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Zum Wohle des Kindes — Oma und Opa als Pflegeeltern?

Grevesmühlen Zum Wohle des Kindes — Oma und Opa als Pflegeeltern?

Manchmal sind junge Eltern mit der Verantwortung für ihr Kind überfordert und wünschen sich die Großeltern als Pflegeeltern / Doch nicht in jedem Fall kommt es so

Grevesmühlen. Es war schlimm, als die Großeltern des dreijährigen Hauke* feststellten, dass die Exfreundin ihres Sohnes das Enkelkind schwer vernachlässigte. Erleichtert waren die Reimanns*, das die junge Frau ihre Überforderung eingestand und zustimmte, den Kleinen in die Obhut der Großeltern väterlicherseits zu geben. Von da an sorgten die Reimanns gut für ihren Enkelsohn und taten alles Menschenmögliche, um ihn in seiner Entwicklung zu fördern. Als Haukes Mutter dann gemeinsam mit Haukes Vater einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung an das Jugendamt stellte — und sogar bereit war, die Eltern ihres Exfreundes als Pflegeeltern vorzuschlagen — sah es so aus, als könnte die Welt der Reimanns wieder vollkommen in Ordnung kommen.

Dann kam das Schreiben vom Fachdienst Jugend im Landkreis, in dem den Großeltern mitgeteilt wurde, dass sie nach Prüfung der Voraussetzungen nicht als geeignete Pflegeeltern angesehen werden. Eine Mitteilung, die Haukes Großeltern nicht nachvollziehen können — gegen die sie ankämpfen. Wer sollte geeigneter sein, die Fürsorge für den kleinen Enkelsohn zu übernehmen, als sie — seine leiblichen Großeltern? Der eigene Sohn kann es, wie die Reimanns es einschätzen, aufgrund seiner körperlichen Handicaps nicht. Und Haukes Mutter aus verschiedenen schwerwiegenden Gründen auch nicht.

Nicht immer sind Großeltern geeignete Pflegeeltern

Beate Dellin, Leiterin des Fachdienstes Jugend, hat eine Antwort auf die verzweifelte Frage der Reimanns. Auch wenn sie aus Datenschutzgründen nicht über den konkreten Fall sprechen darf, ganz allgemein kann sie dennoch sagen: „Es ist leider nicht immer so, dass Großeltern die am besten geeigneten Pflegeeltern für ihr Enkelkind sind.“

Die Fachdienstleiterin kann gut nachempfinden, wie so ein Satz auf die Reimanns — auf alle liebenden Großeltern — wirken muss. Sie erklärt: „Den meisten Menschen sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen, um eine Pflegschaft zu übernehmen, nicht klar. Und wie sollen sie auch? Sie empfinden: Das ist unser Enkelkind — also sind wir doch die beste Option für das Kind, wenn seine Eltern es nicht sind.“

Doch in dieser Hinsicht sind die Gesetze in Deutschland ganz eindeutig: Die Pflicht zur Fürsorge liegt bei den Eltern. Können diese diese Pflicht aus bestimmten Gründen nicht wahrnehmen und stellen ein Antrag auf Hilfe zur Erziehung an das Jugendamt, dann geht es immer zunächst darum, mit welchen Maßnahmen können die Eltern gestützt und entwickelt werden, um irgendwann vielleicht doch einmal wieder ihrer Fürsorgepflicht für ihr Kind nachzukommen.

„Das Kind in Pflegschaft zu geben“, so Beate Dellin, „ kann eine geeignete Maßnahme sein. Doch nicht immer.“ Manchmal, so Dellin weiter, und wieder betont sie, dass sie nicht im speziellen Fall, sondern allgemein spricht, sind Großeltern zu nah an den Geschichten der Eltern des Kindes dran. Manchmal sind sie in Gefahr, zu vergessen, das sie „nur“ die Großeltern sind.

