Schatten reagieren. Die Mikrofone haben eine deutlich bessere Auslastung, was die Registrierung von Aktivitäten in der Halle betrifft.

Geändert hat Andreas Esser die Abschaltung, die jetzt über einen Dimmer läuft. Nach sechs Minuten wird das Licht nicht abrupt abgeschaltet, sondern langsam heruntergedimmt. Mit einem kleinen Geräusch kann der Abschaltvorgang gestoppt werden.

Bitte nachmachen!

Kleine Ursache, große Wirkung. So lässt sich das Ergebnis der Energiesparanlage von Andreas Esser in der Mehrzweckhalle am Ploggenseering in Grevesmühlen kurz zusammenfassen. 3000 Euro pro Jahr weniger an Stromkosten, die die Stadt zahlen muss, sind eine Menge Geld.

Wenn man bedenkt, wie der Sozialausschuss um die Zuschüsse für Vereine und Verbände feilscht, wenn es darum geht, die wenigen Fördermittel zu verteilen, dann werden 3000 Euro im Jahr zu einer gewaltigen Summe.

Stellt sich die Frage: Warum wird nicht auch an anderer Stelle gespart? Natürlich ist die Abschaltung der Leuchten per Mikrofon nicht in allen Gebäuden möglich, aber es gibt genügend Sporthallen, in denen das System 1:1 übernommen werden könnte. Nur passiert das leider nicht.

Deshalb: Nachahmen ist hier nicht nur wünschenswert, sondern dringend notwendig!

Michael Prochnow

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