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Wut und Unverständnis in Dassow nach dem ODS-Urteil

Dassow/Schwerin Wut und Unverständnis in Dassow nach dem ODS-Urteil

Ehemalige Mitarbeiter des CD-Werkes fordern härtere Strafen für die Manager.

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Kerstin Weiss

Quelle: Norbert Wiaterek

Dassow. Während in Schwerin einer der aufwändigsten Wirtschaftsprozesse des Landes gestern mit Bewährungsstrafen für die drei Hauptangeklagten im ODS-Prozess endete, nahmen die Menschen in Dassow und der Region die Urteile unterschiedlich hin. „Für uns war und ist entscheidend, was nach der Pleite mit den Gebäuden passiert ist“, sagt Jörg Ploen, Bürgermeister der Stadt Dassow. Den Prozess habe er nur am Rande verfolgt. Hätte er sich ein anderes, schärferes Urteil gewünscht? „Es war zu erwarten, dass es so ausgehen würde“, sagt Ploen. „Wichtig ist, dass heute dort ein Unternehmen sein Sitz hat, das auf die Zukunft setzt.“

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Kerstin Weiss

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Euroimmun aus Lübeck hat den ehemaligen Firmensitz im Dassower Gewerbegebiet übernommen. Und mit ihm auch etwas von der Geschichte des Werkes. Denn immer wieder tauchen Fotos der markanten Glasfassade in den Medien auf im Zusammenhang mit der spektakulären Pleite des ehemals größten CD-Werkes in Europa — sehr zum Unmut der Euroimmun-Verantwortlichen.

Die ehemaligen Mitarbeiter sehen das Urteil nicht ganz so gelassen wie Dassows Bürgermeister. Denn als 2006 das Unternehmen langsam in die Pleite rutschte, standen mehr als 1000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. „Die haben mit uns gezockt“, sagt Jörg Körner (48) aus Grevesmühlen, der mehrere Jahre bei ODS Produktionsmaschinen bedient hat. „Und sie haben sich verspekuliert.“ Denn auch in der Belegschaft habe man sich damals schon gefragt, wie lange der Aufschwung anhalten werde. Es war bekannt, dass sowohl die Arbeitsplätze als auch die Maschinen in Dassow subventioniert worden sind.

„Alle paar Wochen kamen Politiker, die mit der Geschäftsführung durch das Werk gelaufen sind. Wir dachten, wir haben einen sicheren Arbeitsplatz, soviel Geld wie der Staat hier reingesteckt hat.“

Dass die Verhandlung am Ende mit Bewährungsstrafen endete, mache ihn wütend, sagt der Familienvater. „Die haben jede Menge Geld vernichtet, über 1000 Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt und jetzt kommen die einfach so davon.“ Körner hat längst einen anderen Job, die Zeit in Dassow liegt lange zurück. Doch die Erinnerungen sind immer noch wach, an die Demonstrationen vor dem Werk, an die Hoffnungen, dass das Land weiter Geld in das Werk pumpen würde und ein neuer Investor die Strukturen nicht nur retten, sondern weiterführen würde. Am Ende wurde ODs geschlossen, die Mitarbeiter entlassen.

Die Erinnerungen, die die damalige Dassower Bürgermeisterin Kerstin Weiss an ODS hat, sind auch nicht sonderlich gut. „Wir haben als Stadt mit vielen Firmen zusammengearbeitet, aber bei ODS war immer ein ungutes Gefühl dabei“, so Kerstin Weiss. „Aber sie waren damals der größte Arbeitgeber und so gab es natürlich Kontakte.“ Das Urteil sei ihrer Ansicht nach deutlich zu milde ausgefallen, auch wenn es im Vorfeld abzusehen gewesen sei. „Es ist nicht unbedingt gerecht, wenn man sich vor Augen führt, welche Folgen die Pleite für Dassow hatte.“

M. Prochnow

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Schwerin/Dassow
Im Betrugsprozess um das trotz hoher Subventionen pleitegegangene CD-Werk in Dassow (Nordwestmecklenburg) hat das Landgericht Schwerin gegen drei Ex-Geschäftsführer Bewährungsstrafen verhängt.

Die drei Angeklagten erwägen, in Berufung zu gehen. Dann würde der Prozess wegen Kreditbetrugs in dem Werk im nordwestmecklenburgischen Dassow vor das Bundeverfassungsgericht gehen.

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