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Grevesmühlen Wismarer im Clinch mit den Stadtwerkern
Mecklenburg Grevesmühlen Wismarer im Clinch mit den Stadtwerkern
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00:00 16.06.2016

Zwei Monate ohne Strom! Kein Licht, keine Ladegeräte, kein Inhalationsgerät für seine elfjährige Tochter, Asthmatikerin. Für Helmut Reichelt waren die vergangenen Monate ein Horror. Seit Anfang dieser Woche läuft sein Stromzähler nun wieder – nach richterlicher Anordnung. „Die Stadtwerke haben mir vorgeworfen, dass ich das Gerät manipuliert hätte“, sagt der 50-Jährige. „Doch das stimmt nicht! Ich bin Altenpfleger. Ich wüsste nicht mal, wie das geht!“

Auslöser war, dass der Wismarer mit einer fälligen Zahlung nicht nachkam. „Herr Reichelt hatte seit längerem die Stromlieferungen nicht bezahlt“, sagt Sylvia Bartsch, Sprecherin der Stadtwerke Wismar. Mehrfach sei er schriftlich ermahnt worden. Abbuchungen vom Konto führten lediglich zu Rücklastschriften. Ende März wurde dann der Sperrauftrag zugestellt, Anfang April schließlich vollzogen. „Das stimmt, ich konnte zum damaligen Zeitpunkt nicht bezahlen“, räumt Reichelt ein. „Doch ich habe extra ein Darlehen über 500 Euro aufgenommen, mit dem ich die Schulden dann begleichen konnte.“

Doch es kam noch dicker für den alleinerziehenden Vater: „Obwohl ich alles bezahlt habe, wurde der Zähler einfach ausgebaut“, berichtet der Wismarer. Die Begründung: Manipulation an dem Gerät.

„Gesperrte Zähler werden von uns regelmäßig kontrolliert“, erklärt Sylvia Bartsch das Vorgehen. „Bei der Sperrkontrolle im Mai wurde durch unseren Außendienstmitarbeiter festgestellt, dass sämtliche Werksplomben am Zähler entfernt waren.“ Niemand könne in so einem Fall einschätzen, welche Veränderungen an der Anlage vorgenommen wurden und welche Gefahren daraus entstehen können. Für Helmut Reichelt eine Lüge: „Das ist Verleumdung!“ Deshalb suchte er sich Hilfe bei einem Anwalt.

Bevor ein entfernter Stromzähler wieder ans Netz angeschlossen werden darf, muss eine technische Prüfung der Anlage durch eine Elektrofirma erfolgen. Die Kosten dafür: schätzungsweise 150 Euro. „Das alles hätte vermieden werden können, wenn Herr Reichelt sich zur Klärung seiner offenen Zahlungen mit uns in Verbindung gesetzt hätte. Mehr als einen Monat hat er verstreichen lassen. Erst als der Zähler ausgebaut wurde, hat er bei uns vorgesprochen“, so die Einschätzung der Stadtwerke-Sprecherin. Im Durchschnitt werden pro Jahr 300 Zähler wegen offener Forderungen gesperrt. Bis zu drei versuchte Manipulationen an Zählern gebe es jährlich.

Schlussendlich hat Helmut Reichelt vergangenen Freitag jedoch Recht bekommen. Im richterlichen Bescheid lautet es: „Die Stadtwerke werden verpflichtet, die Stromversorgung (...) wieder herzustellen und es zu unterlassen, diese wieder zu unterbrechen.“ Für Helmut Reichelt ein Befreiungsschlag. Endlich ist er nicht mehr auf die Hilfe über Verlängerungskabel von seinen Nachbarn angewiesen.

Vanessa Kopp

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