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Grevesmühlen Zu teuer: Keine Gratisfahrt für Boltenhagener
Mecklenburg Grevesmühlen Zu teuer: Keine Gratisfahrt für Boltenhagener
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00:00 03.02.2018
Boltenhagen

Rückschlag in Boltenhagen: Die geplanten Freifahrten für Einheimische innerhalb des Ortes (die OZ berichtete) sind für dieses Jahr so gut wie vom Tisch.

„Es ist nicht der Wunsch von Nahbus, sondern von der Gemeinde Ostseebad Boltenhagen, alle Einwohner frei fahren zu lassen. Und dafür muss einer die Zeche zahlen„.“Jörg Lettau Geschäftsführer Nahbus

Die Gemeindevertreter haben sich am Donnerstagabend gegen den entsprechenden Vertragsentwurf mit Nahbus entschieden. Grund: Das Verkehrsunternehmen des Kreises will für das „Komplettpaket“ für ein Jahr insgesamt rund 402000 Euro von der Kommune haben – deutlich mehr als erwartet. „Ich war entsetzt über die Höhe. Das ist jenseits von Gut und Böse“, meinte Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU). Gemeindevertreterin Beatrix Bräunig (SPD) sagte: „Der Vertrag entspricht nicht dem, was im Kurbetriebsausschuss vorgestellt wurde.“

Dort hatte Nahbus-Geschäftsführer Jörg Lettau im Dezember das neue Shuttle-Konzept präsentiert. Im Vertrag gebe es laut Bräunig nun „fast eine Verdopplung“ der Kosten. Allein für die zusätzliche, freie Beförderung der Einwohner kalkuliert Nahbus für den Zeitraum vom 1. Mai 2018 bis zum 30. April 2019 mit 229000 Euro. „Wir haben damals vorgeschlagen, die freien Fahrten für Kurkarteninhaber anzubieten. Die Gemeinde hat in der Beschlussfassung ,für alle’ daraus gemacht“, so Lettau. Die Kalkulation für die Einwohner sei aber eine ganz andere.

Und dort beginnt es zu knirschen: Laut Schmiedeberg rechnet die Gemeinde mit höchstens 30000 Fahrgästen im Jahr, die in Boltenhagen in den Bus ein- und aussteigen. „Nahbus hat hier mit 300000 Gästen kalkuliert. Diese Berechnungsgrundlage ist mir schleierhaft“, sagt der Bürgermeister. Von den daraus resultierenden 229000 Euro „kann ich fast jeden in Boltenhagen ins Taxi setzen“, ergänzte Schmiedeberg. Er findet es schade, dass das Angebot für die Einheimischen nun zu scheitern droht. „Es würde dem Ort guttun. Aber so ist das nicht machbar.“

Auch Olaf Claus (BfB/Bolte) haderte mit dem vorgelegten Vertrag: „Wir können als Gemeinde nicht alleine die Defizite von Nahbus auffangen“, kommentierte er süffisant. Claus brachte ins Gespräch, sich bei der Umsetzung des Vorhabens nicht an das kreiseigene Unternehmen zu klammern. „Vielleicht sollte man nochmal im Amtausschuss darüber sprechen und versuchen, andere Gemeinden dafür ins Boot zu holen“, sagte er. Die Installation einer eigenen Linie sei eine Alternative, dauere aber Monate. Ein Start pünktlich zur kommenden Urlaubssaison wäre damit unrealistisch. „Wir haben nicht mehr viel Zeit“, machte Beatrix Bräunig nochmals deutlich.

Mit ihrer Beschlussfassung hat sich die Gemeinde vorerst entschieden, das Freifahrt-Angebot nur für Inhaber von Kurkarten auf den Weg zu bringen. Dafür stellt Nahbus 173000 Euro in Rechnung. Doch zunächst soll der Bürgermeister mit dem Unternehmen nachverhandeln – eine letzte Hoffnung für die Boltenhagener. Eine Einigung im Sinne aller Einwohner ist dabei aber nicht zu erwarten. „Es ist nicht der Wunsch von Nahbus, sondern von der Gemeinde, alle frei fahren zu lassen. Und dafür muss einer die Zeche zahlen“, bekräftigt Jörg Lettau. Auch Schmiedeberg ist wenig optimistisch: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir in diesem Jahr zunächst nur Kurkartenbesitzer frei fahren lassen. Aber wir werden für 2019 einen neuen Versuch starten“, sagt der Bürgermeister. Die nächsten Monate würden dann auch verlässliche Aussagen bei den Fahrgastzahlen liefern.

Daniel Heidmann

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