Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Gegen den digitalen Wahnsinn
Mecklenburg Grevesmühlen Gegen den digitalen Wahnsinn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:11 02.11.2018
Pastorin Maria Harder lädt zum gemeinsamen Gebet während der Friedensdekade vom 11. bis 21. November in den Taufraum der St. Nikolai Kirche Grevesmühlen ein. Täglich ab 18 Uhr – außer am Sonntag – nach dem Abendläuten kann gemeinsam für den Weltfrieden gebetet werden. Quelle: Annett Meinke
Grevesmühlen

Die Welt scheint derzeit immer mehr aus dem Ruder zu laufen. Diesen Eindruck haben nicht wenige Menschen. Doch können Gebete für Frieden wirklich weiterhelfen? Ist das nicht doch ein bisschen sehr weltfremd im Jahr 2018 – selbst für Gläubige? Maria Harder, Pastorin der St. Nikolai Kirchengemeinde in Grevesmühlen, versteht, dass Menschen das möglicherweise so sehen. Doch sie hat eine bedenkenswerte Antwort parat: „Gebete per se können die Welt nicht verändern. Doch wer in so unruhigen Zeiten in der Lage ist, immer wieder stille Einkehr zu halten, wer, in all dem, was auf ihn oder sie einstürmt, immer wieder zur Ruhe und damit zur Kraft findet, – der verändert sich nachhaltig als Mensch. Und Menschen sind es, die die Welt verändern.“

Und so sieht die Pastorin das Angebot, das sie in der in der Grevesmühlener St. Nikolai Kirche macht, in der Zeit der Ökumenischen Friedensdekade, die jährlich im November stattfindet, – in diesem Jahr vom 11. bis zum 21. November –, als eine gute Möglichkeit, für Menschen zusammen zu kommen, miteinander ruhig zu werden und gemeinsam Andacht zu halten. Und dabei wird, wer kommt, nicht nach Konfession oder Glauben gefragt. Allerdings sollte man schon bereit sein, einen Bibelspruch anzuhören und das, was die Pastorin dazu zu sagen hat. Täglich nach dem Abendläuten um 18 Uhr (außer an den Sonntagen) steht die Kirche mit dem Taufraum, wo die Zusammenkunft stattfinden wird, für ein circa 20-minütiges Beisammensein offen.

Schwerter zu Pflugscharen

Es ist nicht das erste Jahr, dass die Kirchengemeinde St. Nikolai an der Ökumenischen Friedensdekade teilnimmt, deren Logo einigen Christen schon zu DDR-Zeiten gut bekannt war. Ein Logo, dessen Verwendung dort, in den 1980er Jahren, verboten war: Schwerter zu Pflugscharen. Die Pastorin selbst kann sich noch gut an diese Zeiten erinnern. Sie selbst war im Jahr 1983 auf dem Kirchentag in Wittenberg Lutherstadt mit dabei, auf dem Dinge passierten, die die DDR-Politiker damals auch nicht wirklich lustig fanden.

Schwerter zu Pflugscharen

Schorlemmer wurde als Sohn eines Pfarrers in Wittenberge (Prignitz) geboren und ist in Werben (Altmark) aufgewachsen. Von 1971 bis 1978 war er Studentenpfarrer in Merseburg, von 1978 bis 1992 lehrte er als Dozent am Evangelischen Predigerseminar und war Prediger an der Schlosskirche in der Lutherstadt Wittenberg. Von 1992 bis 2007 war Schorlemmer Studienleiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt.

1968 beteiligte sich Schorlemmer an Aktionen gegen die neue Verfassung der DDR und die Niederschlagung des Prager Frühlings durch Truppen des Warschauer Pakts. Von den 1970er Jahren an war er Mitglied der Friedens-, Menschenrechts- und Umweltbewegung.

Auf dem Kirchentag 1983 in Wittenberg fand auf dem Lutherhof unter seiner Verantwortung die symbolische Umschmiedung eines Schwerts zu einer Pflugschar statt. Die DDR-Behörden hatten vorher die öffentliche Benutzung des Slogans Schwerter zu Pflugscharen für illegal erklärt. Diese Aktion machte ihn international bekannt. Stefan Nau, der Schmied, musste kurze Zeit später die DDR verlassen.

„Auf diesem Kirchentag in Wittenberg“, erzählt sie, „fand auf dem Lutherhof auf Initiative des evangelischen Theologen und Bürgerrechtlers Friedrich-Wilhelm Schorlemmer, der zu jener Zeit Prediger in der Schlosskirche der Lutherstadt war und als Dozent am Evangelischen Predigerseminar arbeitete, die symbolische Umschmiedung eines Schwertes zu einer Pflugschar in Anwesenheit von Richard von Weizsäcker statt.“

Von Anfang an ging es bei der Friedensdekade, die ursprünglich „Friedenswoche“ hieß und 1979 in den Niederlanden ins Leben gerufen wurden, – von dort aus dann in 1980 zeitgleich in Westdeutschland und der damaligen DDR übernommen wurde –, um die Themen „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“. Gleichermaßen ging es um Protest gegen alles, was dem bedrohlich gegenüberstand.

Der digitale Wahnsinn

„In diesem Jahr steht die Ökumenische Friedensdekade unter dem Motto ’Krieg 3.0’“, erläutert Pastorin Harder. Der Fokus liegt dabei auf der zunehmenden Digitalisierung der Welt, die in mancher Hinsicht zerstörerisches Potenzial besitzt. Nicht nur hinsichtlich direkter Kriegsführung mit automatisierten Waffen, die per Fernsteuerung ihr Ziel zerstören, Menschen töten. Auch die pausenlose Konfrontation mit der digitalen Welt, – beruflich und privat –, die Unmengen an Informationen, die oft ungefiltert von immer mehr Menschen schon fast zwanghaft aufgesogen und kommentiert werden, das entfesselte Profitstreben im Zusammenhang mit einer Wirtschaftswelt, die pausenlosen Konsum zum Nonplusultra erhebt, ungeachtet der Folgen für die Umwelt, tragen sicht- und fühlbar zu einer hektischen gesellschaftlichen Atmosphäre bei, in der populistische Thesen und Schwarz-weiß-Lösungen vielleicht auch deshalb greifen, weil sie scheinbar Klarheit in all die bedrohliche Unübersichtlichkeit bringen.

„In diesen Treffen in der St. Nikolai Kirche während der kommenden Friedensdekade, die mit dem Buß- und Bettag am 21. November enden wird“, hofft Pastorin Harder, „können die, die kommen, vielleicht auch spüren, dass sie nicht allein mit ihrer Unruhe und Besorgnis sind. Dass es immer noch Gemeinschaften im Analogen gibt, die tragen.“

Annett Meinke

Wismar Diebstahl in Kritzow - Turbolader gestohlen

Diebe haben von einer Baustelle in Kritzow einen Turbolader gestohlen. Sie bauten ihn aus einem Radlader aus.

02.11.2018

Weil seine Ex-Freundin ihn nicht in ihre Wohnung lassen wollte, rief ein Mann aus Wismar die Polizei. Die Beamten erteilten ihm einen Platzverweis, woraufhin der 31-Jährige mit drei Promille auf sein Fahrrad stieg.

02.11.2018
Wismar Auffahrunfall in Wismar - Betrunken am Steuer

Betrunken hat ein 56-Jähriger in Wismar einen Auffahrunfall verursacht. Der Alkoholtest ergab 0,94 Promille.

02.11.2018