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Streik vor der Ostsee-Molkerei: Beschäftigte fordern mehr Lohn

Wismar Streik vor der Ostsee-Molkerei: Beschäftigte fordern mehr Lohn

Laut Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten verdienen Mitarbeiter in Wismar 290 Euro weniger als Kollegen in Aurich / Geschäftsleitung will Bedingungen angleichen

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Maik Schwaß (l.) von der IG Metall Lübeck-Wismar unterstützte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ostsee-Molkerei in Wismar. Die Beschäftigten hatten sich weiße und gelbe Westen angezogen und auf einen Gehweg an der Rostocker Straße gestellt. Fotos (5): Norbert Wiaterek

Wismar. Gellendes Pfeifkonzert für mehr Lohn: Mit lauten Trillerpfeifen machten gestern knapp 60 Beschäftigte der Ostsee-Molkerei in Wismar, die zum Familienunternehmen Rücker gehört, ihrem Unmut Luft. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten sich am Nachmittag weiße und gelbe Westen mit der Aufschrift „Heute Warnstreik!“ übergestülpt, schwenkten weiße Fahnen und forderten eine Tarifangleichung. Zunächst demonstrierten die Frauen und Männer aus mehreren Produktionsbereichen vor der Werkszufahrt. Später stellten sie sich an der Rostocker Straße auf.

 

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Weniger Geld in der Tasche heißt weniger Motivation. Und das sorgt auch nicht für gute Fach- kräfte.“Christiane Walter (59), Gewerkschaft

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Warum sollen wir weniger ver- dienen als die Kollegen im Westen? Es ist längst Zeit für eine Lohnan- gleichung.“Torsten Klug (34), Ostsee-Molkerei

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Die Angleichung der Löhne ist überfällig. Wir sind bereit, über An- gleichungsschritte zu reden. Aber auf Augenhöhe!“Jörg Dahms (50), Gewerkschaft NGG

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Ich streike, weil es unge- recht ist, dass die Kollegen in Aurich mehr Geld be- kommen als wir. Wir machen doch die gleiche Arbeit.“Angela Gädke (50), Ostsee-Molkerei

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Die Angleichung der Löhne ist überfällig. Wir sind bereit, über An- gleichungsschritte zu reden. Aber auf Augenhöhe!“Jörg Dahms (50), Gewerkschaft NGG

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Warum sollen wir weniger ver- dienen als die Kollegen im Westen? Es ist längst Zeit für eine Lohnan- gleichung.“Torsten Klug (34), Ostsee-Molkerei

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Weniger Geld in der Tasche heißt weniger Motivation. Und das sorgt auch nicht für gute Fach- kräfte.“Christiane Walter (59), Gewerkschaft

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Ich streike, weil es unge- recht ist, dass die Kollegen in Aurich mehr Geld be- kommen als wir. Wir machen doch die gleiche Arbeit.“Angela Gädke (50), Ostsee-Molkerei

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„Ich streike, weil es ungerecht ist, dass die Kollegen am Stammsitz in Aurich mehr Geld bekommen als wir. Wir machen doch die gleiche Arbeit. Und auch innerbetrieblich gibt es gravierende Lohnunterschiede“, kritisierte Angela Gädke (50) aus dem Käse-Reifekeller der Molkerei. „Genaue Zahlen kenne ich nicht. Aber es geht wohl um fast 300 Euro“, meinte Käserei-Mitarbeiter Torsten Klug (34). Es sei längst Zeit für eine Lohnangleichung. „Die Chefs wollen in Wismar keinen Tarifvertrag zulassen, was in Aurich selbstverständlich ist. Wir fühlen uns wie Mitarbeiter zweiter Klasse“, klagte ein weiterer junger Kollege.

Zum zweistündigen Warnstreik, dem ersten der Ostsee-Molkerei-Mitarbeiter, hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufgerufen. Das NGG- Logo prangte auf den Westen und den Fahnen. In der Molkerei gab es nach Aussage von Streikenden eine Notbesetzung, auch mit Leiharbeitern.

„So lange Zeit nach der Wende muss es keine Ostlöhne mehr geben“, meinte Jörg Dahms (50). Der NGG-Geschäftsführer für die Region Mecklenburg-Vorpommern freute sich über die gute Beteiligung am Warnstreik. „Die Angleichung der Löhne ist überfällig.“ Die Gewerkschaft sei bereit, über Angleichungsschritte zu reden. „Aber auf Augenhöhe! Doch stattdessen koppelt die Konzernleitung eine Lohnerhöhung an einen Überschuss von fünf Millionen Euro. Erst dann wollen die Chefs zahlen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Das ist doch Käse und zeigt, dass man nicht verhandeln will.“

Gewerkschaftssekretärin Christiane Walter sprach von einer „Hinhaltetaktik“. Die Firmenleitung habe mehrere Gespräche verschoben. „Nun war es Zeit für einen Weckruf. Wir erwarten bei der nächsten Lohnverhandlung am 7. Juni ein vernünftiges Angebot. Wenn das nicht vorliegt, müssen wir wieder raus auf die Straße.“ Wie Christiane Walter betonte, verdienen die Rücker-Beschäftigten in Wismar im Schnitt 290 Euro weniger als ihre Kollegen am Firmensitz in Niedersachsen und 200 Euro weniger, als im Tarif Ost vereinbart ist. „Weniger Geld in der Tasche bedeutet weniger Motivation. Und das sorgt auch nicht für gute Fachkräfte.“

Rückendeckung bekamen die Streikenden von Maik Schwaß von der IG Metall Lübeck-Wismar. „Es muss endlich Schluss sein mit den Lohnunterschieden zwischen Ost und West. Höhere Löhne machen die Firma nicht kaputt.“ Die Milchquote könne nicht als Ausrede dienen. „Wer in dieser Branche agiert, weiß, dass die Milchpreise hoch und runter gehen. Das kalkuliert man mit ein.“

„Wir befinden uns in Verhandlungen mit der NGG und stehen zu unserem Versprechen, die Bedingungen anzugleichen“, sagte gestern Insa Rücker, Sprecherin der Geschäftsleitung, gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. Einen weiteren Verhandlungstermin werde es Anfang Juni geben.

Norbert Wiaterek

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