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Grevesmühlen Zahl der Zuckerkranken steigt
Mecklenburg Grevesmühlen Zahl der Zuckerkranken steigt
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00:00 20.10.2017
Aktionstag im Wismarer Krankenhaus: Mit einem Tropfen Blut kann Diabetesassistentin Annette Adamcyk bei Horst Linkner (78) den Blutzuckerspiegel messen. Quelle: Fotos: Nicole Hollatz
Grevesmühlen/Wismar

„6,7 – der Wert ist etwas erhöht“, stellt Annette Adamcyk, Diabetesassistentin im Sana-Hanse-Klinikum Wismar fest, nachdem sie einen Tropfen Blut von Horst Linkner (78) ins Blutzuckermessgerät gegeben hat. „Wann haben Sie denn das letzte Mal etwas gegessen?“, fragt sie nach. Nicht lange her. Das erklärt den Wert. „Der sollte in den nächsten zwei Stunden wieder weiter unten sein, sonst sollten Sie das im Auge behalten!“ Horst Linkner nickt, seine Frau ist Diabetespatientin.

Die Menschen bewegen sich zu wenig und greifen in der Ernährung zu häufig auf Fertig- produkte zurück. Dr. med. Christian Hubold Facharzt im Sana-Hanse-Klinikum

„Diabetes ist die Volkskrankheit Nummer eins“, heißt es aus dem Krankenhaus Grevesmühlen. Und: bei vielen Patienten wird dort die Nebendiagnose „Diabetes mellitus“ gestellt, hinter dem medizinischen Begriff verbergen sich zahlreiche Stoffwechselerkrankungen, die im Volksmund als „Zuckerkrankheit“ zusammengefasst werden. Die Zahlen sind alarmierend: innerhalb der letzten 50 Jahre hat sich die Diabetes-Rate verzehnfacht – in Mecklenburg-Vorpommern ist mittlerweile jeder achte Einwohner ein Diabetespatient.

Bei beiden Arten der Zuckerkrankheit – Diabetes Typ I („Jugenddiabetes“) und Typ II („Altersdiabetes“) – steigen die Fallzahlen. „Auch beim Typ-II-Diabetes sind immer mehr junge Erwachsene betroffen“, berichtet Dr. med. Christian Hubold, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie im Sana Hanse-Klinikum Wismar. „Das liegt einerseits an gewissen Risikofaktoren, die Menschen bewegen sich zu wenig und greifen in der Ernährung häufiger auf Fertigprodukte zurück.“

Zu viel Zucker, zu viel Fett, zu wenig Bewegung und eine alternde Bevölkerung – „ein gesünderer Lebensstil verringert das Risiko, an Diabetes zu erkranken“, so Dr. Hubold. Genetische Gründe können trotz gesunder Lebensweise zur Erkrankung führen. Und: nicht jeder, der ungesund lebt, wird Diabetespatient. Anders herum ist auch nicht jede Erkrankung auf einen ungesunden Lebensstil zurück zu führen.

„Man hat viel Durst, muss oft zur Toilette, fühlt sich schlapp und müde, die Haut ist trockener und die Wundheilung funktioniert nicht mehr so gut“, berichtet Annette Adamcyk von einigen ersten Warnsymptomen. Aber: oftmals dauert es Jahre bis zur Diagnose. Für Betroffene ändert sich nach der Diagnose einiges, erklärt Mediziner Hubold: „Patienten müssen sich bei jeder Nahrungsaufnahme Gedanken darüber machen, wie das Gegessene den Blutzuckerspiegel verändert.“

Denn wenn der nicht stimmt, kann es lebensgefährlich werden - Kreislaufversagen, Erblindung, Schlaganfall, diabetischer Fuß, Nierenschäden sind nur einige der möglichen Folgen eines falsch eingestellten Blutzuckerspiegels.

Angst haben brauchen Betroffene nicht. Dank effektiver Medikamente und schneller Verfahren zur Messung des Blutzuckerspiegels ist die Überwachung vergleichsweise einfach. „Ich kann mit der Krankheit leben“, erzählt Christine Berning, 68 Jahre jung und aus Wismar. 1998 wurde die Zuckerkrankheit bei ihr festgestellt. „Mit den modernen Spritzen wird es einem doch leichter gemacht, aber man muss aufpassen. Ich esse sehr gerne Obst, aber auch der Fruchtzucker zählt und ich muss mich da schon einschränken.“ Sie spritzt sich täglich das lebenswichtige Insulin. „Ich kann mir auch mal ein Stück Schokolade oder eine Portion Eis gönnen.“

Margarete Zimmermann muss sich deutlich mehr einschränken, vermeidet Süßes und auch Obst, weil die Blutzuckerwerte grenzwertig sind. „Noch brauche ich mich nicht spritzen“, erzählt sie. Die 76-Jährige war Oberschwester der Inneren Abteilung, hat zeitlebens auch Diabetespatienten betreut und staunt, wie sehr sich die technischen und medizinischen Möglichkeiten weiter entwickelt haben.

Denn: Trotz der stark gestiegener Patientenzahlen ist die Mortalität, die Wahrscheinlichkeit an Diabetes und seinen Folgen zu sterben, gesunken.

Schwerpunktpraxen Diabetes in Nordwestmecklenburg

Dr. med. Christian

Hubold, Dipl.-Med. Eberhard Leupold: Störtebekerstraße 6

in Wismar (☎ 03841/37 43 30 00 und 38841/37 43 30 02);

Dorothée Greitens:

Rudolf-Breitscheid-

Straße 19 in Wismar (☎ 03841/60 98 61

und 03841/60 98 62);

Dipl.-Med. Elke Hartz: Klützer Straße 15

in Grevesmühlen (☎ 03881/71 29 28);

Dipl.-med. Uta

Wieland: Uferweg 8a

in Bad Kleinen (☎ 038423/3 15);

Dr. med. Sabine Sedl: Feldstraße 23a

in Schönberg (☎ 038828/2 52 46);

SR Dr.med. Dieter

Haker: St. Marien-

kirchhof 2 in Wismar (☎ 03841/28 31 02)

Nicole Hollatz

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