Pflegeeltern durchlaufen eine strenge Prüfung

„Bei einer Pflegschaft“, erklärt Karla Krüger, 2. Beigeordnete der Landrätin Nordwestmecklenburgs, „geht es aber neben der guten Fürsorge für das anvertraute Kind, auch darum, wirklich alles zu tun, um den Kontakt zwischen Eltern und dem Kind zu normalisieren. Die Gefahr bei Großeltern kann sein, so Krüger weiter, dass sie zumindest dem einen Elternteil skeptisch gegenüberstünden. Was auch verständlich sei, besonders dann, wenn es eine Vernachlässigung des Enkelkindes gegeben habe. Manchmal kann es auch vorkommen, dass Großeltern nicht glauben, dass das eigene Kind es jemals schaffen kann, für sein Kind allein zu sorgen. Was zutreffen kann oder auch nicht — doch niemals von Anfang an feststehen darf. Familienfremde Pflegeeltern gehen mit den Eltern und ihren Lebensgeschichten wertfreier um.

Karla Krüger betont, wie zuvor Fachdienstleiterin Dellin, dass es auch bei ihren Aussagen nicht um den speziellen Fall der Familie Reimann geht, sondern nur darum, allgemein den Sachverhalt Pflegschaften und Großeltern in seiner Schwierigkeit zu betrachten.

Was die Prüfung zur Eignung von Pflegeeltern generell anginge, ergänzt Beate Dellin, egal ob familienfremd oder innerhalb von Familien, hat der Gesetzgeber klare Vorgaben gemacht. „Die Hürden sind hoch“, so Beate Dellin. In speziellen Fachteams finden sich Jugendhilfemitarbeiter und Sozialarbeiter zusammen, werden manchmal auch verschiedene Expertenmeinungen eingeholt. Antragsteller müssen sehr detaillierte Lebensberichte schreiben, sich einer amtsärztlichen Untersuchung unterziehen. Manchmal werden auch noch Psychologen beratend hinzugezogen. Die Entscheidung über Eignung oder Nichteignung von Pflegeeltern sei immer, so Dellin, eine Teamentscheidung.

Die Möglichkeit der privatrechtlichen Regelungen

Auf die Frage, ob sich zum Beispiel psychische Erkrankungen negativ auf eine Bewerbung um Pflegeelternschaft auswirken könnte, antwortet Beate Dellin: „In manchen Fällen ja, manchmal nein. Jemand kann in seinem Leben eine wie auch immer geartete Instabilität erlebt haben und dennoch gut in der Lage sein, ein Kind in der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Weise zu betreuen.“ Die Fachdienstleiterin weist darauf hin, dass es durchaus Fälle gibt, in denen Großeltern die Pflegschaft für ein Enkelkind erhalten.

Wenn Eltern einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung stellen, stellt Beate Dellin dann noch einmal klar, ginge es niemals automatisch um Abgabe des Kindes in Pflegschaft. Auch wenn Eltern das selbst anregen. Nach Prüfung aller Voraussetzungen kann das Jugendamt zu einer anderen Ansicht gelangen. Andersherum sei es aber auch möglich, dass Eltern den Aufenthalt ihres Kindes bei den Großeltern privatrechtlich regeln. „Das ist ohne Mitwirkung des Jugendamtes möglich“, sagt Beate Dellin. „Wenn die familiären Positionen klar sind, wenn sich Großeltern nicht als Ersatzeltern begreifen, einen guten Kontakt zu beiden Elternteilen pflegen, besteht für das Jugendamt gar kein Handlungsbedarf.“

Doch in Fällen, in denen das Jugendamt mit hinzugezogen wurde, sagt Beate Dellin, wird es die Prozesse der Eltern, die um Hilfe ersucht haben, weiterbegleiten. Wird es für das Jugendamt bis zu einem bestimmten Punkt darum gehen, zu versuchen, sowohl den Vater als auch die Mutter in die Lage zu versetzen, sich bestmöglichst um das eigene Kind zu kümmern. (* Namen sind geändert und der Redaktion bekannt)

Von Annett Meinke

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