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Grevesmühlen Wölfe in MV: Till Backhaus warnt vor illegalen Abschüssen
Mecklenburg Grevesmühlen Wölfe in MV: Till Backhaus warnt vor illegalen Abschüssen
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17:38 30.01.2019
OZ-Chefredakteur Andreas Ebel (am Mikrofon) im Gespräch mit seinen Podiumsgästen (v.l.) Ingo Stoll (Schäfer), Till Backhaus (Landwirtschaftsminister), Ulf-Peter Schwarz (Jäger), Kurt Klaczinski (Landwirt) und Stefan Schwill vom Nabu. Quelle: Dietmar Lilienthal
Grevesmühlen

Wölfe gehören zur Natur. Lasst die Wölfe in Ruhe leben! Der Wolf muss gar nichts lernen – der Mensch muss lernen, dass der Wolf wieder da ist. Auf Facebook gingen die Meinungen während des Wolfsforum, das die OSTSEE-ZEITUNG am Dienstagabend im Kreistagssaal der Malzfabrik veranstaltete und via Livestream übertrug, dann doch eher in Richtung „pro Wolf“.

„Wie jemand, der Hühner hat, mit dem Fuchs klarkommen muss, so sollte jemand der Schafe hat, mit Wölfen klarkommen“, hieß es weiter. Schützen müsse der Schäfer eben seine Tiere. Im Kreistagssaal selbst mit mehr als 120 Gästen gingen die Stimmen allerdings auch in die andere Richtung.

Ab 18.00 Uhr live: OZ-Forum zum Thema „Wölfe in MV“ in Grevesmühlen

Gepostet von Ostsee-Zeitung am Dienstag, 29. Januar 2019

Nach Aussage von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gab das Land Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr rund 100 000 Euro für präventive Maßnahmen im Zusammenhang mit der Wolfspopulation in Mecklenburg-Vorpommern aus. Hinzu kamen etwa 45 000 Euro an Entschädigungen für gerissene Nutztiere.

Während der Podiumsdikussion, für die OZ-Chefredakteur Andreas Ebel neben Till Backhaus Landwirt Kurt Klaczinski aus Pötenitz, Jäger Ulf-Peter Schwarz aus Plüschow, Schäfer Ingo Stoll aus Langsdorf und den Landesvorsitzenden des Nabu, Stefan Schwill, gewinnen konnte, machte der Landwirtschaftsminister allerdings auch deutlich, dass Landwirte, die ihre Tiere nicht richtig schützen würden, die Wölfe regelrecht anfüttern würden.

OZ-Umfrage: Finden Sie es gut, dass der Wolf in MV wieder heimisch wird?

Dagegen wehrte sich Manfred Leberecht, Vizepräsident des Landesbauernverbandes, entschieden. Es sei praktisch kaum machbar, die Tiere hundertprozentig zu schützen, sagte er. Zudem würden sich beispielsweise die Halter von Schafen, die die Landwirtschaft und Tierzucht als Hobby betreiben, angesichts der Auflagen und der Gefahren, die der Wolf mit sich bringe, von der Tierhaltung verabschieden.

Auch die Jäger sehen zunehmend Gefahren durch das Raubtier. „Es kommt inzwischen vor, dass Jagdhunde durch Wölfe angegriffen werden“, so der Sprecher der Landesjagdverbandes, Ulf-Peter Scharz. „Wir müssen mit dem Wolf leben, aber nicht überall.“ Die Jäger fordern Rechtssicherheit, was den Abschuss von Wölfen angeht. Dass es durchaus illegale Abschüsse gibt, belegen Funde von getöteten und besenderten Tieren in Deutschland.

Backhaus warnt Jäger

Till Backhaus warnte offen die Jäger: „Wir wissen, was Schießen, Spaten, Schweigen bedeutet. Aber ich kann nur betonen, irgendwann kommt alles ans Tageslicht.“ Der Landwirtschaftsminister betonte, dass eine gesetzliche Änderung durchaus in Sichtweite sei, um Problemwölfe, die sich beispielsweise nicht durch Zäune abhalten ließen, zu entnehmen.

Kopfschütteln erntete er für seine Aussage, dass sämtliche Weidetiere entsprechend geschützt werden müssten, auch Rinder. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nach wie vor große Rinderzucht- und Milchviebetriebe. Mutterkühe mit Kälbern und Färsen leben größtenteils in offenen Ställen oder ganz auf der Weide. Sie hinter einem sicheren Zaun unterzubringen, das halten die Landwirte für wenig praktikabel.

„So hoch können wir die Zäune gar nicht bauen“

Kurt Klaczinski, dessen Galloway-Rinder vor einiger Zeit gerissen worden sind, sagt: „So hoch können wir die Zäune gar nicht bauen, dass sie nicht drüberkommen.“ Ob ein Wolf seine Tiere getötet und verletzt hat, konnte nicht nachgewiesen werden.

Der Sohn von Günter Cords, Bürgermeister der Gemeinde Bernstorf und Gast im Publikum, betreibt Viehwirtschaft. Er forderte von Till Backhaus ein klares Bekenntnis: „Wer die Gefahr geschaffen hat, der muss auch dafür sorgen, dass niemand gefährdet wird. Und meiner Ansicht nach hat die Politik dafür gesorgt, dass es den Wolf hier wieder gibt. Also muss der Staat auch für die Kosten aufkommen, so verstehe ich das."

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Grevesmühlen Podiumsdiskussion fand großen Anklang - „Der Mensch muss lernen, mit dem Wolf zu leben“

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