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Wenn die Mülltonne die Abfuhr bestimmt

Grevesmühlen Wenn die Mülltonne die Abfuhr bestimmt

Stadtwerke-Geschäftsführer Heiner Wilms war im komplett vernetzten spanischen Santander / Teile davon auch in Grevesmühlen denkbar / Neue Stromtankstelle eingeweiht

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Weihen offiziell die Schnell-Ladesäule vor den Stadtwerken ein: Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss und Heiner Wilms.

Grevesmühlen. Kein lästiges Kurvendrehen durch die Stadt auf der Suche nach einem Parkplatz. Eine App verrät, wo noch eine Lücke für das Fahrzeug ist. Die Mülltonne ist voll? Keine Panik! Der Entsorgungsbetrieb erhält eine Mitteilung, dass sie abgeholt werden kann. Eine Beleuchtung des Gehweges die ganze Nacht hindurch muss nicht sein. Geht niemand vorbei, schalten sich die Lampen aus. Was hier in Nordwestmecklenburg eher nach dem Film „Zurück in die Zukunft“ klingt, ist im spanischen Santander längst Realität. Die Stadt ist komplett vernetzt und als „Smart City“ bekannt – oder als intelligenteste Stadt der Welt. Und in diese reiste Heiner Wilms, Geschäftsführer der Grevesmühlener Stadtwerke, mit einer Delegation von Unternehmern aus Westmecklenburg.

OZ-Bild

Stadtwerke-Geschäftsführer Heiner Wilms war im komplett vernetzten spanischen Santander / Teile davon auch in Grevesmühlen denkbar / Neue Stromtankstelle eingeweiht

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„Das Millionenprojekt ist mit EU-Fördermitteln und mithilfe eines spanischen Telefonanbieters und der Santander Bank umgesetzt worden“, erklärt Heiner Wilms begeistert. „Mit genügend Geld wäre das auch hier denkbar“, glaubt er. Auch wenn das wahrscheinlich umgehend die Datenschützer auf den Plan rufen würde. Denn was wann wo in Santander passiert und funktioniert, ist über eine App einsehbar.

Und: Die digitale Steuerung hat den Nachteil, dass sie die Stadt durch Hacker angreifbar macht.

Einen großen Anteil an der Umsetzung in Spanien haben Studenten der örtlichen Universität, die unter anderem Sensoren entwickelten, die im Boden der Stadt, in Mülltonnen oder auf Bussen verteilt worden sind und für die Infos auf dem Smartphone, dem PC oder dem Laptop sorgen oder die Ampeln regeln, wenn sich beispielsweise ein Rettungswagen nähert. Gerade die Mülltonne, die abgeholt werden will, hat Heiner Wilms fasziniert. „Wir Stadtwerke und der Zweckverband arbeiten schon eng zusammen. Das Projekt in Spanien ist ein guter Ansatz, auf dessen Basis wir weiterarbeiten können, vielleicht irgendwann auch mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb“, glaubt er.

Innovatives Grevesmühlen – einen ersten großen Schritt dahin sind die Stadtwerke mit Stromtankstellen bereits gegangen. Eine für Elektrofahrzeuge befindet sich auf dem Parkplatz an der Malzfabrik, weitere auf dem Gelände der Stadtwerke im Grünen Weg. Die neueste ist bei den Stadtwerken in dieser Woche eingeweiht worden: eine Schnellladesäule. Je nach Fahrzeugtyp ist das Auto in 20 bis 30 Minuten aufgeladen.

„Ich begrüße die Initiative der Stadtwerke“, lobte Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD), die die Säule zusammen mit Heiner Wilms offiziell in Betrieb nahm. Sie ist bestrebt, wie sie sagt, auch in Wismar eine ähnliche Ladesäule auf dem neuen Parkplatz der Kreisverwaltung installieren zu lassen. Denn die Anzahl der Ladestationen, das weiß auch Andreas Räber aus Hamburg, ist dünn. Für Grevesmühlen als „Brücke zur Ostsee“ habe er deshalb die Schnellladesäule gespendet. „Ich habe mir drei Firmenfahrzeuge gekauft und die Ladestation dazu bekommen“, erläutert der Geschäftsführer einer Elektrotechnikfirma. „Ich habe für die Schnellladesäule keine Verwendung und schenke sie den Stadtwerken gern.“

Die Ladestationen der Stadtwerke werden gut genutzt – von Autofahrern aus ganz Europa, wie Prokurist Uwe Dramm verrät. 1100 Kilowattstunden seien dieses Jahr schon vertankt worden. In Autos gemessen entspricht das etwa 50. Im Landkreis fahren derzeit etwa 30 Elektroautos. Das „Betanken“ der Fahrzeug bei den Stadtwerken ist kostenlos. „Solange wir uns das leisten können, bieten wir den Service“, so Heiner Wilms. Für ein entsprechendes Abrechnungssystem müsste das Unternehmen sehr viel Geld hinlegen, sagt er. „Übers Bezahlen müssten wir wahrscheinlich reden, wenn alle zehn Minuten ein Fahrzeug vor der Tür steht“, sagt er lachend. Erzeugt wird der Strom über Fotovoltaikanlagen auf dem Dach der Stadtwerke.

Jana Franke

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