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Turbo-Internet ab 2017 auch in Nordwestmecklenburg

Grevesmühlen Turbo-Internet ab 2017 auch in Nordwestmecklenburg

Mehr als 143 Millionen Euro sollen in den Ausbau der Internetleitungen in der Region fließen / Wofür wird das Geld verwendet? / Wie schnell geht das überhaupt?

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Glasfaserkabel vor einem Mehrfamilienhaus. Ab Herbst 2016 werden solche Kabel auch in Nordwestmecklenburg verlegt.

Quelle: Julian Stratenschulte

Grevesmühlen. Die ersten Glasfaserkabel für superschnelles Internet auf dem Land werden schon bald in einigen Gemeinden Nordwestmecklenburgs verlegt. Mit 41,4 Millionen Euro fördert der Bund bereits drei Pilotprojekte in den Ämtern Lützow-Lübstorf, Rehna und Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen, wie aus einer Mitteilung des Landkreises hervorgeht. Ab Herbst sollen dort auch die Arbeiten für den Breitband-Ausbau beginnen. Spätestens im Jahr 2018 werden in den Dörfern Downloadraten von bis zu 50 Mbit/s (Megabit pro Sekunde) zur Verfügung stehen. Damit kann man ungefähr zehn Musiktitel in zehn Sekunden aus dem Internet herunterladen.

„Wir machen einen großen Schritt auf dem Weg für das Turbo-Internet für alle“, sagte der für digitale Infrastruktur zuständige Minister Alexander Dorlinde (CSU) anlässlich der Vergabe der ersten 55 Förderbescheide. Kommunen und Landkreise sollen durch ein spezielles Bundesprogramm mit bis zu 15 Millionen Euro für jedes Netzausbauprojekt unterstützt werden.

Landrätin Kerstin Weiss (SPD) hat nun bereits elf weitere Anträge für die Förderung der Breitband-Infrastruktur des Nordwestkreises auf den Weg gebracht. Es handelt sich um eine Fördersumme von insgesamt 102 Millionen Euro. Hoffnung auf schnelles Internet können sich nun unter anderem die Gemeinden Insel Poel, Amtsbereich Neuburg, Grevesmühlen mit Upahl, Schönberg, Selmsdorf sowie Gadebusch machen. Dort kann ab dem Frühjahr 2017 mit dem Ausbau der Breitband-Infrastruktur gerechnet werden, wie der EU-Beauftragte Erich Reppenhagen, der vorübergehend zusätzlich die Aufgabe der Breitband-Koordination im Kreis übernommen hatte, der OSTSEE-ZEITUNG sagte. „Das ist wirklich eine ausgesprochen gute Nachricht für unsere dort lebenden Menschen“, sagt Kerstin Weiss. „Es bedeutet, dass alle bisher noch unterversorgten ländlichen Gebiete in Nordwestmecklenburg flächendeckend in der Beantragung sind.“ Derzeit werden die Ausschreibungen für die drei Pilotgemeinden vorbereitet.

„Diesen Sommer wird ausgeschrieben“, sagt Erich Reppenhagen. „Neben der Telekom gibt es weitere Infrastrukturbetreiber wie zum Beispiel Vodafone. Für unsere Einwohner versuchen wir die bestmöglichen Technologien für den günstigsten Preis zu bekommen. Wir sind selbst gespannt, was uns angeboten wird.“

Hauptsächlich handelt es sich um einen festnetzbasierten Breitband-Ausbau mit sogenannten Breitbandkabeln, die in der Erde verlegt werden. „In einigen Bereichen müssen auch Streulagen berücksichtigt werden“, sagt Erich Reppenhagen. „Dort könnten zusätzlich auch Richtfunk oder LTE (Long Term Evolution, Mobilfunkstandard für schnelles, kabelloses Internet), eingesetzt werden. „Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass sich kein Anbieter auf die Ausschreibungen meldet“, so Reppenhagen.

Doch durch das Förderprogramm des Bundes stehen die Chancen gut. Denn durch die Millionen-Zuschüsse wird auch der Breitband-Ausbau im ländlichen Raum attraktiv. „Als Unternehmen unterliegen wir den Bedingungen der Wirtschaftlichkeit und müssen gucken, durch welche Maßnahmen wir die meisten Kunden am besten erreichen“, sagt Georg von Wagner, Zentraler Ansprechpartner der Deutschen Telekom für Mecklenburg-Vorpommern. „Als Infrastrukturanbieter können wir auch die neuesten Technologien anbieten, diese müssen aber auch Sinn machen.“ Dabei gebe es gerade in Regionen wie Nordwestmecklenburg spezielle Anforderungen an die Infrastrukturanbieter. „Mit der Insel Poel oder dem Seebad Boltenhagen gibt es stark touristisch geprägte Bereiche“, sagt Georg von Wagner. „Während es dort im Winterhalbjahr nur wenige Einwohner gibt, erhöht sich die Anzahl der Nutzer in der Saison massiv.“ Dafür müssten gute Lösungen gefunden werden. Für Grevesmühlen sind die Fördermittel dringend notwendig, um die Ortsteile wie beispielsweise Questin in das Projekt mit einzubinden.

Deutsches Internet zu langsam für die Weltspitze

Das Bundesministerium für Infrastruktur spricht ab einer Datenrate von einem Mega-Bit pro Sekunde (1 Mbit/s) von einem Breitband-Zugang. Schnell ist dies nicht. Zum Verständnis:

Der Download einer Musikdatei mit fünf Megabyte (MB) dauert mit dieser Datenrate etwa 50 Sekunden. Mit dem Breitband-Förderprogramm des Bundes sollen bis 2018 auf dem Land in Nordwestmecklenburg Datenraten von bis zu 50 Mbit/s möglich sein.

Dieses Ziel scheint utopisch. Laut einer Studie des Internet-Dienstleisters Akamai beträgt die durchschnittliche Bandbreite in Deutschland derzeit 12,9 Mbit/s. Damit liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich nur auf dem 22. Platz, im Vorjahr war es sogar nur Platz 29 (8,8 Mbit/s). Andere Staaten an der Ostsee wie Dänemark, Finnland, Lettland oder Schweden sind weiter. Dort liegen die Datenraten deutlich über 16 Mbit/s. Platz 1 belegt Südkorea mit 26,1 Mbit/s.

Weltweit liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 5,6 Mbit/s. Diese Rate wird in Teilen MVs laut Internetportal DSL-Regional noch nicht einmal ansatzweise erreicht.

Kay Steinke

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