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Wirtschaft Solarmodule: Diebe werden mit künstlicher DNA aufgespürt
Mecklenburg Grevesmühlen Wirtschaft Solarmodule: Diebe werden mit künstlicher DNA aufgespürt
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00:00 31.08.2013
Steinhausen

Schier endlos scheinen die Reihen der Solarmodule. Ameisengleich laufen mehrere Männer unter den glänzenden Paneelen hin und her. Jeder hat eine Sprühflasche in der Hand. An jedem Modul wird gestoppt, ein Sprühstoß und weiter geht‘s zum nächsten der insgesamt weit über 14 000 auf diesem Feld bei Warin. Die Sprühdosen enthalten das Modernste, was derzeit an Sicherheitstechnik auf dem Markt ist: Flüssigkeit mit künstlicher DNA, hergestellt im Labor.

„Unser Ziel ist es, Solaranlagen und andere Wertgegenstände für Diebe unattraktiv zu machen, weil diese durch die DNA leicht zu identifizieren, aber nur noch schwer zu verkaufen sind“, sagt Axel René

Matz (40), Geschäftsführer von Spectrum Distribution. Das Unternehmen aus Calau am Spreewald hat die Anlagen in Warin und Neuburg-Steinhausen ausgestattet.

Zu sehen ist auf den besprühten Flächen nichts. Jedenfalls nicht mit bloßem Auge. Doch unter UV-Licht leuchtet die Fläche bläulich und unter einem elektronischen Handmikroskop, kaum größer als ein Handy, ist der Code sofort ablesbar. Es ist eine Kombination aus Ziffern und Buchstaben.

Jede Reihe der Solaranlagen bekommt eine eigene DNA. Die Codes sind einzigartig wie Fingerabdrücke. „Entdeckt die Polizei eine vermeintlich gestohlene Anlage, kann sie in der Datenbank nachfragen, zu welchem Eigentümer der Code gehört — ähnlich wie bei codierten Fahrrädern“, erklärt Matz.

Die große Anlage in Warin und die etwa halb so große in Neuburg-Steinhausen sind die ersten Solaranlagen in Mecklenburg-Vorpommern mit künstlicher DNA als Diebstahlssicherung. Durch einen Zeitungsbericht sei man auf diese Technik aufmerksam geworden, erklärt Harald Eder (35), Geschäftsführer der FinRo Finanzberatung, die den Betreiber, die Solargesellschaft Warin, betreut. „Wir haben länger überlegt, welches Sicherheitssystem wir am besten verwenden, denn die Täter haben bis jetzt noch jedes geknackt.“ Mit der werden nicht nur die einzelnen Module, sondern auch die Zaunfelder rings um die Anlagen versehen. Schilder in verschiedenen Sprachen weisen auf die besondere Sicherung hin.

Und was kostet das Ganze? „Etwa 12 000 Euro — das ist umgerechnet weniger als einen Euro pro Modul. Das sollte einem die Sicherheit doch wert sein“, sagt Harald Eder. Axel René Matz steht daneben und erklärt: „So große Anlagen und Summen sind aber die Ausnahme.“ Die Technik eigne sich durchaus auch für Wertsachen im eigenen Haushalt. „Die Hansestadt Bremen, übrigens die Stadt, die die Technik aus Holland importiert hat, ließ 2009 zum Test mehr als 6000 Haushalte in verschiedenen Stadtteilen mit künstlicher DNA ausrüsten. Die Einbrüche sind auf ein Viertel gesunken“, berichtet Matz. So ein Haushaltskit würde es ab 75 Euro geben.

Auch aus Brandenburg gibt es mittlerweile Erkenntnisse. Neben Solaranlagen sind Baumaschinen und teure landwirtschaftliche Technik beliebte Ziele von Dieben. „Wir haben dort bis jetzt mehr als 3000 Land- und Baumaschinen ausgerüstet — und die Diebstahlsrate ist um mehr als 60 Prozent gesunken, hat uns die Polizei versichert“, so Axel René Matz.

Ein weiterer Pluspunkt für die künstliche DNA ist, dass sie viele Jahrzehnte haltbar ist. Außerdem lässt sich diese Sicherung durch kein wie auch immer geartetes Lösungsmittel entfernen. Axel René

Matz bestätigt: „Das wäre ausschließlich mit roher Gewalt möglich, zum Beispiel mit einer Flex. Aber dann wäre das Objekt der Begierde zumindest beschädigt.“

Sylvia Kartheuser

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