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Grevesmühlen Emotionales Thema: verschwindende Landwege
Mecklenburg Grevesmühlen Emotionales Thema: verschwindende Landwege
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13:17 18.03.2019
Um die 80 Besucher kamen am vergangenen Samstag (16. 3. 19) nach Plüschow, um sich im Schloss den Vortrag der Biologin Gudrun Schützler zum Thema „Verschwundene Landwege“ anzuhören und anschließend über das Thema zu diskutieren. Quelle: Udo Rathke
Plüschow

Das Verschwinden der Landwege ist offensichtlich ein Phänomen, das viele Menschen so tief bewegt, dass über 80 von ihnen sich an einem Samstagabend auf den Weg nach Plüschow machten, um dort im Schloss dem dem Vortrag der Biologin Gudrun Schützler zur Thematik zu lauschen – und sich hinterher in der Diskussion Luft über ihren Frust angesichts der Realität zu verschaffen.

„Wir waren überrascht von der Resonanz und der Emotionalität, die dieses Thema mit sich brachte. Die Stühle haben kaum ausgereicht.“, freute sich Miro Zahra, Leiterin des Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow, über den „fulminanten Auftakt“ der Reihe „Kulturlandschaft MV“ am vergangenen Wochenende. Bis gegen 21 Uhr wurde nach dem Vortrag diskutiert. Die Besucher kamen nicht nur aus Nordwestmecklenburg, auch von deutlich weiter her –Rostock, Greifswald, Ribnitz-Damgarten unter anderem.

Quelle: Udo Rathke

Gemeinden besitzen laut Flurplan oft noch Wegegrundstücke

„Es ging teilweise richtig tief in das Thema hinein.“, so Zahra weiter, die gemeinsam mit Biologin Schützler und Ulrike Berger (Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen MV), sowie Katharina Dujesiefken (Referentin Baum- und Alleenschutz, BUND MV) während der Diskussion im Podium saß. Die Veranstaltungsbesucher drückten dabei immer wieder eine empfundene Ohnmacht über die Situation und die mangelnden Möglichkeiten aus, durch persönliches Eingreifen etwas zu ändern.

Dass es tatsächlich jedoch gar nicht so schwer ist, etwas an der Situation zu ändern – und auch nicht notwendig, lange auf irgendwelche politischen und amtlichen Entscheidungen zu warten, erklärte Peter Rabe, Leiter des Forstamtes Grevesmühlen, den Anwesenden.

Rabe plädierte dafür, Landwirte, Bürger und Gemeindevertretungen an einen Tisch zu holen, um über die Situation zu beratschlagen, und für alle Seiten machbare und wünschenswerte Kompromisse zu finden. „Viele der von der Agrarwirtschaft überpflügten Landwege sind teilweise schon in der DDR verschwunden. Manche schon zum Zeitpunkt der Zusammenlegung der Flurgrundstücke während Bodenreform, einige natürlich auch erst in letzter Zeit.“, so Rabe.

Landwege, sie werden geliebt, von Einheimischen und Touristen. Doch immer mehr verschwinden. Quelle: Miro Zahra

Der Forstamtsleiter plädierte einerseits für Verständnis für die Situation der Landwirte, für die die Bewirtschaftung zusammenhängender Flächen „einfach wirtschaftlicher ist.“ Dennoch, so Rabe, muss es andererseits möglich sein, alte Landwege wiederzubeleben. Anhand der Flurstückkarten, so Rabe, ließe sich leicht herausfinden, welche Wegegrundstücke eine Gemeinde noch heute besitzt, – über die sie einfach keine Kenntnis mehr hat. Das seien häufig so einige, war er sich sicher.

Theoretisch und auch praktisch könnte jede Gemeinde, die über solche schon länger ungenutzten Wegegrundstücke verfügt, sie ohne Probleme wieder in Besitz und Gebrauch nehmen. Im Gespräch mit den Landwirten könne man herausfinden, wo es Sinn macht. „Da, wo der Zugang zu einem Wald, zu einem Weiher oder Soll zum Beispiel damit gegeben wäre,“, so Rabe, „oder auch der Zugang zu anderen landschaftlich schönen Gegenden, wo sich Einheimische und Touristen wandernd erholen können.“

Landwege, die verschwinden: rege, emotionale Diskussion am vergangenen Wochenende auf Schloss Plüschow. Grevesmühlens Forstamtsleiter Peter Rabe präsentierte einige Lösungsansätze. Quelle: Udo Rathke

Landwege als Kulturgut anerkennen lassen

„Es geht dabei doch auch um die Zeichen der Zeit“, so Rabe, „Erholung und Naturzugang benötigen Einheimische ebenso wie Touristen. Die Natur wiederum braucht einen rücksichtsvollen Umgang, – doch der ist nur dann zu lernen, wenn man auch Zugang zur Natur und ihrer Schönheit hat.“ Wanderwege würden zudem auch den Verkehr reduzieren, „wenn nicht alle, die Erholung suchen, immer nur ins Auto springen und von A nach B fahren.“ Das Forstamt Grevesmühlen, erklärte Rabe, sei an einer Lösung für alle Seiten interessiert und gern bereit, sich an innergemeindlichen Diskussionen und Lösungsfindungen zu beteiligen.

Dass es an der Zeit ist, sich auch politisch für die Bewahrung, den Schutz oder die Wiederbelebung alter Landwege einzusetzen, so Zahra, sei für die Grünen und den BUND das klare Fazit der Veranstaltung. Das Podium sprach sich dafür aus, Landwege als Kulturgut des Landes Mecklenburg-Vorpommern offiziell anzuerkennen.

Annett Meinke

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