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Wismar hatte bis 1893 eigene Ortszeit

Wismar Wismar hatte bis 1893 eigene Ortszeit

Seit 1683 gibt es die Uhr am Turm von St. Marien, gestiftet vom schwedischen General Helmuth Wrangel

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Die Turmuhr von St. Marien wurde 1981 restauriert.

Quelle: Sammlung Schmidt

Wismar. Am 1. April 1893 trat für das damalige Deutsche Reich das allgemein verbindliche Zeitgesetz in Kraft. Die sogenannte mittlere Sonnenzeit des 15.

Längengrades wurde gesetzlich verankert und so die deutsche Zeitzone definiert. Zuvor galten in den einzelnen Bundesländern eigene Zeiten, was besonders mit der Entwicklung des Eisenbahnwesens ein Hemmnis war.

Auch Wismar hatte die „Ortszeit“ — die für einen Ort gültige Sonnenzeit. Die seit dem Mittelalter vorhandenen mechanischen Uhren wurden teilweise nach der Sonne oder Sonnenuhr gestellt, doch mit der Einführung der Zonenzeit war die Rolle der Sonne als Zeitmacher vorbei. Die Zonenzeit ist an allen Orten innerhalb einer Zeitzone gleich. Erst beim Wechsel in eine andere Zeitzone gilt eine andere Tageszeit. So ist zwar heute der Sonnenstand in einer Zeitzone unterschiedlich, aber die angezeigte und gemessene Zeit ist gleich. Trotz Quartz-, Funk- und Atomuhren: die Sonne zeigt immer noch die genaueste Zeit an. Das wussten sich die Menschen zunutze zu machen. Es war üblich, dass jeder Ort seine eigene Zeit hatte, die nach der Sonne gemessen wurde. Die „Wismarer Ortszeit“ hatte eine Differenz von bis zu 15 Minuten zur Mitteleuropäischen Zeit. Die Orte innerhalb einer Zeitzone haben selbstverständlich verschiedene Zeiten, da die Sonne einen unterschiedlichen Stand hat. Zu jener Zeit, als 1893 das Zeitgesetz eingeführt wurde, orientierten sich die meisten Wismarer nach der Turmuhr von St. Marien. Aber so genau ging es dabei nicht zu, denn die Turmuhr hatte nur einen Stundenzeiger, die Minuten musste man schätzen. Armband- und Taschenuhren waren im 19. Jahrhundert und auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert eine begehrte Anschaffung. Kinder bekamen meist zur Konfirmation ihre erste Uhr, wenn es das Haushaltsbudget zuließ. Auch noch in den 1950er- und 60er-Jahren sparte man auf einen Zeitmesser.

Die Uhr am St. Marienturm stiftete 1647 der schwedische General Helmuth Wrangel. Man munkelt, er habe sie nur gestiftet, weil er sie in Wismar wohnend von seinem Fenster aus sehen konnte. Genutzt hat sie ihm nichts, er starb 1647. Die Uhr war erst 1683 fertig. Sie hat drei Schlagglocken. Die Zifferblätter sind in einer Höhe von 75 Metern angebracht, haben einen Umfang von fünf mal fünf Meter und ein Gewicht von jeweils 1,5 Tonnen. Heute hat sie einen Stunden- und Minutenanzeiger, die 2,40 beziehungsweise 3,30 Meter lang sind. Die Uhr ist zuletzt 1981 restauriert worden. Sie wird durch eine elektronische „Mutteruhr“ gesteuert.

Von Detlef Schmidt

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